"Kunst in Unkeler Höfen": Die Stadt wird zum Freiluftatelier

"Kunst in Unkeler Höfen" : Die Stadt wird zum Freiluftatelier

Das erste Kunstwerk steht schon. Die in Bonn lebende und arbeitende Künstlerin Barbara Schmitz hat zusammen mit ihrem Mann, Udo Brockmeier, ihre Installation "Fenster zur Rheinromantik" im Garten des alten Pfarrhauses am Corneliaweg aufgebaut.

Es wird eine der Arbeiten sein, die am Wochenende 5./6. September bei der Veranstaltung "Kunst in Unkeler Höfen" zu bewundern sein werden.

Voller Vorfreude darauf ist auch Barbara Schmitz. Sie hatte sich Unkel im Juli bei einer Begehung mit den Veranstaltungsorganisatoren Hans Joachim und Eleonore Seidel angesehen. Die Idee dieser Kunsttage, bei denen die historische Bausubstanz mit ihren Gärten und idyllischen Innenhöfen "in einen Dialog mit Künstlern und ihren Kunstwerken tritt", gefällt ihr.

Als sie den Platz im Pfarrhausgarten gesehen habe, der als Standort für ihr Kunstwerk vorgesehen war, habe sie sofort angefangen zu recherchieren. Ihr sei klar gewesen, dass sie etwas schaffen müsse, das im Zusammenhang mit dem romantischen Rhein steht.

Da sie vorwiegend mit alten Eisenteilen arbeitet, suchte sie entsprechende Raritäten und wurde bei einem Baustoffhändler fündig: Sie erwarb einen gusseisernen Fensterrahmen, der um 1880 in einer Eisengießerei in Frankreich gefertigt wurde. Seidel und Brockmeier schraubten aus rostigen L-förmigen Eisenteilen einen Unterbau zusammen, darauf an einem Ende zwei gusseiserne Gartenbankfüße, die Schmitz von einem Bekannten bekommen hat. Der hatte sie bei Hochwasser aus dem Rhein gefischt. "Als ich die Bankfüße gesehen habe, hat es sofort gefunkt. Ich wollte eine begehbare Installation schaffen, die zum Innehalten einlädt, so dass man mit einem Blick durch den schweren Fensterrahmen in aller Stille die Rheinromantik genießen kann", erklärte die in Mailand geborene und in Rom aufgewachsene Künstlerin.

Dabei hat sie einen Standort für ihre Installation gewählt, der von der Gartenbank per "Durch"-Blick durch den Fensterrahmen über den Rhein hinweg das Rheinromantik-Panorama schlechthin freigibt: den Blick auf den Drachenfels.

Damit nicht genug. Barbara Schmitz bezieht auch Unkeler Persönlichkeiten wie Stefan Andres und Ferdinand Freiligrath sowie Leonard Reinirkens und Willy Brandt in ihre Arbeit ein, indem sie die Gartenbank-Romantikfenster-Benutzer dazu einlädt, während des Verweilens in Literatur von oder über diese Persönlichkeiten zu schmökern.

"Mit der Montage von Fundstücken, die oft ihrer ursprünglichen Funktion beraubt sind, greift Barbara Schmitz ein Verfahren auf, das in der klassischen Moderne entwickelt wurde und seither für die Metallplastik bedeutsam ist", sagt dazu Seidel.

Das Programm am Wochenende

Gärten und Höfe von Unkeler Häusern, darunter das Pfarrhaus Sankt Pantaleon, das Kutscherhaus im Henkelpark, die Mädchenschule, die Schweppenburg oder das Alte Postamt, werden am Samstag und Sonntag, 5. und 6. September, zu 15 Freiluftateliers. Jeweils von 11 bis 18.30 Uhr sind die Ausstellungsorte zugänglich, an denen insgesamt 47 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke zeigen. Die Schirmherrschaft über die Veranstaltung hat Rainer Kaul, Landrat des Kreises Neuwied.

Für Besucher der "Kunst in Unkeler Höfen" bietet es sich an, dem Kunstweg zu folgen. Auf Flyern sind die nummerierten Stationen aufgeführt und in einen Stadtplan der Altstadt eingebettet. Auch die jeweiligen Künstler werden verzeichnet. Der Rundgang beginnt im Vorgarten der Villa Birkhäuser (Station 1), Bahnhofstraße 11, und endet am Historischen Ratssaal (Station 15), Linzer Straße 2. Dort sind künstlerische Arbeiten sowohl im Ratssaal als auch in der Treppenhaus-Galerie zu sehen.

Eine Gruppe von 16 Künstlern bestückt den "Kunstmarkt im Park" im Christinenstift (Station 8). Ihre Werke können in einer Zeltgalerie, im Park und in Innenräumen des Stifts, Kirchstraße 12, betrachtet werden. khd

Die Infoflyer liegen an allen Stationen aus. Weitere Informationen zu den Künstlern und den Initiatoren gibt es a http://www.unkeler-hoefe.de/

Die Kunsttage

Die Kunsttage sind eine private Kulturinitiative von Eleonore und Hans Joachim Seidel. Künstler aus vielen Teilen Deutschlands zeigen ihre Werke im Ambiente idyllischer Höfe, Gärten und historischer Gebäude in Unkel. Die Kunsttage zeigten, so die Initiatoren, "dass sich der historische Stadtkern für Kunst öffnen und damit die Besucher begeistern kann."