Aktionstag im Rheintal: Stiller Protest gegen den Bahnlärm

Aktionstag im Rheintal : Stiller Protest gegen den Bahnlärm

Ein Aktionsbündnis ruft für diesen Mittwoch zu einer Mahnwache im gesamten Rheintal auf. Der stille Protest richtet sich gegen den Lärm der Bahnen.

Wenn Gespräche im Garten unter Freunden einen abrupten Bruch erfahren, muss dass nicht zwingend am Gesagten liegen. Bahnanlieger kennen das: Leicht genervt blickt man einander an und wartet ungeduldig, bis das ohrenbetäubende Rauschen seiner Wege gefahren ist. Dann kann die Unterhaltung weitergehen. Zumindest die Gäste glauben von diesem Moment an nicht mehr an die Beteuerungen, dass man sich früher oder später an die Geräuschkulisse gewöhne. Gegen so viel Bahnlärm helfe nur Stille, meinen hingegen offenbar die Mitglieder eines Bürgernetzwerks, das am Mittwoch zu einer Protestveranstaltung aufruft.

Von Bonn bis Bingen, von Beuel bis Eltville reicht der Leidensdruck, den der Bahnverkehr zu beiden Seiten des Mittelrheintals auslöst. Alle Gemeinden in diesem Flussabschnitt sollen nach dem Willen des Bürgernetzwerks Pro Rheintal deshalb am Internationalen Tag gegen Lärm eine Mahnwache abhalten. „Noch immer haben Bund und Bahn nicht die Not erkannt, unter der dieses Tal und die Menschen, die hier leben, stehen“, sagt Frank Gross vom Bürgernetzwerk.

Nächtlicher Bahnlärm sei einerseits Grund für eine Vielzahl von Krankheiten, die bis zum Schlaganfall oder Herzinfarkt führten. Andererseits verhindere der Lärm, dass sich die Region touristisch und wirtschaftlich weiter entwickeln und vom Potenzial ihrer Natur- und Kulturschätze adäquat profitieren könne. Stattdessen würden derzeit mehr Menschen die Region verlassen als zuziehen. Das gleiche gelte für Unternehmen. Bund und Bahn müsse man angesichts der „zögerlichen, auf Hinhaltetaktik setzenden Handlungsweise“ eine nach wie vor katastrophale Immissionsschutzpolitik vorwerfen.

Man verspreche den Leuten „irgendwelche Langzeitprojekte“, die nie in Erfüllung gingen, um von der Not und dem eigenen Handeln abzulenken. Immer noch dürften Güterzüge so laut sein, wie sie wollen und sie dürfen im vollen Tempo, also mit 120 Stundenkilometern, auch nachts und an Sonn- und Feiertagen durch die Orte fahren. Besonders heftig wurde es für die Anwohner der Strecken in der Umgebung Bonns, als im vergangenen Jahr Gleisbaustellen monatelang mit ohrenbetäubenden Warnsirenen bestückt wurden. Tatsächlich heißt es im Koalitionsvertrag für den Bund: „Den Schienenlärm wollen wir bis 2020 deutschlandweit halbieren.“

Von diesem Zeitpunkt an sollten laute Güterwaggons das deutsche Netz nicht mehr befahren dürfen und auf diese Weise soll die Geräuschkulisse um zehn Dezibel gesenkt werden. Die Bahn hat indes mehrfach Lieferprobleme der Hersteller lärmmindernder Bremsen geltend gemacht. Stattdessen sind die meisten Güterzüge noch mit Graugussbremsen ausgestattet, welche die Räder bei jedem Bremsen aufrauen; nur die neuen Exemplare verfügen über die „Flüsterbremse“. Die Deutsche Bahn hingegen verweist darauf, allein im Mittelrheintal bislang 53 Millionen Euro für Lärmschutzmaßnahmen investiert zu haben. 11,5 Kilometer Schallschutzwände hätten die Anwohner spürbar entlastet, teilt das Unternehmen mit. Und bis 2020 würden weitere 68 Millionen Euro für Lärmschutzmaßnahmen investiert.

Die Mahnwachen beginnen am Mittwoch um fünf Minuten vor zwölf und dauern etwa eine halbe Stunde. Den regionalen Schwerpunkt bilden diesmal die Kommunen zwischen Koblenz und Mainz. Nördlich davon wird beispielsweise vor der Verbandsgemeindeverwaltung Weißenthurm demonstriert. Auf dem Marktplatz in Linz versammeln sich die Teilnehmer gegen 11.30 Uhr vor dem Rathaus. Nähere Informationen zum Aktionstag gibt es im Internet unter www.pro-rheintal.de.

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