Hausnotruf bei den Maltesern: Zahlreiche Notrufe aus Einsamkeit an Weihnachten

Hausnotruf bei den Maltesern : Zahlreiche Notrufe aus Einsamkeit an Weihnachten

Fast 400 mal lösten Senioren über die Feiertage im Rheinland Alarm über ihren Hausnotruf bei den Maltesern aus. In vielen Fällen wollten sie wohl nur mit jemand sprechen.

In der Hausnotrufzentrale der Malteser im hessischen Oestrich-Winkel sind an den Weihnachtsfeiertagen 396 Notrufe von Senioren aus dem Rheinland eingangen. In nur 41 Fällen davon vermutete die Zentrale einen medizinischen Notfall und rief den Rettungsdienst. Oftmals jedoch lag keine Notlage vor. Die Malteser vermuten, dass viele der älteren Menschen aus Einsamkeit den Alarmknopf drücken.

Wie Dieter Schlüter, Pressesprecher der Malteser in NRW erläutert, muss nicht in jedem Fall, in dem ein Senior den Knopf, den er am Handgelenk oder einer Kette um den Hals trägt, ein Rettungswagen alarmiert werden: "Wenn jemand aus seinem Rollstuhl gefallen ist, dann ist das für den Kunden eine sehr unangenehme Situation, in der ein Malteser von unserem Hintergrunddienst helfen kann." In so einem Fall alarmiert die Zentrale im hessischen Oestrich-Winkel einen Malteser vor Ort. Schlüter sagt: "Unsere Kollegen sind dafür das ganze Jahr in Bereitschaft."

Fast 400 Notrufe an den Feiertagen im Erzbistum Köln

Doch an den Feiertagen registrierten die Malteser auch viele Anrufe, die sie als Signal der Einsamkeit werten. „Nur bei jedem zehnten bis zwanzigsten Alarm liegt ein medizinischer Notfall vor, bei dem wir dann schnell den Rettungswagen losschicken“, sagt Thomas Berding, Regional- und Landesgeschäftsführer der Malteser in Nordrhein-Westfalen.

Die Zahlen für das Gebiet des Erzbistums Köln zeigen, dass in gut jedem zehnten Fall an Weihnachten der Rettungsdienst benötigt wurde: An Heiligabend und den beiden Weihnachtsfeiertagen gingen aus dem Gebiet, das von Ratingen im Norden bis in die Eifel im Süden reicht, 396 Notrufe ein. In 41 Fällen wurde der Rettungsdienst alarmiert. 115 mal half ein Malteser.

Senioren sprechen mit der Notrufzentrale über ihre tote Katze

Malteser-Geschäftsführer Thomas Berding sagt dazu: „Sehr viele Alarm-Auslösungen sind soziale Rufe oder Fehlalarme, bei denen sich dann im Gespräch mit unseren Mitarbeitern herausstellt, dass die Senioren eigentlich nur mal mit jemanden sprechen wollen. Sie begründen dann irgendwie, warum sie den roten Knopf gedrückt haben.“ Das sei etwa bei jedem fünften Alarm so. An Weihnachten und um den Jahreswechsel geschehe das besonders häufig. „Die Senioren sagen dann etwa 'Ich bin versehentlich an den roten Knopf gekommen'. Oder: 'Ich bin heute so durcheinander. Heute Morgen ist meine Katze gestorben.'“

Die Mitarbeiter der Malteser reagieren auf Anrufe aus Einsamkeit verständnisvoll, erläutert Pressesprecher Schlüter: "Da geht es ganz menschlich zu". Zudem können die Malteser oft auf eine Infrastruktur zur Betreuung einsamer Menschen zurückgreifen. Wo Bedarf besteht, informieren die Mitarbeiter von Hessen aus Ehrenamtler, die sich für den Besuchsdienst engagieren, sagt Schlüter. Solche Besuche finden persönlich oder auch am Telefon statt: "Der Anrufer macht sich dann häufig auch Notizen, damit er bei der nächsten Verabredung, einen Monat oder eine Woche später das Gespräch fortsetzen kann." Dabei entstehen laut Schlüter echte Freundschaften. Sogar Vierbeiner engagieren sich für den Besuchsdienst der Malteser. Beim Hundebesuchsdienst bringen einige Helfer ihren Hund mit.