Rücktritte im Vorstand: Streit im Willy-Brandt-Forum in Unkel

Rücktritte im Vorstand : Streit im Willy-Brandt-Forum in Unkel

Beim Willy-Brandt-Forum in Unkel sind drei der fünf Vorstandsmitglieder nach Differenzen mit dem Vorsitzenden zurückgetreten. Vorausgegangen waren Querelen um die Finanzausrichtung und Kritik am Führungsstil.

Willy Brandt würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, bekäme er mit, was sich 26 Jahre nach seinem Tod in der Bürgerstiftung Willy-Brandt-Forum in Unkel abspielt. Mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Rudolf Barth, Geschäftsführer Rudolf Rupperath und Beisitzer Ulrich Runkel, der sich um die Finanzen kümmerte, sind gleich drei Mitglieder des fünfköpfigen Vorstands zurückgetreten, weil sie mit dem Führungsstil des Vorsitzenden Christoph Charlier nicht einverstanden waren.

Die CDU-Fraktion im Unkeler Stadtrat hat daraufhin in dieser Woche Professor Wolfgang von Keitz für das Amt des neuen stellvertretenden Vorsitzenden nominiert. Der Stadtrat muss dem noch zustimmen, damit das Kuratorium bei seiner Sitzung am 18. Oktober den Informations- und Kommunikationswissenschaftler zum Nachfolger von Barth wählen kann. Von Keitz lebt seit 30 Jahren in Unkel und ist seit 2016 CDU-Mitglied. Als neue Beisitzer wurden bereits Georg Walenciak und Marc Ruland gekürt.

"Persönliche Differenzen"

„Rudolf Barth hat sich seit mehr als zehn Jahre mit viel Herzblut für die Stiftung eingesetzt. Ja, man kann sagen, dass es Rudolf Barth war, der bereits seit 1995 mit seiner Betreuung des Willy-Brandt-Arbeitszimmers im Unkeler Rathaus einen Grundstein für die spätere Ausstellung im Willy-Brandt-Forum gelegt hat“, hob CDU-Fraktionssprecher Alfons Mußhoff Barths Verdienste hervor. Nach Gesprächen mit Barth und Charlier habe man aber nur feststellen können, dass die Differenzen im Vorstand offenbar nicht mehr zu überbrücken waren.

Von „persönlichen Differenzen im Vorstand“ spricht auch Gerhard Hausen, Stadtbürgermeister in Unkel und Kuratoriumsvorsitzender des Willy-Brandt-Forums. Die drei zurückgetretenen Vorstandsmitglieder hätten mit viel Engagement gute Arbeit geleistet. Auf ihren Rücktritt habe das Kuratorium „schnell reagiert: Wir sind jetzt auf einem guten Weg und der Vorstand nach der Wahl von Keitz' wieder komplett“.

Langwierige Auseinandersetzungen

Den Rücktritten waren langwierige Auseinandersetzungen im alten Vorstand vorausgegangen. „Der Rücktritt der drei Vorstandsmitglieder erfolgte nach reiflicher Überlegung. Die Gründe waren schwerwiegend und haben uns persönlich betroffen gemacht. Wir hätten uns gewünscht, dass mehr darüber nachgedacht worden wäre, warum drei Vorstandsmitglieder zurücktreten“, teilten Barth, Rupperath und Runkel in einer gemeinsamen Erklärung mit. Bereits bei der Vorstandssitzung am 7. Juni hatten sie ihrerseits den Vorsitzenden Christoph Charlier zum Rücktritt aufgefordert. „Damals hat es richtig geknallt“, sagte Rupperath jetzt dem General-Anzeiger.

Statt zurückzutreten habe Charlier angekündigt, das Kuratorium einzuschalten. Daraufhin hätten sie ihren Rücktritt angekündigt. Auch der Vermittlungsversuch des früheren Landrats Rainer Kaul scheiterte. „Wir haben gesagt, dass wir unter den beiden Prämissen, dass Vorstandsbeschlüsse künftig gemeinsam gefasst werden und dass es einen monatlichen Jour Fixe gibt, weiterarbeiten“, so Rupperath. Das habe Charlier jedoch abgelehnt. Als der Vorsitzende die Rückendeckung des Kuratoriums erhalten habe, sei man dann zurückgetreten.

"Nicht gelungen, ein Team zu bleiben"

Charlier freut sich, dass mit von Keitz ein neuer Stellvertreter gefunden wurde. Ursächlich für den Unfrieden im Vorstand sei der „Kompetenzstreit zwischen Herrn Rupperath und mir gewesen“. Man habe unterschiedliche Auffassungen darüber gehabt, wie man auf die schwierige finanzielle Situation des Willy-Brandt-Forums mit jährlichen Betriebskosten zwischen 50 000 und 60 000 Euro reagieren solle. Das Jahr 2016 war mit einem Minus von 5000 Euro abgeschlossen worden. „Es ist uns da nicht gelungen, ein Team zu bleiben“, sagt er.

Nachdem die Mehrheit des Vorstands ihn zum Rücktritt aufgefordert habe, habe er sich an das Kuratorium gewandt, das wiederum Kaul um Moderation gebeten habe. Als auch dieser Versuch gescheitert sei, habe das Kuratorium beide Parteien angehört und ihm anschließend das Vertrauen ausgesprochen. Eine Zusammenarbeit sei sowohl für die drei zurückgetretenen Vorstandsmitglieder als auch für ihn nicht mehr möglich gewesen. „So wie es sich entwickelt hat, ging es nicht mehr.“

Forum hat Geldprobleme

Das Vertrauensverhältnis sei zerstört gewesen. Charlier hofft nun, mit der neuen Mannschaft die strukturellen Probleme des Willy-Brandt-Forums noch besser angehen zu können. „Mit 88 Besuchern hatten wir am Samstag vor einer Woche die bisher höchste Besucherzahl an einem Tag“, sieht er ein positives Zeichen.

Das 2011 eröffnete Museum besuchen jährlich rund 5000 Interessierte. In einer Kleinstadt wie Unkel mit 5000 Einwohnern lasse sich ein solches Museum eigentlich gar nicht betreiben, so Charlier. Zumal in einem 48 Jahre alten Gebäude, in dem in absehbarer Zeit größere Investitionen notwendig seien. Auf der Einnahmenseite stünden nur die Eintrittsgelder, die Mieten aus zwei Wohnungen und das Engagement des Förderkreises. „Wir müssen deshalb nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten suchen.“

Deshalb hat die Bürgerstiftung, wie berichtet, Kontakte zur Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung aufgenommen, um von dort finanzielle Unterstützung zu erhalten. Die große Stiftung erhält jährlich 2,6 Millionen Euro vom Bund. Im Oktober soll deren Kuratorium eine Entscheidung treffen. In dieser Situation kann die Bürgerstiftung Willy-Brandt-Forum schlechte Schlagzeilen eigentlich überhaupt nicht gebrauchen.

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