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Neue Reben am Unkeler Sonnenberg: Pflanz-Maschinen helfen bei der Millimeterarbeit am Wingert

Neue Reben am Unkeler Sonnenberg : Pflanz-Maschinen helfen bei der Millimeterarbeit am Wingert

Winzer bepflanzen den Weinberg an der Heisterer Ley neu. Zum Einsatz kommen Spezialmaschinen von der Ahr.

Schnurgerade arbeitet sich die Maschine voran. Am Hang von der Heisterer Ley setzt Winzer Oliver Krupp aus Bruchhausen rund 1500 Reben. Roten Riesling, Souvignier Gris und Blauen Spätburgunder hat er für die Neubepflanzung gewählt. Alte Weinstöcke wie die Sorte „Bacchus“ hat er hingegen aus seinem Wingert aussortiert. Seit 1650 baut seine Familie in Bruchhausen Wein an, „für den Eigenbedarf und später für den örtlichen Winzerverein“, erzählt Vater Bruno Krupp, während er den Pflanzprozess vom Feldrand aus beobachtet, „immer in der Gemarkung Unkel, am Unkeler Sonnenberg“.

In dieser bekannten Weinlage stieg Bruno im Jahr 1978 wieder stärker ein, auf einem vom Großvater angelegten Weinberg – „aus Spaß“. Sohn Oliver fand auch Geschmack an der Sache, absolvierte eine Ausbildung im Weingut Scheidgen in Hammerstein, absolvierte sein Fachabitur und studierte Weinbau an der Hochschule Geisenheim. In seinem Lehrbetrieb war er Kellermeister, bevor er sich dann auf das Weingut Krupp als Nebenerwerbswinzer konzentrierte, denn außerdem wirkt er noch mehrere Tage die Woche im Gut Haanhof. Aber nun ist Pflanzzeit an der Heisterer Ley.

Pflanzteam kommt von der Ahr

Oliver Krupp verfolgt vom Bagger aus oben am Hang die Prozedur. So schwer wie bei den Vorfahren ist das Pflanzen dank moderner Technik nicht mehr. Von der Ahr ist das Pflanzteam Heiko Schäfer und Frederic Stark mit einem Raupenmechanisierungssystem, dem RMS, angereist. Die Raupe hängt am Bagger. Eine Laser-Vorrichtung mit Sender am Bagger und Empfänger an der Maschine garantieren, dass Frederick Stark am Steuer auf den Zentimeter genau die Pflanzlinie hält. Heiko Schäfer sitzt hinten auf dem RMS, steckt geschickt während der Fahrt jede einzelne Rebe in die Erde, immer im Abstand von exakt einem Meter, den ein markiertes Band anzeigt.

Zwischen dem Pflanzschwert muss die Weinrebe landen. Nur die kräftigen Wurzeln des jungen Triebs dürfen in die Erde, die Veredelungsstelle muss über dem Niveau liegen, zwei Teller drücken die Erde an.

„An einem guten Tag können wir 4000 bis 5000 Reben pflanzen“, berichten die beiden Winzer von der Ahr, die zu Hause, am Mittelrhein, an Mosel und Nahe sowie Teilen von Rheinhessen im Einsatz sind. „In Zeiten von Corona ist das für uns eine wichtige Einnahmequelle“, sagt Schäfer, bevor er mit seinem Kollegen wieder das RMS besteigt und zwei Meter weiter die nächste Zeile angeht. Der großzügige Abstand ermöglicht es Oliver Krupp später bei der Pflege, mit dem kleinen Traktor durch die Reihen zu fahren.

Das wertvolle Pflanzgut kommt von einer Rebschule an der Hessischen Bergstraße. Oliver Krupp hat die pilzresistenten Triebe einen Tag lang gewässert, bevor sie nun ins Erdreich gelangen. „Vor 15 Jahren wäre ich ausgelacht worden, hätte ich Blauen Spätburgunder gepflanzt. Der wird hier nicht reif, hätten sie mir gesagt“, meint Bruno Krupp. „Aber der hat ein gutes Mostgewicht. In guten Jahren wird das ein Top-Rotwein, in schlechten Jahren ein guter Rosé oder ein Blanc de Noirs.“

Drei Hektar bewirtschaftet

Ebenso ist der Rote Riesling, der eine rosa Traube hat, aber weißen Wein ergibt, etwas Neues, klärt Bruno Krupp auf. Für die Zukunft besteht die Option für das Weingut, einige Meter weiter an der Heisterer Ley am warmen Felsen noch einen Streifen zu bepflanzen. Regelmäßig stellt das Weingut, das drei Hektar bewirtschaftet, seine Weine dem Prüfer vor, und zwar sehr erfolgreich. Im Gewerbegebiet Bremelsberg hat Oliver Krupp eine Halle gebaut, wo der Wein produziert wird. Der Hofverkauf erfolgt aber weiter im Bruchhausener Weingut.

Aber erst einmal wird die Entwicklung der frisch gepflanzten Reiser beobachtet. Sie erhalten Pflanzstäbe und Drahtrahmen zur Erziehung. Und wenn alles gut geht, werden sie bereits im ersten Jahr eine Höhe von 100 bis 150 Zentimetern erreichen. Bruno Krupp: „Ideal ist es, wenn wir im Herbst anschneiden können, damit sie einen Stamm bilden.“ Im dritten Jahr ist ein kleiner Ertrag zu erwarten. Und vielleicht erhalten auch die Produkte ihrer Trauben später bei der Prämierung Goldmedaillen.