„Vielen gehen Franziskus' Reformen zu weit“

„Vielen gehen Franziskus' Reformen zu weit“

Der Vatikan-Experte Andreas Englisch liest am 17. Juni in Rheinbach aus seinem neuen Buch „Der Kämpfer im Vatikan – Papst Franziskus und sein mutiger Weg“. Der GA verlost Eintrittskarten.

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Nicht viele Korrespondenten berichten aus einem Staat mit absoluter Wahlmonarchie. Wie schwierig ist es, aus dem Vatikan zu berichten und nicht etwa aus der Stadt Rom?

Andreas Englisch: Es ist tatsächlich etwas völlig anderes aus dem Vatikan zu berichten – eben, weil es die letzte absolutistische Wahlmonarchie der Welt ist. Alles basiert auf Vertrauen. Der Vatikan übt sich seit der Amtszeit von Papst Franziskus in Demokratie. In der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. wurden Fragen vorzensiert. Das ist jetzt vorbei.

Gehört es zur Grundvoraussetzung an Gott zu glauben, wenn Sie aus dem Gottesstaat berichten und spüren Sie die spirituelle Nähe Gottes in den Gebäuden und Plätzen des Vatikanischen Hügels?

Englisch: Natürlich fragt man sich im Vatikan, ob man dort Gott spüren kann, und ich muss sagen: Ja, das kann man. Gläubig sein, muss man nicht. Fast alle Kollegen sind vollkommen ungläubig.

Apropos Spiritualität: „Spirituellen Alzheimer“ unterstellte Papst Franziskus den Männern der Kurie – der Machtzentrale des Katholizismus. Warum ist dieser Angriff für den Heiligen Vater – einem Mann ohne Angst, wie Sie schildern – so gefährlich?

Englisch: Papst Franziskus weiß ganz genau, dass er mit dem Risiko einer Kirchenspaltung Leben muss. Vielen Kardinälen gehen die Reformen zu weit. Sie drohen damit, eine reine abgespaltene Kirche zu gründen, weil der Papst ein Ketzer sei.

Was glauben Sie, der Sie bereits seit 1987 aus dem Vatikanstaat berichten, muss mit der Kurie geschehen, damit sich das Haus der Soldaten Jesu Christi adäquat für die Zukunft wappnet?

Englisch: Ich glaube, Franziskus ist auf dem absolut richtigen Weg. Die Abschaffung der Ehelosigkeit der Priester (Zölibat), die Zulassung von Frauen zum Priesteramt sind die wichtigsten Schritte, die er angeht.

Was können wir von diesem Papst während seines Pontifikats noch alles erwarten?

Englisch: Dieser Papst wird als erster Papst der Geschichte während des Weltjugendtages in Krakau mit der Straßenbahn zum Gottesdienst fahren. Er ist noch für viele Überraschungen gut.

Viele Kardinäle im Vatikan bezeichnen den mutigen Mann aus Argentinien als „Schmalspurtheologen“, der – welch ein Wunder nach Joseph Ratzinger – theologisch nicht viel zum Seelenheil seiner Schäflein beizutragen hat. Trifft diese Kritik zu?

Englisch: Natürlich nicht. Es ist allerdings richtig, dass viele Kardinäle den Papst für einen Schmalspurtheologen halten, aber das ist völlig in Ordnung. Dieser Papst hat sich schon immer mehr für die pastorale Arbeit mit den Armen interessiert.

Hatten Sie Latein in der Schule? Wir fragen, weil es im Vatikanstaat noch immer Geldautomaten mit lateinischer Anleitung geben soll. Was unterscheidet das Leben in dieser Exklave der Ewigen Stadt von Rom selbst?

Englisch: Ja ich hatte Latein in der Schule, und den Geldautomaten auf Latein gibt es wirklich. Das Privileg, im Vatikan arbeiten zu dürfen, ist allein deswegen schon so toll, weil es im Gegensatz zur Stadt Rom dort so schön leise ist.

Wie gefährlich ist es für Sie selbst, investigativ in Sachen Vatikanbank oder Kurienkomplott unterwegs zu sein? Würden Sie sich wünschen mit Polizeischutz zu leben wie Mafia-Autor Roberto Saviano oder einen Vorkoster zu beschäftigen, um vor Giftattacken gefeit zu sein?

Englisch: Ich bin viel zu unwichtig, als dass mir jemand etwas antun könnte. Ich habe nie Zensur erfahren und kann mit Drohungen ganz gut umgehen.

Karten für die Lesung mit Andreas Englisch am Freitag, 17. Juni, 19.30 Uhr, Pallottikirche, Pallottistraße 1 in Rheinbach, kosten 17 Euro, ermäßigt 15 sowie 18 Euro an der Abendkasse. Das Buch „Der Kämpfer im Vatikan“ ist im C. Bertelsmann erschienen und für 19,99 Euro erhältlich.

Der GA und die Buchhandlung Kayser verlosen drei Mal zwei Karten für die Lesung. Rufen Sie uns unter 0 13 79/88 68 12 an oder senden Sie uns eine SMS mit dem Kennwort GAB4 an die Kurzwahl 1111. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre Adresse an. Teilnahmeschluss ist morgen, 24 Uhr. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Ein Anruf kostet 50 Cent, aus dem Mobilfunknetz abweichend.

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