Mit der Eisenbahn durch das Kasbachtal: Mit der Säge im Handgepäck

Mit der Eisenbahn durch das Kasbachtal : Mit der Säge im Handgepäck

Ein Mittwoch, elf Uhr morgens auf dem Linzer Bahnhof: Sommerruhe. Vereinzelte Reisende warten in der August-Hitze auf ihren Zug. Nur auf Gleis drei herrscht Hochbetrieb: aufgeregte Kinder mit Rucksack, Großeltern mit Fotoapparat, laut schwatzende Wandergruppen, dazwischen Hunde an der Leine. Gleich kommt sie: die Kasbachtalbahn.

Langsam und quietschend nähert sich der blau-weiße Schienenbus den Ausflüglern. Innen erwartet sie Eisenbahn-Nostalgie pur: Gepäcknetze hängen an den holzgetäfelten Wänden, das Steuerpult des Lokführers besteht aus glänzenden Metallhebeln, bunten Blinklichtern und zahlreichen Messgeräten.

Mit Ausstattung und Technik Baujahr 1960 kämpft sich die Kasbachtalbahn langsam aber sicher an drei Tagen die Woche den Berg von Linz nach Vettelschoß-Kalenborn hinauf. 300 PS helfen dem Wagen, die rund 400 Höhenmeter zu überwinden. Die knapp neun Kilometer lange Strecke schlängelt sich über ein Viadukt vorbei an Burg Ockenfels durch den Wald. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei der Bergfahrt beträgt 20 Stundenkilometer.

"Der Schienenbus ist schwieriger zu fahren als ein ICE", erklärt Lokführer Holger N. Wie die meisten seiner Kollegen sitzt der gelernte Zugführer und Liebhaber nostalgischer Schienenfahrzeuge aus persönlichem Interesse am Schaltpult des Schienebusses. "Hier bekommt man viel mehr mit von der Technik als in einem modernen Zug", sagt er.

Manchmal liegen die Herausforderungen an die Lokführer gleich vor ihnen auf der Schiene. "Im Zug liegt immer ein Säge", erklärt Holger N., "ab und zu liegen Bäume quer, die wir aus dem Weg schaffen müssen." Seit 1999 betreibt die private Eifelbahn Verkehrsgesellschaft die historische Bahnstrecke. Ursprünglich fuhren die Bahnen bis in den Westerwald nach Altenkirchen. 1912 wurde die Strecke eröffnet, über die vor allem Basalt aus dem Wiedtal und Erz aus der Region Neustadt/Flammersfeld an den Rhein transportiert wurde. Im zweiten Weltkrieg wurden die Gleise zerstört, danach nur eine Teilstrecke wieder aufgebaut.

In den Anfangszeiten zogen Zahnradloks die schweren Güterzüge den Berg hoch, selbst in den 60er Jahren fuhren noch Dampfloks durch das Kasbachtal. Die heutigen Schienebusse stammen aus der Nachkriegszeit. Sie galten damals als sparsame Alternative zu Dieselloks und wurden gerne auf Nebenstrecken eingesetzt.

Heute nutzen neben Eisenbahn-Nostalgikern vor allem Wanderer den alten Schieneweg durch den Wald. Von Kalenborn führt ein Zubringerweg des Rheinsteigs zurück nach Linz. Kurz nach der Haltestelle führt der idyllische Pfad die Spaziergänger durch helle Laubwälder entlang des Kasbaches. Über kleine Holzbrücken und streckenweise etwas steilere Felswege schlängelt sich die Wanderstrecke entlang der Gleise. Nach knapp zwei Stunden in entspanntem Tempo erreicht der Wanderer die "Alte Brauerei", ein Auflugslokal am Standort der früheren Steffens-Brauerei. Hier hält die Bahn auf ihrem Weg nach Kalenborn oder über Kasbach zurück nach Linz.

Steil bergab fährt der blau-weiße Wagen von der Nebenstrecke zurück auf das Hauptgleis der Bahn in Richtung Linz, mit 30 Stundenkilometern kaum schneller als bergauf. Spätestens, wenn der erste ICE an einem vorbeirauscht, ist der Reisende wieder in der Gegenwart angekommen.

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