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Kunst in Unkeler Fenstern: Künstler zeigen besondere Ausstellung

Kunst in Unkeler Fenstern : Künstler in Unkel zeigen besondere Ausstellung

Mit einem besonderen Ausstellungskonzept zeigen Künstler in Unkel Präsenz in der Krise: Da die „Kunst in Unkeler Höfen“ nicht möglich ist, zeigen sie ihre Werke in den Schaufenstern der Stadt.

Es gibt die „Kunst in Unkeler Höfen“. Und als Professor Lars Ulrich Schnackenberg gefragt wurde, was die Unkeler Künstler denn in Corona-Zeiten tun, entstand die Idee, den Titel der Ausstellung zu adaptieren und daraus „Kunst in Unkeler Fenstern“ zu machen. Unkeler Künstler gestatten so Einblicke in Sachen Kunst, ob durch große Schaufenster oder durch kleinere Scheiben in Fachwerkhäusern. Auch wenn Galerien wieder öffnen können, sollen diese ganz besonderen Ausstellungen laufen. Ein Spaziergang durch Unkels Innenstadt wird so zum Kunstgang. Dabei haben die Künstler Corona selbst zum Thema gemacht.

Weil derzeit überall auf diesem Erdball die Menschen unter Corona und seinen Auswirkungen leiden, überschrieb etwa Lars Ulrich Schnackenberg seine Präsentation mit „Ich + Du = Wir = 7,75 Milliarden Menschen“ – eine Gruppe durch den Spiegel zu beobachten mit der „Hoffnung auf Leben“ in der Ferne (Frankfurter Straße 37).

Klaus Hann vermittelt dem Betrachter mit seinem Einblick in das ehemalige, uralte Armenhaus Unkels, das er renoviert und zum Künstlerhaus gestaltet, ein Rezept: „Hilfreich ist es in Zeiten der Not, sich auf das Wesentliche zu beschränken, sich darauf zu konzentrieren und es zu respektieren …“  (Lehngasse 7). „Corona ist nicht zu Hause. Wo ist Corona?“: So lautet die Gemeinschaftsinstallation von Gabriela Mrozik und Christian Rosenzweig. Unter den amorphen, schwebenden Formen der hängenden Papier-Collagen von Gabriela Mrozik befinden sich drei fest im Boden verankerte Elemente der Plastik: das bewegliche Virus und der zeitweise erstarrte Mensch im Dialog (Frankfurter Straße 48).

Das Leben mit Corona wird dokumentiert

Corona veränderte schlagartig das Leben, verleitet zu Hamsterkäufen, bringt nie gekannte Einschränkungen mit sich. Horst Bennemann hat diese Veränderung mit dem Fotoapparat festgehalten. Das Ergebnis ist in der Kulturwerkstatt an der Pützgasse zu sehen: Leere Straßen und Plätze, verschlossene Restaurants, gestapelte Tische, Stühle und Sitzkissen, Menschen nur allein, vereinzelt, einsam. Bennemann: „Dennoch: Die Sonne scheint, alles blüht, ein herrlicher Frühling – aber für wen?“ (Pützgasse 2)

An Rationen erinnert Malte Sonnenfeld mit seinen Bildern im Schaukasten neben dem Café am Markt unter dem Motto „Aus der Zeit, als wir den Krieg aßen“. Der Künstler 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs: „Nach Ausbruch des Krieges wurden relativ schnell drei Dinge rationiert: Papier, Tabak und Kakao. Es sollte sichergestellt werden, dass die Soldaten an der Front nicht auf ihre tägliche Zigaretten- und Schokoladenration verzichten mussten.“ In Zeiten von Corona ist es Klopapier (Frankfurter Straße).

„Von den Wäldern“

Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mitten in Unkel? Doch! Malte Sonnenfeld geht neue malerische Wege in seinem aktuellen Zyklus „Von den Wäldern“, den er in der Kulturwerkstatt zeigt. Zwar bleibt er im weitesten Sinne seinem Stil der Neo-Pop-Art treu, doch es sind nicht mehr die Stillleben oder die fast vergessenen Ikonen der Unterhaltungskultur, sondern Sonnenfeld wendet sich der Natur, den Bäumen, dem Wald zu, derzeit für viele Menschen eine Oase abseits von Corona. Und die Bäume auf Leinwand werden garniert mit echten Baumstümpfen, die im Raum herumstehen.

Gleichzeitig präsentiert dort Heike Peppler ihre Arbeiten unter dem Titel „Von den Wäldern“. Die Holzinstallationen entstanden in einem Kunstprodukt für einen Weltmarktführer im Bereich der Labor- und Medizintechnik. Die Granulate in unterschiedlichen Farben, die sie mit Holz kombinierte, werden für die Herstellung medizinischer Produkte benötigt. Auch das erinnert an Corona. Wenn auch „Kunst in Unkeler Fenstern“ nicht als Pille verordnet werden kann, so dient sie dennoch der Erbauung, ist Seelenmassage und somit die beste Medizin gegen Angst vor Corona (Pützgasse 2).

Jürgen Baas indes rüstet gegen Corona mit der Abstandskrone auf, die der Künstler zur Bewältigung der Seuche erfunden hat. Aktionsradius: 1,50 Meter, Materialien: Stahl, Blech, Holz und Papier, die Baas zu Assemblagen verbunden hat, Reliquien gleich. Er möchte beim Betrachter Nachdenken bewirken oder ihm auch ein amüsantes Lächeln schenken (Lehngasse 7). Nur um eines bitten die Künstler: Abstand halten beim Betrachten ihrer Werke.