Künstlerin Martine Seibert-Raken: Kunst aus Unkel bei der Biennale in Venedig

Künstlerin Martine Seibert-Raken : Kunst aus Unkel bei der Biennale in Venedig

Die Unkeler Konzeptkünstlerin Martine Seibert-Raken zeigt eine Installation aus Kaninchendraht im Palazzo Mora in Venedig. Von Mai bis November wird ihre Kunst bei der Biennale zu sehen sein.

„Unkel goes to Venice!“ Mit dieser Ankündigung hatte Martine Seibert-Raken nicht zu viel versprochen: Nicht nur, dass die Unkeler Konzeptkünstlerin tatsächlich mit einer Installation an der Biennale in Venedig teilnehmen wird – auch ihre Gäste versetzte sie dorthin. Nach einer kurzen Einführung in ihrem Unkeler Atelier führte sie diese ins Palmenhaus, das ihr die Eigentümerfamilie Henkel-Bagel zur Verfügung gestellt hatte, damit sie dort ein maßstabsgetreues Modell der Front des Palazzo Mora und ihrer Installation aufbauen konnte. Mit der knüpft sie an ihre rosa Kaninchendraht-Wolken an, die seit einem Jahr als Kunst im öffentlichen Raum aus Fenstern und Türen des leer stehenden Hotels „Löwenburg“ quellen.

Im Beisein ihrer Düsseldorfer Galeristin Henrietta Weithorn erläuterte Seibert-Raken ihr Kunstwerk „Es war einmal … Part 9 … Unkel goes to Venice“, in dem sie etwa 1400 Meter magentafarbenen Kaninchendraht verarbeiten will. In etwa zweieinhalb Metern Abstand von der Palazzo-Fensterfront mit dem zentralen Balkon will sie eine mit Plexiglas verkleidete Wand hochziehen. Von dort aus solle sich „ein dichtes Drahtgeflecht wie Badeschaumwolken“ durch das Gebäude plustern und durch die Fenster quellen, sodass es „die Wand zu sprengen scheint“, so Seibert-Raken. Beleuchtet werde die Installation von 5000 Lumen starken Strahlern.

"Kulturdorf Unkel" in Venedig bekannt gemacht

Anfang bis Mitte April fährt die Künstlerin, die das „Kulturdorf Unkel“ in Venedig bekannt machen wird, zu den Vorbereitungen in die Lagunenstadt. Von der Biennale-Eröffnung am Samstag, 11. Mai, bis Sonntag, 24. November, wird ihre Installation im Palazzo Mora zu sehen sein.

Der Düsseldorfer Schriftsteller Frank Schablewski interpretierte das Werk Seibert-Rakens: „Hier wird ein historisches Gebäude mittels Kaninchendraht verfremdet.“ Dieses Material würde eigentlich eingesetzt, um Tiere einzuschließen und zu beschützen, so wie die Architektur den Menschen beherberge. Bei Seibert-Raken gefährde es aber die Existenz des Palazzo, drohe, ihn als ein Sinnbild des Lebens, zu sprengen. „Diese Installation beansprucht wie alle gute Kunst Zeit, dass man sich von ihr inspirieren lassen kann“, erklärte er. Im Wasser – hier der Rhein, dort das Meer – fand er eine Verbindung zwischen Unkel und Venedig, das durch den Kreuzfahrttourismus massiv bedroht sei.

Damit komme auch in der Biennale-Installation das Wesen von Seibert-Rakens Arbeit zum Ausdruck, die sich durch ihre tiefe Verbundenheit zu allem Lebendigen und der Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit auszeichne.

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