Kommentar: Sägen am eigenen Ast

Kommentar: Sägen am eigenen Ast

Eltern, die ihr Kind in der heutigen Zeit in einem katholischen Kindergarten anmelden, haben dafür in der Regel einen Grund. In einer Gesellschaft, in der Erziehung - wie die einen sagen - offener oder - wie die anderen sagen - beliebiger geworden ist, geben die Eltern mit der Wahl der Einrichtung auch ein Bekenntnis ab.

Sie wollen, dass ihre Kinder im katholischen Glauben erzogen werden. Das gilt auch für die Eltern in Rauschendorf - und da vielleicht sogar besonders.

Ebenso wichtig ist ihnen aber auch, dass ihre Kinder mit Herzenswärme und von einem Team, das miteinander harmoniert, betreut werden. Dazu von fachlich qualifizierten Kräften, die die Kinder möglichst gut fördern. Dies alles erfüllen der Kindergarten und seine Leiterin, wenn man den Eltern Glauben schenken darf.

Wenn sie sogar bereit sind, einem Trägerwechsel zuzustimmen, weil sie von der Arbeit ihrer Leiterin so überzeugt sind, hat die Kirche ein Problem. Sie sägt dann schließlich genau den Ast ab, auf dem sie sitzt. Sie verprellt ihre "Zielgruppe", die zugleich ihre Zukunft ist.

Schwer ist auch zu verstehen, warum nicht die Trennung, sondern der neue Partner für die Kirche der Kündigungsgrund ist. Auch das angebliche "öffentliche Ärgernis" vor Ort aus der Welt zu schaffen, indem man der in Ungnade gefallenen Kindergartenleiterin andernorts einen Job anbietet, ist Ausdruck einer Doppelmoral.

Lebenslinien sind oft nicht so geradlinig wie die katholische Lehre. Im konkreten Einzelfall sollte der Kirchengemeindeverband gut überlegen, was er mit seiner Kündigung anrichtet.

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