Höhepunkt der Gewerbeschau Bornheim: So klingt die Band Los Rockos

Höhepunkt der Gewerbeschau Bornheim : So klingt die Band Los Rockos

Die Kultband Los Rockos aus Brühl/Bornheim spielt am Sonntag bei "Bornheim Live". Was McDonalds mit der Entstehung ihres Namens zu tun hat und wo sie ihren einprägsamsten Auftritt hatten, verrieten sie dem GA.

Den Höhepunkt der Gewerbeschau „Bornheim Live“ bildet am Sonntag, 1. September, der Auftritt der Los Rockos. Wer wissen will, wie die Brühl/Bornheimer Band zu ihrem Namen kam, muss bis in den Karneval vor 22 Jahren zurückgehen. Damals beschloss die englischsprachige Band Traphic Zoo, im Brühler Karnevalszug eine mexikanische Fußgruppe auf dem Lkw als fahrende Musiker zu begleiten. Parallel liefen bei einer bekannten Fast-Food-Kette gerade die Los Wochos. Und so rollten die fünf Bandmitglieder kurzerhand unter dem Namen „Karnevalswochos mit Los Rockos“ samt Poncho und E-Gitarre im Närrischen Elias mit.

Traphic Zoo gaben sie schließlich auf und sangen als Los Rockos auf Deutsch. „Das war eigentlich nur als Projekt gedacht, doch letztendlich ist da ein Riesending draus geworden“, erinnert sich Gründungsmitglied Thomas Rüth (51). Noch vor Brings & Co. haben sie den Karneval zwischen Bonn und Köln „verrockt“, wie die Band es nennt. „Wir sind nur froh, dass sie damals nicht eine chinesische Fußgruppe hatte, sonst wäre der Name wahrscheinlich anders gewesen“, sagt Rüth lachend.

Von der Originalbesetzung – Thomas Rüth (Gesang, Gitarre), dessen Bruder Norbert Rüth (Technik), Roman Götsch (Schlagzeug), Stephan Wagner und Bernd Recht – sind heute noch die Rüths und Götsch dabei. Jörg Kapelan (41) am Keybord und Rüdiger Blindert (54) am Bass ergänzen die Truppe – und der letzte Neuzugang Alex Radigk (43). Seit 2006 war er immer wieder für Sänger Peter Vendel eingesprungen und übernahm vor ein paar Jahren endgültig.

Lieder zu Medleys verschmelzen

Ihre Wurzeln im Hard und Melodic Rock brachten die Männer in den Karneval, indem sie bekannte Nummern mit deutlich mehr Schlagzeug und E-Gitarre gestalteten. Und diesem Motto sind sie treu geblieben. „Wir sind keine Karnevalsband, wir schunkeln nicht, bei uns wird richtig gerockt“, beschreibt Thomas Rüth. Ihre Bandbreite reicht von Abba über Die Ärzte, die Höhner und die Neue Deutsche Welle bis Udo Jürgens und ZZ Top.

„Bei uns wirst du kaum ein Lied ausgespielt hören, das meiste sind Medleys.“ So fließt beispielsweise der Pink-Floyd-Refrain „All in all you're just another brick in the wall“ wie selbstverständlich in Robbie Williams' Zeilen „I just wanna feel real love“ über. „Wir packen die Essenz von drei Stücken in fünf Minuten rein. Das macht das Ganze sehr kurzweilig, und das ist, was die Leute an uns schätzen“, sagt Rüth. Ergänzt wird das Repertoire durch eigene Kompositionen, gute-Laune-Mundartlieder, deren Refrains man meist schon beim ersten Hören mitsingen kann.

Ihre Band bezeichnen die Männer als „professionelles Hobby“: Keine Agentur im Hintergrund, keine CDs, alles live und selbst gemacht. Management, Booking und Liederschreiben übernehmen Radigk und Thomas Rüth, sein Bruder Norbert kümmert sich um die Finanzen, mischt die eigenen Songs und produziert die Videos dazu. Neben ihren Jobs als Kaufmänner im Versicherungswesen und in der Logistik stecken sie je nach Auftragslage rund fünf bis 20 Stunden pro Woche in die Band, sagt Thomas Rüth.

Nur ein abgesagter Auftritt in 22 Jahren

Unvergessen sei ihr Auftritt in der Lanxess-Arena. „Da haben wir bei einem Handballspiel in der Pause gespielt“, erzählt Götsch (52). Doch die Musiker, die als „Stars der kleinen Leute“ bezeichnet wurden, leben auch für die weniger großen Auftritte an weniger prominenten Orten. Für Geburtstage und Gartenpartys sind sie sich nicht zu schade. Mehrfach hätten Paare sogar ihre Hochzeit nach den Los Rockos ausgerichtet. „Weil wir an ihrem Termin nicht konnten, haben sie an einem anderen Tag geheiratet“, sagt Rüth.

In ihrer ganzen Geschichte hätten sie krankheitsbedingt nur einen Auftritt absagen müssen, betont Rüth. Wenn es doch mal eng wird, hilft die Familie aus: „Mein Sohn Christopher springt seit Jahren ein.“ Am Bass, am Keyboard und an der Gitarre habe der 23-Jährige ausgeholfen. Sein vier Jahre jüngerer Bruder Niklas vertrat zuletzt Sänger Radigk, als dieser mit Kehlkopfentzündung ausfiel.

Ihren prägendsten Auftritt hatten die Musiker im Krankenhaus Severinsklösterchen, wo sie für Beatmungspatienten spielten. Für seine Frau wünschte sich der Mann einer Patientin „Bye Bye My Love“ von den Bläck Fööss. „Viele Leute waren gar nicht mehr in der Lage dazu, Emotionen zu äußern, aber da liefen auf einmal Tränchen“, erinnert sich Radigk. „Und da wusste ich: Alles richtig gemacht.“

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