Keine Kandidatur für den Vorsitz: Unkeler Bürgerverein droht die Auflösung

Keine Kandidatur für den Vorsitz : Unkeler Bürgerverein droht die Auflösung

Krise beim Sankt-Joseph-Bürgerverein Scheuren: Der alte Vorstand, der sich eigentlich zurückziehen wollte, führt die Geschäfte kommissarisch weiter. Im Herbst soll es einen neuen Anlauf für Neuwahlen geben.

Ein Notvorstand führt vorerst kommissarisch die Geschäfte des Sankt-Joseph-Bürgervereins Scheuren. Das ist das Ergebnis des vergeblichen Versuchs, bei der Jahreshauptversammlung einen neuen Vorstand zu wählen, nachdem der bisherige sich – wie bereits vor einem Jahr angekündigt – nicht mehr zur Wahl stellen wollte.

„Das ist kein schöner Abschluss heute“, stellte der nun zwangsläufig weiter amtierende Vorsitzende Uli Koch am Ende der Versammlung im Scheurener Hof fest.

Auch die weiteren Vorstandsmitglieder, der zweite Vorsitzende Michael Braun, Kassenwart Reinhard Wolf, Schriftführer Alfons Mußhoff und Kirchenfähnrich Manfred Mönch mit ihren Stellvertretern sowie die Beisitzer Sigrid Braun, Christoph Rechmann und Patrick Schröder, bleiben vorerst im Amt.

Zudem gehören der zweite Kassenwart Bernhard Müller, der zweite Schriftführer Volker Thomalla und der zweite Kirchenfähnrich Dieter Schraaf dem Notvorstand an.

Ehrenmitglied Heribert Selzer leitete die Wahl, die eigentlich keine war. Etliche vorgeschlagene Mitglieder winkten ab. Auch nach einem Gedankenaustausch über mögliche Auswege aus dem Dilemma war keine Lösung in Sicht.

Eine ähnliche Situation gab es 2012 schon einmal

Koch erklärte das weitere Prozedere. Nicht zum ersten Mal erlebt der Bürgerverein eine derartige Krise. 2012 konnte erst im Herbst ein Vorstand gewählt werden, nachdem die Geschäfte des Vereins zuvor sechs Monate geruht hatten.

„Wir werden nur die zwingend notwendigen Geschäfte führen“, kündigte der unfreiwillige Vorsitzende an. Man werde keine Verträge für die Kirmes 2020 abschließen, die dann höchstwahrscheinlich nicht wie gewohnt stattfinden könne. Im Oktober wolle der Notvorstand zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einladen.

Sollte sich auch dann niemand bereit erklären, den Vorsitz zu übernehmen, würden die Geschäfte des Vereins noch bis zur Jahreshauptversammlung am 22. März 2020 kommissarisch weitergeführt. Sollte auch dann kein Vorsitzender gefunden werden, werde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen zu dem Zweck, den Sankt-Joseph-Bürgerverein aufzulösen.

Werbung um Kandidaten mit einer "Stellenanzeige"

Am mangelnden Einsatz des Vorstandes hat es offenbar nicht gelegen, dass der Verein in dieser schwierigen Situation steckt. Neben zahlreichen Gesprächen mit potenziellen Nachfolgern hatte er sogar eine „Stellenanzeige“ im Dorf verteilt, in der die Aufgaben der Vorstandsmitglieder beschrieben wurden. „Im Sinne der Dorfgemeinschaft und für ein lebens- und lebenswertes Scheuren“ hatte der Vorstand um Kandidaten geworben.

Vor dem Versuch, einen neuen Vorstand zu wählen, hatte Koch als Vorsitzender das zurückliegende Jahr Revue passieren lassen. Im Mittelpunkt stand die Kirmes. Zwar hatte man beim Königsschießen, das erstmals wieder im Katzenloch stattfand, keinen Bürgerkönig feiern können, „das Fest mit einem neuen Konzept aber war sowohl hinsichtlich der Resonanz als auch finanziell ein voller Erfolg“, so Koch.

Das kleinere Zelt auf dem Vorplatz am Kindergarten sei stets gut besucht, die Atmosphäre locker und harmonisch gewesen. Nicht zuletzt dank des Junggesellen- und Jungmädchenvereins, dem der Bürgerverein die Hälfte des Überschusses sowie weitere 500 Euro für die Erneuerung der Uniformen spendet.