Tipps an Karneval: Wie man sicher durch die jecken Tage kommt

Tipps an Karneval : Wie man sicher durch die jecken Tage kommt

Experten von Polizei und Rettungsdienst sowie Beratungsstellen geben Tipps für unbeschwerte Umzüge und After-Zoch-Partys. Worauf man achten sollte, damit die tollen Tage für einen selbst und für andere zu einer unbeschwerten Zeit werden.

Es ist die Zeit des ausgelassenen Feierns und der vertauschten Rollen. Feierlaune und Alkohol trüben jedoch manchmal das eigene Handlungsempfinden. Auf was sollte man daher achten, um die Tage für sich selbst, aber auch für alle anderen zu einer unbeschwerten Zeit werden zu lassen? Der GA hat dazu mit verschiedenen Experten gesprochen:

Das sagt die Bonner Polizei: Feiernde sollten ihren Heimweg sorgfältig planen und diesen, wenn möglich, in einer Gruppe antreten. Dabei sollten dunkle und vereinsamte Wege ebenso wie auffällige Personengruppen gemieden werden. Wer allein unterwegs ist, sollte sich in Zug, Bus oder Bahn in die Nähe des Fahrers setzen und einen Platz an der Gangmitte wählen. Wer bedroht oder belästigt wird, wählt den Notruf und macht laut auf sich aufmerksam. Auch Passanten sollten konkret zur Hilfe aufgefordert werden. „Gehen Sie bei körperlichen Angriffen nach Möglichkeit auf Distanz, nehmen Sie dabei die Hände nach vorne in beschwichtigender Abwehrhaltung. Machen Sie auch hier auf sich aufmerksam und fordern Sie aktiv Hilfe ein. Leisten Sie körperliche Notwehr nur als ultimatives Mittel, um aus der Situation zu entkommen“, rät die Polizei. Nach einem Angriff sollten Betroffene die Polizei alarmieren und die Tat anzeigen. Wichtig sei es, entsprechende Spuren sichern zu lassen. Im Falle eines sexuellen Übergriffs besteht die Möglichkeit, die Spuren zunächst anonym in einem Krankenhaus aufnehmen zu lassen (eine Auflistung steht im Infokasten). Betroffene können anschließend überlegen, ob sie den Vorfall zur Anzeige bringen wollen.

Wer Zeuge einer Schlägerei wird, sollte nur helfen, wenn er sich dadurch nicht selbst in Gefahr bringt: „Wenn möglich, sprechen Sie das Opfer an: 'Kommen Sie her zu uns, wir helfen Ihnen'.“ Auch hierbei sollten die Polizei alarmiert und Passanten einbezogen werden. In einem Lokal sollte das Personal zur Hilfe geholt werden. Um später als Zeuge aussagen zu können, sei es wichtig, sich die Tätermerkmale genau einzuprägen – also Aussehen, Kleidung und Fluchtrichtung. „Eine gute Beschreibung des Geschehens und des Täters kann helfen, die Straftat aufzuklären“, so die Polizei.

Was ist bei Pfefferspray und Co. zu beachten?

Das sagen die Beraterinnen des Frauenzentrums: Maren Diekmann und Ulla Hoefeler sind zwei von fünf Beraterinnen im Frauenzentrum Troisdorf. Sie bieten Beratungen zu vielen Themen an, aber auch Selbstbehauptungskurse und Workshops. Sicherheit ist für sie etwas, das alle gemeinsam herstellen. Ob man sich sicher fühle, hänge von einem selbst, aber auch von dem Verhalten der anderen ab. Simpel und eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Wenn man als Gruppe unterwegs ist, sollte man aufeinander achten. „Wenn ich einmal dafür sensibilisiert bin, merke ich schnell, ob etwas nicht stimmt“, sagt Diekmann. Wenn sich ein unangenehmes Gefühl einstellt, sollte man das ernst nehmen. Entwickelt sich aus einem anfänglich netten Flirt eine unangenehme Gesprächssituation oder gar eine Belästigung, sei es wichtig, das auch zu zeigen – nicht nur der betreffenden Person, sondern auch den Umstehenden. „Gut ist, wenn man die Person siezt“, erklärt Hoefeler. Damit signalisiere man, dass es sich nicht um einen Pärchenstreit handele, sondern um einen ernsten Konflikt. Wer sich belästigt fühlt, sollte gezielt Hilfe bei anderen Personen suchen. Auch Außenstehende können in solchen Situationen aktiv eingreifen. „Wenn eine Frau auf der Tanzfläche angetanzt wird, kann man sich dazwischen stellen“, so Hoefeler.

Was halten die Expertinnen von Pfefferspray, Trillerpfeifen oder Apps, die einen sicher nach Hause begleiten sollen? „Grundsätzlich ist alles gut, was Sicherheit vermittelt“, sagt Diekmann. Bei den Apps sollten die Nutzerinnen allerdings bedenken, dass diese internetabhängig sind. Im Zweifelsfall sei ein Anruf einfacher. Von Pfefferspray raten die Expertinnen ab. „Es ist eine Waffe, die schnell gegen mich gerichtet werden kann“, sagt Diekmann. Frauen sollten lieber auf die eigene Kraft vertrauen. Wie das geht, vermittelt Diekmann beispielsweise in WenDo-Kursen, einer Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsform aus Kanada. Aber auch Polizei und Sportvereine zeigen in verschiedenen Kursen, wie man sich in einer Notsituation zur Wehr setzt. Dabei gilt, „sich unbequem zeigen und – wenn eine Strategie nichts bringt – die nächste anwenden, und nicht aufgeben“, so Diekmann. Als Alternativen zur Trillerpfeife empfehlen die Expertinnen Pfeifen aus dem Jagdbedarf. Sollte es zu einem sexuellen Übergriff gekommen sein, beraten Hoefeler und Diekmann sowie ihre Kolleginnen zum weiteren Vorgehen, je nach den Bedürfnissen der Betroffenen.

Das sagen die Initiatoren der kreisweiten Kampagne gegen K.o.-Tropfen: Auch im Karneval sollten alle, die fröhlich feiern, ihre Getränke nicht unbeobachtet lassen und von Fremden nur ungeöffnete Flaschen annehmen. Das gilt für Frauen ebenso wie für Männer. Jeder kann Opfer von K.o.-Tropfen werden. Die Substanz ist geruchlos, geschmacksneutral und farblos. Man erkennt sie nur an den Symptomen wie Gedächtnislücken oder plötzlicher Euphorie. Außerdem fühlen sich Betroffene wie in Watte gepackt. Wichtig ist, sich schnell Hilfe zu holen. Freunde und Bekannte sollten die Person nicht alleine lassen, erst recht nicht, wenn Fremde anbieten, sie nach draußen zu begleiten. Für einen Nachweis ist schnelles Handeln gefordert. „Im Urin können K.-o.-Tropfen nur bis zu zwölf Stunden nachgewiesen werden. Wenn man einen Verdacht hat, sollte man das schnell testen“, sagt Zuleydy Carolina Reyes Reyes, die im Frauenzentrum Troisdorf für die Präventionsprojekte zuständig ist.

Das sagt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Rhein-Sieg: Frank Braun hat als Rettungsassistent beim DRK bereits viele Einsätze bei Karnevalsveranstaltungen erlebt. „Thema Nummer eins ist der Alkohol“, sagt Braun. Die Rettungskräfte hätten aber auch häufig mit Notlagen durch Drogenkonsum oder chirurgischen Notfällen wie Stürzen und Schnittverletzungen zu tun. Für Laien sei es wahrscheinlich schwer auseinanderzuhalten, ob es einer Person aufgrund von Alkohol, Drogen oder einer Krankheit schlecht gehe, so Braun. „Aber es gilt in jedem Fall: Wenn ich jemanden sehe, der in einer Notlage ist, dann muss ich helfen.“ Die erste Devise ist laut dem Rettungsassistenten, einen Notruf abzusetzen. „Das kann ich von jedem verlangen, auch wenn er in Erster Hilfe nicht sicher ist. Aus unserer Sicht kann man nur dann etwas falsch machen, wenn man gar nichts macht.“ Er appelliert deshalb an die Menschen, nicht wegzuschauen.

Vorsicht vor Taschendieben an Karneval

Auch ohne tiefgehende Kenntnisse in Erster Hilfe könnten Helfer aktiv etwas tun, etwa wenn eine Person bewusstlos sei. „Dann ist es erforderlich, sie in die stabile Seitenlage zu bringen.“ Gerade bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sei zudem der Wärmeerhalt wichtig. „Damit sie auf dem kalten Boden nicht so schnell auskühlen“, sagt Braun. Vor allem aber sollten Helfer die Hilfsbedürftigen nicht alleine lassen. Nur so könne auf Veränderungen reagiert werden, zum Beispiel wenn eine Person zunächst ansprechbar gewesen sei und plötzlich doch das Bewusstsein verliere. Bei einigen größeren Feiern wie der Weiberfastnachtsparty in Siegburg ist das Rote Kreuz mit eigenen Unfallhilfsstellen und Erstversorgungstrupps vor Ort, an die sich jeder wenden kann. Geht es jemandem nicht gut, wird die betroffene Person laut Braun nach Möglichkeit erst einmal aus der Menge hinaus in eine Unfallhilfsstelle transportiert, damit sie nicht vor aller Augen versorgt werden muss.

Grundsätzlich rät der Rettungsassistent dazu, regelmäßig das eigene Wissen in Erster Hilfe aufzufrischen. Alle zwei bis drei Jahre sei ein Kursus sinnvoll. Die Hilfsorganisationen bieten dazu Schulungen an.

Das sagt die Bundespolizei: Die Karnevalszeit ist Saison für Taschendiebe. Deshalb ist laut Bundespolizei besondere Achtsamkeit gefragt – etwa an den Bahnhöfen und in den Zügen. „Es herrscht mehr Gedränge, es sind mehr Menschen unterwegs, und damit gibt es auch mehr Gelegenheiten für die Diebe“, sagt Martina Dressler, Pressesprecherin der Bundespolizei. Hinzu komme der Alkoholkonsum. „Gerade Betrunkene oder Angetrunkene sind manchmal hilflos, orientierungslos und nicht so vorsichtig. Ihnen wird schneller mal etwas aus der Tasche gezogen.“ Außerdem sind die Taschendiebe laut Bundespolizei meist zu mehreren unterwegs und nutzen verschiedene Tricks, um die potenziellen Opfer abzulenken.

Dressler nennt einige Beispiele: Etwa den Beschmutzer-Trick, bei dem ein Täter das Opfer mit Ketchup oder einer Flüssigkeit bekleckert. Während er dann beim Reinigen helfe, entwende ein weiterer Täter die Geldbörse, so die Pressesprecherin. Beim Münztrick lässt der Täter Geld fallen und bestiehlt das Opfer, während es beim Aufsammeln hilft. Auch die Rolltreppe ist laut Dressler bei Taschendieben beliebt. Entweder verursachen die Täter dort absichtlich ein Gedränge und beklauen ihr Opfer, oder einer löst den Notstopp aus, und ein weitere Täter nutzt den Moment, wenn die Rolltreppe ruckartig stehen bleibt, um die Geldbörse oder das Smartphone zu stehlen.

Grundsätzlich rät die Bundespolizei allen Jecken, so wenig Wertsachen wie möglich mit sich zu führen. Es reiche, ein kleines Portemonnaie dabei zu haben oder Bargeld in die Hosentasche zu stecken. „Am besten in die vorderen Hosentaschen, da kommen Diebe generell schwerer ran“, sagt Dressler. Gut seien auch Geldbeutel zum Umhängen. „Und das Handy sollte auf keinen Fall in der hinteren Hosentasche stecken.“ Die neuen Smartphones seien so groß, dass sie rausschauen würden. „Da merkt man nicht, wenn sie schnell aus der Tasche gezogen werden.“

Sind die Jecken mit Rucksack unterwegs, sollte der Geldbeutel nicht darin stecken. Handtaschen sollten möglichst immer geschlossen sein und mit der Schnalle nach innen vorne am Körper getragen werden. Noch sicherer sei es, die Hand oder den Arm darauf zu legen, ergänzt Dressler.

Kommt es trotzdem zu einem Diebstahl, sollten die Opfer immer Anzeige erstatten. Die Bundespolizistin sagt: „Wenn wir nicht wissen, dass etwas passiert ist, dann können wir auch nichts machen.“

Eine Übersicht über alle Züge und Termine in der Region gibt es unter www.kamelle.de.

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