Nach Zugbrand in Unkel: Aufräumarbeiten beeinträchtigen weiter den Bahnverkehr

Nach Zugbrand in Unkel : Aufräumarbeiten beeinträchtigen weiter den Bahnverkehr

Ein brennender Güterzug hat in der Nacht zum Donnerstag in der Stadt Unkel im Kreis Neuwied einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Nun sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange. Das wirkt sich auf den Bahnverkehr auf beiden Seiten des Rheins aus.

Update, 8. Februar: Nach dem Zugbrand in Unkel ist die Bahnstrecke zwischen Rhöndorf und Linz auch am Freitag weiterhin gesperrt. Nach Angaben der Deutschen Bahn dauern die Aufräumarbeiten vor Ort an. Betroffen davon sind die Linien RE8 und RB27, die zwischen Mönchengladbach und Koblenz über Troisdorf, Bonn-Beuel, Königswinter und Bad Honnef verkehren.

Die Züge aus Richtung Mönchengladbach Hbf enden und beginnen in Rhöndorf. Aus Richtung Koblenz Hbf enden und beginnen die Züge in Linz (Rhein). Ein Bahnersatzverkehr mit Bussen und Taxen ist laut Bahn zwischen Rhöndorf und Linz eingerichtet. Die Bahn gibt die voraussichtliche Streckensperrung bis Samstagnachmittag an. Möglich sind auch Auswirkungen auf den Fernverkehr, weil es durch Umleitungen von Güterzügen zu Engpässen auf der linken Rheinschiene kommen kann. Reisende werden gebeten, ihre Verbindung vor der Abfahrt auf der Internetseite der Bahn zu prüfen.

Ursprüngliche Meldung: Ein brennender Güterzug in Unkel hat in der Nacht auf Donnerstag zahlreiche Einsatzkräfte in der Stadt Unkel im Kreis Neuwied in Atem gehalten. Drei mit Hygieneartikeln und Spraydosen beladene Güterwaggons waren in der Nacht zum Donnerstag in Flammen aufgegangen. "Wenn das ein Zug mit richtigem Gefahrgut gewesen wäre, hätten wir hier den Gau", sagte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Unkel, Karsten Fehr, später.

Dieses Video ist Teil einer Kooperation von GA und WDR.

Wie die Bundespolizei mitteilte, stoppte der Zug gegen 23 Uhr am Mittwochabend im Unkeler Bahnhof, wo die Feuerwehr mit einem großen Aufgebot mit 165 Einsatzkräften gegen den Brand kämpfte, darunter auch Kräfte der Berufsfeuerwehr Bonn, des Technischen Hilfswerks und ein Gefahrstoffzug des Landkreises Neuwied. Gegen 9.30 Uhr teilte die Technische Einsatzleitung des Landkreises Neuwied auf Nachfrage mit, dass der Brand nach zehn Stunden Einsatzdauer gelöscht sei. Die Aufräumarbeiten dauern aber an.

Bis zu 200 Meter weit flogen explodierte Deo-Falschen, nachdem in Unkel der Güterwaggon in Brand geraten war. „Es war wirklich beängstigend. Wir waren die ganze Nacht wach und konnten das Feuer von unserem Haus aus beobachten“, berichtet ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er ist einer von vielen, die von den Folgen des Brandes betroffen sind. Fensterscheiben gingen zu Bruch, Jalousien sind durchlöchert, Autos beschädigt.

Bei der Stadt gingen besorgte Anrufe von Bürgern ein. Etwa von Stephanie Teufel, die in der Nähe des Unkeler Bahnhofs wohnt. So nah, dass ihr Teich, in dem sie Fische hält und an dem Enten leben, bei dem Feuer verunreinigt wurde. Ärgerlich fand sie das Vorgehen der Deutschen Bahn: „Niemand wollte meinen Schaden aufnehmen oder fühlte sich zuständig.“ Die Stadt Unkel hingegen sei sofort erreichbar und hilfsbereit gewesen.

Laut Stadtbürgermeister Gerhard Hausen, der noch in der Nacht zum Einsatzort geeilt war, wurde direkt am Morgen ein Team zusammengestellt, dass die Schäden dokumentiert. Bürger, deren Eigentum beschädigt worden ist, können sich im Rathaus der Stadt unter 02224/3309 oder bei der Verbandsgemeinde unter 02224/18060 melden, teilte Hausen auf Anfrage des General-Anzeigers mit.

Weil die Flammen die Oberleitung beschädigten, wurde die Bahnstrecke zwischen Linz und Rhöndorf vorerst gesperrt. Dadurch kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen im Bahnverkehr. Direkt betroffen sind die rechtsrheinischen Zugverbindungen RE8 und RB27. Züge werden über die Strecke von Köln über Bonn Hauptbahnhof und Remagen bis nach Koblenz umgeleitet. Die Umleitung des Zugverkehrs über die linke Rheinschiene wirkt sich auch rechtsrheinisch aus, insbesondere auf den Fernverkehr. Durch Kapazitätsengpässe komme es zu Ausfällen im Fernverkehr, teilte die Deutsche Bahn mit. Einen Überblick gibt die Bahn auf ihrer Internetseite.

Die Deutsche Bahn richtete am Donnerstag einen Schienenersatzverkehr ein. Aufgrund beschädigter Oberleitungen bleibt die Bahnstrecke zwischen Linz und Rhöndorf auch in den kommenden Tagen vorerst gesperrt. Da das Ausmaß der Schäden erst nach dem Abtransport des Güterzuges ermittelt werden könne, sei keine Prognose über die Dauer der Sperrung möglich, hieß es von der Bahn AG. Betroffen sind die Zugverbindungen RE 8 und RB 27. Der zwischen Rhöndorf und Linz eingerichtete Pendelverkehr mit Bussen bleibt bis auf Weiteres bestehen. Züge werden über die Strecke von Köln über Bonn-Hauptbahnhof und Remagen nach Koblenz umgeleitet. Das hat laut Bahn ebenfalls Auswirkungen auf den Fernverkehr. Einzelne Fernverkehrszüge fallen aus und die Bahn AG informiert: „Es ist davon auszugehen, dass die Arbeiten über das Wochenende andauern.“ Die rechtsrheinischen Gleise sind der Bahn zufolge Teil von Europas meistbefahrener Güterzugstrecke Genua-Rotterdam.

60 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen

Die Feuerwehr löschte am Donnerstagmorgen noch vorhandene Glutnester ab. Wie die Einsatzleitung mitteilte, wurde ein betroffener Waggon mit Hilfe eines Baggers des Technischen Hilfswerks geöffnet, um die brennenden Güter endgültig zu löschen. Der Waggon sei zuvor mit Löschschaum gekühlt worden. Wegen explodierender Spraydosen sei die Brandbekämpfung schwierig gewesen. Drei Waggons seien von selbst durchgebrannt, so dass das Feuer im Inneren bekämpft werden konnte. Der Einsatz wurde mit einer Drohne überwacht.

Etwa 60 Unkeler mussten wegen des Brandes ihre Wohnungen zeitweise verlassen; 25 von ihnen wurden von Hilfsorganisationen betreut. Die Bewohner wurden zeitweise gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Bei Messungen des Gefahrenstoffzuges wurden jedoch keine bedenklichen Werte in der Luft festgestellt. Gegen sieben Uhr durften die Evakuierten in ihre Häuser zurückkehren. Bei den Löscharbeiten verletzte sich ein Feuerwehrmann leicht, laut Feuerwehr gab es keine weiteren Verletzten.

Es spreche viel dafür, dass sich die Bremsen des Zugs der Privatbahn festgefahren hätten und heiß gelaufen seien, sagte ein Sprecher der Bahnpolizei. Dadurch hätten die Radreifen geglüht und Funken gesprüht. Die genaue Ursache des Feuers werde aber noch ermittelt. Fremdverschulden sei auszuschließen. Die Flammen hätten auch die Umgebung beschädigt, so seien etwa eine Lärmschutzwand und die Oberleitung beschädigt worden, sagte der Sprecher der Bahnpolizei. Ein Übergreifen auf die Wohnhäuser habe aber nicht gedroht.

Nach Angaben der Deutschen Bahn handelt es sich bei dem vom Brand betroffenen Zug um einen Güterzug eines privaten Eisenbahnunternehmens. Die Höhe des Schadens war zunächst völlig unklar. Die Betreiber der privaten Bahn, die BayernBahn GmbH in Nördlingen, äußerte sich zunächst nicht.

(Mit Material von dpa)

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