Rassistisches Profiling: Zentralrat der Muslime kritisiert Kölner Polizei

Rassistisches Profiling : Zentralrat der Muslime kritisiert Kölner Polizei

Das Vorgehen der Kölner Polizei gegen zehn Muslime, die am Hauptbahnhof in weißen Gewändern für Aufsehen gesorgt hatten, ruft scharfe Kritik unter anderem des Zentralrats der Muslime hervor. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück, äußert aber auch Bedauern.

Der Zentralrat der Muslime hat das Vorgehen der Kölner Polizei gegen zehn junge Muslime in langen Gewändern kritisiert. „Wir erwarten, dass Polizisten kulturell besser geschult und sensibilisiert werden“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Aiman Mazyek, einer Mitteilung zufolge vom Mittwoch. Die jungen Muslime hatten am Dienstag nach Zeugenaussagen vor dem Kölner Hauptbahnhof „Allahu Akbar“ ("Gott ist groß") gerufen. Daraufhin rückte die Polizei mit starken Kräften an, stoppte die Männer und durchsuchte sie. Einer von ihnen trug ein Messer bei sich.

Die jungen Männer hätten sich lediglich auf dem Weg zu Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan befunden, teilte der Zentralrat mit. Der Vorfall zeige, dass rassistisches Profiling ein ernstzunehmendes Thema bleibe. „Ich hoffe, dass die Polizei sich bei den Betroffenen in aller Form entschuldigt hat und sich selbstkritisch manch eigenen Vorurteilen und Bildern stellt und die richtigen Schlüsse aus dem fehlgeleiteten Einsatz zieht“, sagte Mazyek.

Kölner Polizeipräsident weist Vorwürfe zurück

Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob wies die Vorwürfe am Mittwochnachmittag entschieden zurück. Das Handeln der eingesetzten Beamten sei nicht "von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geprägt", sagte Jacob laut Mitteilung der Polizei. "Insbesondere verwahre ich mich gegen die Beleidigungen und Herabwürdigungen in den sozialen Medien", betonte er. "Hier werden meine Beamten, die jeden Tag rund 1000 Einsätze, vielfach unter Gefährdung ihrer Gesundheit, für die Sicherheit der Kölner Bürgerinnen und Bürger wahrnehmen, mit Nazis verglichen und als dumm und ekelhaft bezeichnet."

Die Polizei mache seit längerem deutlich, "warum die Gegend um den Dom und den Hauptbahnhof in einem besonderen Fokus der Polizei steht", sate Jacob weiter, ohne konkreter zu werden. Mutmaßlich spielte er auf die Übergriffe in der Silvesternacht 2015 rund um den Dom an. Die Polizei reagiere "mit der erforderlichen Konsequenz auf Situationen, die Menschen Angst machen und den Anschein erwecken, dass erhebliche Gefahren drohen", so Jacob. Ob die Muslime am Dienstag tatsächlich "Allahu Akbar" gerufen hatten, ist unklar.

Jacob führte aus, dass ein "kurzes persönliches Gespräch" mit den jungen Männern angesichts des Notrufs, der die Polizei erreicht habe, "absolut ungeeignet" gewesen sei. Gleichwohl bedaure er, dass "unbescholtene Bürger von diesen Maßnahmen betroffen" gewesen seien. Er biete den Männern ein persönliches Gespräch an, kündigte er an: "Ich werde auf diese Menschen zugehen."

(mit Material von dpa)

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