Obst mit Sonnenbrand: So starten Bauern im Rhein-Sieg-Kreis in die Apfelernte

Obst mit Sonnenbrand : So starten Bauern im Rhein-Sieg-Kreis in die Apfelernte

Der Klimawandel macht sich im heimischen Obstbau bemerkbar. Die Früchte sind zwar süß, aber viele haben bei der Hitze einen Sonnenbrand bekommen.

Trockene Böden, heiße Temperaturen: Der Klimawandel macht den Obstbauern auch im Rhein-Sieg-Kreis zu schaffen. Mit der Ernte der ersten Frühsorten „Klarapfel“, „Piros“ und Co. wurde jetzt bereits begonnen, die meisten Landwirte starten mit dem Pflücken der Früchte allerdings erst im August. Wegen der zahlreichen Sonnentage in den vergangenen Wochen wird mit einer guten Qualität gerechnet. Allerdings ist es das zweite Jahr in Folge, dass die Böden extrem trocken sind, die intensive Sonneneinwirkung mit sehr hohen Temperaturen führt vielerorts zu Verbrennungen der Früchte – einem „Sonnenbrand“. Die Bewässerung der Plantagen ist daher ein „Muss“. Und mancher Produzent erwartet eine Minderung des Ertrages.

Bornheim-Uedorf: Johannes Saß gehört zu den Obstbauern im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, die mit dem Pflücken der ersten Sorte „Klarapfel“ schon Mitte Juli begonnen haben. Kurz hintereinander werden die Sorten „Piros“, „James Grieve“ und „Discovery“ geerntet. Sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr hat der 37-Jährige wegen der Witterung mit der Ernte rund eine Woche früher begonnen als „normal“. Schon während der Reifezeit der Früchte im Frühjahr hat Saß, der den Betrieb gemeinsam mit seinen Eltern Johannes und Maria Saß führt, den Bäumen Wasser zugeführt.

„Bei Temperaturen um die 40 Grad ist die Überkronenbewässerung äußerst wichtig, da die Bäume nicht nur Feuchtigkeit erhalten, sondern durch die Verdunstung auch gekühlt werden. Aber wir nutzen auch regelmäßig die Tröpfchenbewässerung“, erklärte der Juniorchef. Mit der Qualität seiner ersten Sorten ist er zufrieden. Einbußen hat er bisher keine, Probleme mit Schädlingen sind auch nicht aufgetreten. Verkauft werden seine Früchte auf Kölner Wochenmärkten für zwei bis 2,20 Euro pro Kilo.

Bornheim-Merten: Auf eine gute Ernte mit toller Qualität setzt Landwirt Roland Schmitz-Hübsch. Denn der Behang seiner 20 verschiedenen Apfelsorten auf den 35 Hektar rund um seinen Betrieb weist gleichmäßig große Früchte auf. „Die Anzahl der Sonnenstrahlen war sehr hoch, sodass man mit besonders süßen Äpfeln rechnen kann“, freut sich der 44-Jährige. Bei ihm setzt die Pflücksaison erst Mitte August mit „Delbar“ und „Gravensteiner“ ein. So gibt es in seinem Hofladen unter anderem „Picavos“, „Rubinette“ und die Hausmarke „Roter Boskoop Schmitz-Hübsch“ zu kaufen.

Auch er hat sich auf die sehr heißen Temperaturen eingestellt. Allerdings konnte er die Überkronenbewässerung nur während der Hitzewelle vor fünf Wochen nutzen, „da unser kalkhaltiges Wasser so kurz vor der Ernte Flecken auf den Früchten hinterlassen würde“. Schläuche entlang der Apfelreihen befeuchten tröpfchenweise den Boden. Den üblichen Sommerschnitt hat er zurückgestellt, damit die Früchte mehr Schatten erhalten.

Landwirt erwartet 30 Prozent weniger Ertrag

Meckenheim-Ersdorf:Mit 30 Prozent weniger Ertrag in diesem Jahr als Folge des trockenen Sommers 2018 rechnet Michael Rönn vom gleichnamigen Obsthof in Ersdorf. Denn die Blüten erhielten weniger Nährstoffe und fielen ab. „Dadurch hatten wir eine geringere Befruchtung“, erklärt der Ersdorfer Landwirt. Für ihn ist es das zweite Jahr in Folge, in dem weniger Früchte geerntet werden – 2018 war der Ertrag um 20 Prozent geringer. „Wir können nicht flächendeckend bewässern. Wir sind an keine Ringleitung angeschlossen und haben auch keine Brunnen. Wir fahren zwar mit dem Tankwagen in die Plantage, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, macht Rönn deutlich.

Um seinen Früchten mehr Schatten zu geben, hat er partiell Hagelnetze aufgespannt. Doch bei den hohen Temperaturen in der vergangenen Woche haben diese auch nicht mehr geholfen, zahlreiche Früchte weisen Sonnenbrände auf. Mit zwölf Erntehelfern wird Anfang August die erste Sorte, „Sunrise“, eingefahren – eine Frucht mit süß-säuerlichem und aromatischen Geschmack. Die ist im Einzelhandel zwar nicht mehr gefragt, da „dort eher Elstar aus Frankreich verkauft wird. Wir bauen sie aber weiterhin an, da bei uns die Kulturen seit 20 Jahren stehen“, so Rönn.

Meckenheim-Ersdorf:Bei Philip Wißkirchen ist die Apfelsorte „Wellant“ ins Stadium der Pflückreife getreten. In drei Wochen werden die ersten Früchte geerntet. Brachte der 29-Jährige im vergangenen Jahr noch 1300 Tonnen in den Einzelhandel, so rechnet der Landwirt in dritter Generation in diesem Jahr mit deutlich weniger runden Früchten. Gründe dafür nennt er mehrere: Erst schädigten die kalten Tage Ende März/Anfang April seine Bäume in der Plantage an der A 61 (Kreuz Meckenheim) durch Frost, dann trafen Hagelschauer vor rund acht Wochen seine Äpfel schwer.

Und nun machen sich auch noch die heißen Tage der vergangenen Woche in Ausfällen durch Sonnenbrand bemerkbar. „Die Tage mit 38 und 40 Grad haben die Zellen im Fruchtfleisch zum Kochen gebracht“, so der 29-Jährige. Folgeprobleme sind für ihn dabei nicht nur der Verlust an Früchten und die Mehrarbeit – die verbrannten Früchte müssen entfernt werden –, sondern auch ein möglicher Qualitätsverlust der verbliebenen Äpfel, da durch „die Ausdünnung die Früchte dicker werden und damit nicht mehr den vorgegebenen Maßen entsprechen“.

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