55 Menschen verletzt

Ursache für Gasalarm in Unkel noch unklar

Unkel. In Unkel ist die Feuerwehr zu einem Großeinsatz in das Einkaufszentrum "Vorteil-Center" ausgerückt. Zahlreiche Menschen klagten über eine Reizung der Augen und Atemwege, 55 Personen wurden verletzt. Eine Ursache wurde bislang nicht gefunden.

Ein vermuteter Gasaustritt hat am frühen Mittwochabend im Unkeler Vorteil-Center einen Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungskräften und Polizei ausgelöst. Zahlreiche Kunden und Mitarbeiter des Einkaufszentrums an der Anton-Limbach-Straße klagten über Atemwegsbeschwerden. Was genau die Beschwerden ausgelöst hatte, blieb auch bis zum Einsatzende um kurz nach 21 Uhr unklar. Ein Austritt gefährlicher Stoffe im Gebäude selbst konnte nach den umfangreichen Untersuchungen durch die Experten der Feuerwehr allerdings noch am Abend gänzlich ausgeschlossen werden.

Exakt um 18.07 Uhr war die Unkeler Feuerwehr alarmiert worden mit dem Stichwort „Massenanfall von Verletzten“, wie Feuerwehr-Sprecher Andreas Nagel vor Ort mitteilte. Sogleich eilten nicht nur die Freiwilligen Wehrleute aus Unkel, Rheinbreitbach und Bruchhausen zum Ort des Geschehens, ebenso Notärzte und viele Angehörige der Rettungsdienste. Am Vorteil-Center waren schließlich 60 Feuerwehrleute, 68 Mitarbeiter der Rettungsdienste, sieben Polizeibeamte und zwei Mitarbeiter des Unkeler Ordnungsamtes im Einsatz.

Das Einkaufszentrum, in dem sich außer dem Supermarkt eine Ladenstraße mit verschiedenen Geschäften befindet, wurde von den Einsatzkräften zunächst komplett evakuiert. Das Gelände, auf dem Dutzende Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdiensten Aufstellung genommen hatten, wurde abgesperrt. Die Zahl der Menschen, die über Atemwegsbeschwerden klagten, wurde am Abend mit insgesamt 55 angegeben. 49 meldeten sich laut Nagel direkt vor Ort und wurden umgehend von Notärzten und Rettungssanitätern versorgt. Sechs weitere Personen, die sich zur Zeit des Einsatzes ebenfalls in dem Einkaufszentrum befunden hatten, hatten offenkundig zunächst den Heimweg angetreten, meldeten sich später aber wegen ihrer Beschwerden bei der Polizei. Die Menschen klagten allesamt über eine Reizung der Augen und Atemwege, berichtete Oliver Schön, Leitender Notarzt des Kreises Neuwied. Vier Personen wurden vorsorglich zur weiteren Beobachtung in Krankenhäuser gebracht.

Die Ursache für die Beschwerden war am Abend noch unklar. Laut Feuerwehr wurde kein Brand und damit keine Rauchentwicklung festgestellt. Ein Messfahrzeug der Gefahrenstoffeinheit des Kreises Neuwied wurde angefordert, um der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Die Experten nahmen mehrere Messungen vor. Weil der Einkaufsmarkt nach hinten heraus entlüftet wird, wurde sicherheitshalber auch die Straße „Hoher Weg“ gesperrt. Der dort angrenzende Lidl-Markt wurde vorsorglich ebenfalls geschlossen.

Landrat Achim Hallerbach, VG-Bürgermeister Karsten Fehr sowie Stadtbürgermeister Gerhard Hausen waren ebenfalls zum Ort des Geschehens geeilt. Alle drei lobten den herausragenden Einsatz von Feuerwehr und Rettungskräften, zumal diese es in wenigen Monaten mit sechs Großeinsätzen in Unkel zu tun hatten. Die Einsatzkräfte hätten jedes Mal hervorragende Arbeit geleistet, so Fehr.

In der Verbandsgemeinde hatte es in jüngerer Vergangenheit unter anderem den Großbrand im Altenheim Sankt Pantaleon sowie größere Brände auf der Breiten Heide, in Unkel und Bruchhausen gegeben. Erst am Dienstag hatten die Wehren sich in einer Nachbesprechung erneut mit dem Brand von Güterwaggons am Bahnhof beschäftigt. Was den Einsatz am Mittwoch ausgelöst hat, könnte Gegenstand von polizeilichen Ermittlungen werden. Hausen sagte, ein Fremdverschulden sei zwar bislang Spekulation. Der Inhaber des Marktes kündigte laut Hallerbach jedenfalls an, Aufnahmen der Videoüberwachung auswerten zu wollen, um das letztendlich ausschließen zu können.