Von der Ruine zum Kunsthaus: Künstler saniert das Armenhaus in Unkel

Von der Ruine zum Kunsthaus : Künstler saniert das Armenhaus in Unkel

Der Künstler Klaus Hann saniert das ehemalige Armenhaus in Unkel. Das Fachwerkgebäude an der Lehngasse soll zum Kunsthaus samt Atelier und Innenhof werden.

Das Fachwerkgebäude an der Lehngasse 7 ist ein Albtraum für jeden Hausbesitzer. Rein rational betrachtet. Zwischen morschen Holzbalken pfeift der Wind durch die Räume. In der Hauswand zum Innenhof stehen Gefache leer. Planen verhindern, dass es hineinregnet. Im ersten Stock fehlen ein paar Fenster, Türen sowieso. Die Dielen sind durchgetreten oder gar nicht erst vorhanden. Es ist kalt, riecht ein bisschen feucht, feiner Staub liegt in der Luft. Klaus Hann gehört nicht zu den Menschen, die ein solches Projekt rein rational betrachten. Vor rund zwei Jahren hat der Bildhauer das ehemalige Unkeler Armenhaus gekauft, um es wieder instand zu setzen und in ein Kunsthaus samt Atelier und Innenhof zu verwandeln. Eine Lebensaufgabe? „Nein“, sagt er. „Der Plan ist, hier in den nächsten zwei Jahren etwas Tolles zu schaffen.“

Kreativer Hausbesitzer: Klaus Hann saniert mit viel Aufwand das ehemalige Unkeler Armenhaus. Foto: Frank Homann

Im Oktober 2017 erwarb der heute 50-Jährige den Gebäudekomplex, dessen Geschichte mehr als 250 Jahre zurückreicht. „Das Haus hatte in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedliche Besitzer, die mit der Instandhaltung schlicht überfordert waren“, sagt er. 60.000 Euro habe er für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude mit einer Gesamtfläche von rund 250 Quadratmetern gezahlt. Das Haus habe ihn angesprochen. „Aber auch der Gedanke, an dieser Stelle mit eigenem Einsatz etwas Besonderes zu schaffen.“

Freunde packten mit an. „In den ersten Tagen und Wochen haben wir nur Müll aus dem Haus geschafft“, erinnert sich Hann. Dachboden, Gewölbekeller, Anbau, Zimmer: Insgesamt kamen rund 100 Kubikmeter Müll aus den vergangenen Jahrhunderten zusammen. Einiges, wie die Dose Kondensmilch aus den 1950er Jahren oder Münzen aus den 1930er Jahren, hat er aufgehoben. Eine der vordringlichsten Aufgaben war es, das Dach inklusive Dachstuhl zu erneuern und schadhafte Balken im Inneren auszutauschen – Letztere gegen echte alte Eichenbalken, die Hann bei Maria Laach aufgetan hat.

Umbau des Armenhauses in Unkel wird mit Unterer Denkmalbehörde abgesprochen

Rund 40.000 Euro hat allein die Erneuerung des Dachstuhls gekostet. Überhaupt: die Kosten. „Der Umbau erfolgt in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde und der Stadt“, sagt Hann. Fördermittel gibt es über das Isek-Programm, genauer aus dem Städtebauförderprogramm „Historische Stadtbereiche – städtebaulicher Denkmalschutz“. Bis zu 100.000 Euro könnten so in sein Projekt fließen, hofft Hann. „Wenn alles gut läuft.“ Insgesamt, so schätzt er, werden die Kosten bei rund 330.000 Euro liegen. Die finanzielle Lücke schließt er mit Eigenkapital und Eigenleistung. Die erforderlichen Anträge, Formulare, ein exaktes Bautagebuch – das alles falle ihm nicht immer leicht, gibt Hann zu. „Doch die Bürokratie ist nicht das, woran ich scheitern will“, sagt er und grinst. Anfang 2018 zog er in sein Haus ein, ein Raum ist beheizt, strahlt Wärme in die Nebenzimmer aus. Fehlender Wohnkomfort ficht ihn nicht an. „Ich habe in meinem Leben viel Zeit im Ausland verbracht“, sagt er. „Wenn man sieht, unter welchen Umständen Menschen dort leben, tut man sich selbst nicht mehr so leid.“

Blick in die erste Etage: Dielenboden und Wände sind noch in Arbeit. Foto: Frank Homann

Immer wieder kommen Freunde zu Besuch, die für drei, vier Tage die Ärmel hochkrempeln, um Hann bei der Sanierung unter die Arme zu greifen. „Eine Freundin aus Algerien hat die Rückseite der Außenmauer renoviert“, erzählt Hann. Ein Freund aus Norddeutschland war jüngst da, um alte Fensterrahmen wieder auf Vordermann zu bringen, die ihm ein Bekannter überlassen hat. „Viele helfen mir, weil sie sich in das Projekt verliebt haben“, sagt Hann.

Die nächsten Schritte hat der 50-Jährige klar vor Augen: Die Gefache müssen geschlossen, das Dach gedämmt, Fenster – 34 bis 40 Stück, Holz mit Wiener Sprosse, zweifach verglast – ausgetauscht werden. Kostenpunkt pro Stück: rund 550 Euro. „Geduld habe ich in den vergangenen Monaten gelernt“, sagt Hann. „Und ein Stück weit Demut.“ Es sei mehr Arbeit, als er am Anfang gedacht habe, gesteht er zu. „Da musste ich nachjustieren.“ Mittlerweile habe er ein Gefühl für das Haus entwickelt, man passe sich, aber auch die Herangehensweise an. „Zu so einem Haus passen zum Beispiel nur Naturmaterialien“, sagt er. „Lehm, Holz. Das spürt man einfach, darauf muss man sich einlassen.“

Renovierung Armenhaus in Unkel. Foto: Frank Homann

Schon jetzt hat er erste Ausstellungen und Workshops in der Lehngasse organisiert, Seminare und Führungen während der Bauphase stehen bereits im Terminkalender. Im Innenhof des Gebäudes, zwischen Eimern und Baumaterial, zeigt Hann auf einen Feigenbaum, der an der Wand steht. „Als ich hier eingezogen bin, war das ein ziemlich kümmerliches Pflänzchen“, sagt er. „Jetzt wächst er wie verrückt. Ich nehme das mal als gutes Zeichen.“

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