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Erpel: Verein veröffentlicht Dokumentation über die Brücke von Remagen

Brücke von Remagen : Erinnerung in Erpel bewahren für den Frieden

Der Kunst- und Kulturkreis „ad Erpelle“ veröffentlicht eine neue Dokumentation zu den Geschehnissen an der ehemaligen Brücke von Remagen vor 75 Jahren mit Zeitzeugenberichten und Fotos. Am Ort der Geschehnisse laden Verein und Kirchen auch zum Friedensgedenken.

Seit Jahren schon bietet der Erpeler Kunst- und Kulturkreis „ad Erpelle“ Führungen rund um den Tunnel unter der Erpler Ley an. Amerikanische Truppen hatten dort bekanntlich am 7. März 1945 zum ersten Mal den Fuß auf rechtsrheinisches Gebiet gesetzt, nachdem sie die von Remagen über den Rhein führende Ludendorffbrücke kampflos eingenommen hatten. Am Samstag jährte sich dieses für die Gemeinde Erpel und darüber hinaus für ganz Deutschland geschichtsträchtige Ereignis zum 75. Mal. Grund genug für den Verein um seinen Vorsitzenden Edgar Neustein, am Ort des Geschehens eine 28-seitige Dokumentation mit dem Titel „Die Brücke/Der Tunnel“ vorzustellen, die viele Informationen und Zeitzeugenberichte sowie vom Vorstandsmitglied Thomas Jahn fachmännisch aufgearbeitete Fotografien enthält.

Große Nachfrage

„Immer wieder wurden wir nach Führungen gefragt, ob es nicht auch etwas Schriftliches geben würde. Entsprechend haben wir diese Dokumentation erstellt, die genauso aufgebaut ist wie wir bei unseren Führungen vorgehen“, so Neustein nach seiner Begrüßung im Veranstaltungsraum hinter dem Eingangsbereich des Tunnels. Der Verein habe hinsichtlich der Präsentation bewusst auf die Einladung von Ehrengästen verzichtet, hob er hervor, freute sich aber, mit Margret Noll und Matthias Ott zwei Zeitzeugen begrüßen zu können.

Diese hatten im Tunnel und in der Mariengrotte, dem „Zwergenloch“, wie andere am 7. März 1945 Schutz gesucht und gefunden. „Üblicherweise wird die Geschichte der 325 Meter langen, zweigleisigen Brücke, für die bis zur Inbetriebnahme am 1. Mai 1918 über 4700 Tonnen Stahl verbaut wurden, aus militärisch-strategischer Sicht erzählt“, so Neustein. Und natürlich gehe die Dokumentation nach Ausführungen über den Basaltfelsen der Ley bis hin zu der legendären Zeppelin-Fahrt am 2. August 1909 auf die Geschichte des Brückenbaus ein, sogar mit Bauplänen und Fotografien von den Bauarbeiten.

Der Tunnel und dessen Nutzung

Exakt beschrieben werden auch der 383 Meter lange und rund sieben Meter hohe Tunnel und dessen Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg für die Champignonzucht (1951 bis 1957) sowie in den 80-er und 90-er Jahren als Erdgezeiten-Messstation des Geodäsie-Instituts der Universität Bonn. „Seit 2006 nutzt der Verein ad erpelle, der seit 2012 im Besitz des Bauwerks ist, den Tunnel für kulturelle Veranstaltungen, allen voran für das Brücke-Theaterstück nach dem Roman von Rolf Palm, das bereits 160 Mal aufgeführt worden ist“, so Neustein.

Natürlich gehe es in dem Schauspiel auch um den Versuch, die Brücke zu sprengen, um die Rheinüberquerung der Alliierten zu verhindern. Im Fokus stehe aber das Leiden der Zivilbevölkerung, dem sich auch die Dokumentation auf ihren letzten Seiten widmet. „Die wahren Helden waren damals nicht die Brückenbesatzung, das waren die Frauen und der Eisenbahner Willi Feldens, die den amerikanischen Soldaten mit weißen Tüchern entgegen gelaufen sind. Auf diese spontane Handlung stand damals die Todesstrafe, weil jedes Zeichen von Kapitulation verboten war. Ihrer Zivilcourage ist es zu verdanken, dass es nicht zu einem größeren Blutvergießen gekommen ist“, hob Neustein hervor.

Es sei eine Verpflichtung, jüngeren Generationen dieses Ereignis mitzuteilen und so die Erinnerung im Sinne der Friedenssicherung wach zu halten, so Neustein weiter. Bei dem Verein, der nach den Führungen am Nachmittag mit den Pfarrgemeinderäten Dattenberg, Ohlenberg und Erpel auch zur Friedensgedenkfeier im Tunnel einlud, ist die neue Dokumentation ab sofort für zehn Euro erhältlich.

Info unter www.ad-erpelle.de