Bezahlen nach Luftlinie: Verkehrsverbund Rhein-Sieg testet Tarife nach Luftlinie

Bezahlen nach Luftlinie : Verkehrsverbund Rhein-Sieg testet Tarife nach Luftlinie

Der Verkehrsverbund Rhein Sieg (VRS) testet einen neuen Tarif. Mit dem sogenannten eTarif sollen Kunden für die Luftlinie bezahlen und müssen sich nicht mehr selbst nach einem passenden Tarif suchen. Für das neue Angebot werden noch Tester gesucht.

Es ist die alles entscheidende Frage am Kartenautomaten: Welches Ticket brauche ich? Neun verschiedene Tarife – die Kurzstrecke nicht mitgezählt – gibt es im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS). Die Frage nach dem richtigen Tarif könnte sich für die Fahrgäste bald erübrigen. In den kommenden Monaten will der VRS den sogenannten „eTarif“ erproben und sucht dafür noch Tester. Bei dem neuen Modell zahlen Kunden nur die Luftlinienkilometer.

„Der „eTarif“ wendet sich an Gelegenheitskunden, die sagen: Das ist mir zu kompliziert, ich habe keine Lust, mich mit diesen ganzen Tarifzonen zu beschäftigen“, sagt VRS-Sprecher Holger Klein. Diese Kunden können sich nun über die Homepage des VRS eine App herunterladen. Wenn sie in die Bahn einsteigen, wischen sie auf ihrem Telefondisplay nach rechts und die App registriert die Haltestelle. Wenn sie wieder aussteigen, teilen sie das mit, in dem sie nach links wischen. Die App registriert auch, wenn ein Fahrgast vergisst sich auszuloggen, und erinnert ihn daran. „Wir erhoffen uns von dem „eTarif“, dass wir neue Kunden gewinnen, die bisher durch das Tarifsystem abgeschreckt wurden“, sagt Klein.

Der Grundpreis für den neuen elektronischen Tarif beträgt 1,50 Euro, für jeden angefangenen Kilometer Luftlinie zwischen Start und Ziel kommen dann noch mal 15 Cent hinzu. Für eine Fahrt von Duisdorf bis Alfter-Impekoven bedeutet das, die Kunden bezahlen nur die Hälfte des üblichen Preises. Die beiden Haltestellen sind 1,7 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Bisher kostet ein Handy-Ticket für die Strecke 3,60 Euro. Mit dem neuen „eTarif“ werden für die Fahrt nur noch 1,80 Euro fällig. Der Höchstpreis des „eTarif“ liegt bei 15 Euro und entspricht damit einem Tagesticket.

Aber nicht für alle Kunden sei der neue „eTarif“ günstiger als die reguläre Fahrkarten. Wer etwa vom äußersten Süden Kölns in den Norden der Stadt fahre, sei mit dem gewohnten Tarif billiger unterwegs, sagt Klein. Die Unterschiede seien aber ohnehin nicht gravierend. Wenn die App einmal für alle Kunden verfügbar ist, soll sie zudem darauf hinweisen, ob mit dem „eTarif“ etwas gespart wird oder nicht.

Für viele Gelegenheitskunden seien die Kosten auch gar nicht der entscheidende Faktor, sagt Klein. „Vielen Menschen ist es wichtiger, dass es bequem und einfach ist. Da wird nicht auf ein paar Cent geschaut – dass wissen wir aus der Marktforschung.“

Der neue „eTarif“ soll aber nicht nur dafür sorgen, dass sich die Kunden bei all den Tarifen besser zurechtfinden. „Sie zahlen nur, was sie auch tatsächlich fahren“, sagt Klein. Dadurch sei das neue Modell auch ein Stück gerechter. Das gelte vor allem für Kunden, die an der Grenze einer Tarifzone wohnen und dadurch mehr zahlen müssen, weil sie diese überschreiten – wie etwa die Fahrgäste, die eine vergleichsweise kurze Streck von Hangelar nach Bonn zurücklegen.

Bevor der Tarif nun getestet wird, haben ihn schon die Mitarbeiter des Verkehrsverbundes für rund ein Jahr ausprobiert. Das System stammt aus der Schweiz. Um zu erfassen, wo die Kunden ein- und aussteigen, nutzt es das GPS des Smartphones. „Das funktioniert auch problemlos an der Haltestelle Heumarkt in Köln, die extrem tief unter der Erde liegt“, sagt Klein. Auch um seine Daten brauche sich niemand Sorgen zu machen. „Wir nutzen sie nur zur Abrechnung und erstellen keine Bewegungsprofile.“

Neben dem VRS experimentieren auch andere Verkehrsverbunde mit ähnlichen Modellen. „Wir sind mit den Kollegen aus dem Ruhrgebiet und dem Aachener-Raum im Gespräch“, sagt der Sprecher. „Über kurz oder lang wollen wir einen NRW-weiten Tarif hinbekommen.“

Die Testphase für das neue Angebot beginnt am 8. April und endet am 6. September. Interessierte können sich auf der Homepage des VRS unter www.vrsinfo.de registrieren und bekommen dann einen Code, um die App freizuschalten.

Mehr von GA BONN