Konkurrenz durch Streamingdienste und Co.: So behaupten sich kleine Kinos in der Region

Konkurrenz durch Streamingdienste und Co. : So behaupten sich kleine Kinos in der Region

In der Region gibt es noch eine Handvoll kleiner Kinos, die seit Jahren großen Filmpalästen und Streamingdiensten trotzen. Wie schaffen sie das?

Netflix, Amazon & Co: Wer einen Film schauen will, muss dazu längst nicht mehr ins Kino gehen. Nie war Bewegtbild leichter zugänglich. Wie schaffen gerade kleine Kinos es, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten? Der Blick auf Lichtspielhäuser in der Region zeigt: Es kommt auf das gewisse Etwas an. Das kann eine persönliche Note, ein ergänzendes Kulturangebot, eine eigene Gastronomie oder ein betreibender Verein sein.

Das letzte von drei Kinos in Hennef ist das Kur-Theater an der Königsstraße 19a. Im Jahr 2003 wollte sich der damalige Betreiber Richard Bellinghausen aus Altersgründen zurückziehen. Um das Theater zu erhalten und weiterzubetreiben, gründete sich der Verein Kur-Theater Hennef. Nach eigenen Angaben sind aus 48 Mitgliedern mittlerweile mehr als 1000 geworden. Mehr als 200.000 Euro flossen dank der Mitgliedsbeiträge in Aufrüstung und Instandhaltung. So entstanden unter anderem eine Bühne und ein Bistro.

Im denkmalgeschützten Gebäude aus den 1930er Jahren finden 190 Personen Platz. Das Kino zeigt auf seiner 9 mal 3,7 Meter großen Leinwand nichtkommerzielle sogenannte Arthouse-Filme und Kinderprogramm. Für junge Mütter und ihren Nachwuchs bietet der Verein das Wickeltaschenkino an: Bei gedämpftem Ton und Licht laufen familienfreundliche Streifen, Wickeltische stehen bereit, vorher gibt es einen kleinen Imbiss.

„Wir haben nicht nur ein Standbein“, berichtet der Vereinsvorsitzende Ingo Teusch. „Neben dem Kino haben wir circa 40 Kulturveranstaltungen im Jahr.“ „Vielfalt und Anspruchsvolles“ seien die Nische des Kur-Theaters. Damit lockt das Theater laut Teusch jährlich rund 25.000 Menschen ins Kino und noch einmal 5000 zu Kabarett, Konzerten und mehr. Auch dass der Verein keine Gewinne erzielen müsse, sei ein Vorteil. „Damit können wir die Preise für Tickets und Popcorn moderat halten“, sagt Teusch. Schlechte Zeiten könne man im Gegensatz zu anderen Kinos nicht beklagen.

Wachtberg-Adendorf: Drehwerk ist Kulturzentrum

Das Jahr 2003 spielt auch bei der Entstehung des Drehwerks 17/19 in Adendorf eine Rolle. Damals erwarben Ille und Rudi Knorr das Areal der stillgelegten Töpferei Söndgen. Nach langem Umbau verwirklichten sie dort ihre Idee eines Kulturbetriebs mit Programmkino, Kleinkunstbühne und Bistro. Am 27. Oktober 2007 öffnete das Drehwerk an der Töpferstraße 17-19 die Türen. Für sein Gesamtkonzept verlieh die Filmstiftung NRW dem Drehwerk ein Jahr später ihren Innovationspreis. Und dieses Konzept macht den Erfolg des Kinos aus, ist sich Rudi Knorr sicher. „Im Drehwerk kannst du nicht nur Filme schauen, du kannst auch gut essen und Kulturveranstaltungen besuchen“, sagt er.

Mit seinen 45 Plätzen versorgt das Drehwerk im Jahr zwischen 15.000 und 18.000 Besucher, weiß der Betreiber. Die Zahlen blieben in den letzten Jahren relativ stabil. Bei der Bild- und Tontechnik sei das Drehwerk – wie viele kleine Kinos in der Region – ähnlich gut ausgestattet wie die großen Ketten. Das Programm reiche von Arthouse und Programmkino, vor allem Dokumentationen und Biografisches, bis zu Mainstream-Filmen. „Es kommt auch ein bisschen darauf an, wonach unsere Besucher fragen. Wenn ein Film vielversprechend ist, nehmen wir ihn ins Programm auf“, verrät Knorr.

Am letzten Dienstagnachmittag im Monat gibt es Film, Kaffee und Kuchen, abgekürzt „FKK“. Regelmäßig gibt es Kurzfilm- und Themenabende mit Bewirtung, auf der Bühne mehrmals die Woche Comedy, Theater, Konzerte und Tanz.

Sankt Augustin-Mülldorf: Bequeme Studiokinolounge

Als „das Kino mit Komfort“ bezeichnet sich die Studiokinolounge in Sankt Augustin, mit 28 Plätzen noch kleiner als das Drehwerk. Dafür sind diese besonders bequem: Den Besucher erwartet an der Bonner Straße 68 ein „Kinowohnzimmer“ samt Teppich, Beistelltischchen und Ledersitzen mit Anlehnkissen. Kinobetreiber Ulrich Henke legt Wert auf die persönliche Note: 1993 übernahm er das damalige Kino „Filmriss“ und gestaltete die Räume eigenhändig neu – nostalgisch eingerichtete Kinokneipe inklusive.

Dort tragen Filmplakate von Klassikern der 90er, Bücherstapel, eine Jukebox, Strandkörbe, Kinosessel und Ledersofas zur Atmosphäre bei. Henke pflegt den Kontakt zu den Besuchern, seine Stammkundschaft fordert ihn deswegen regelmäßig zum Weitermachen auf. „Ich liebe den Job, keine Vorführung ist wie die andere“, sagte Henke. Momentan befindet sich das Kino bis einschließlich 30. August in der Sommerpause.

Zoom in Brühl: Bürger retten Kinolandschaft

Nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte Brühl zur Kinohochburg, weil die meisten Filmspielhäuser im benachbarten Köln zerstört worden waren, weiß Hans-Jörg Blondiau, der Vorsitzende des Vereins Zoom Brühler Kinotreff. Dann löste das Fernsehen in den 1960ern ein Kinosterben aus. „Als das letzte Schachtelkino zugemacht hatte, dachten sich die Bürger, das kann es nicht gewesen sein“, sagt Blondiau. Und so gründeten sie vor 33 Jahren den Verein, um weiterhin Filme in Brühl zeigen zu können.

Aus dessen Bemühungen ging zehn Jahre später das Zoom-Kino an seinem heutigen Standort an der Uhlstraße 3 hervor. Im Saal finden seit diesem Jahr 70 statt 65 Besucher Platz. Im Innenhof gibt es im Sommer beim Zoom-Open-Air Filme unter freiem Himmel zu sehen.

Neben Arthouse, Kinderprogramm, Dokumentationen und europäischen Filmen werden auch Mainstream-Streifen gezeigt. Zum einen, weil es das einzige Kino in Brühl sei, erklärt Blondiau. „Außerdem haben reine Arthouse-Kinos Schwierigkeiten, zu überleben.“

Mit Preisgeldern verbundene Auszeichnungen, beispielsweise der Filmstiftung NRW oder des Bundeskulturministeriums, bildeten daher einen zusätzlichen Baustein der Finanzierung. Wie Wirtschaftsförderung für Kinos sei das, sagt der Vorsitzende. Von der Filmstiftung NRW erhielt das Zoom vergangenes Jahr insgesamt 12.000 Euro, vom Bund 15.000 Euro – für sein Gesamtprogramm und sein Engagement für den Kurzfilm.

Die Besucherzahlen sind Blondiau zufolge stabil. Vergangenes Jahr besuchten rund 34.000 Menschen das Zoom. „Wir haben ein sehr treues Publikum. Da können wir Filme teilweise in der achten Woche zeigen, weil wir wissen, dass die Leute kommen“, berichtet der Vorsitzende.

Bad Neuenahr: Beste Technik bis Köln

„Kleine Kinos können trotz Netflix und Co. überleben, wenn sie investieren und etwas Neues anbieten“, ist sich Jurij Stroeve (29), seit 2013 Inhaber des Kino-Centers Rhein-Ahr im Bad Neuenahrer Quellenhof mit 200 Sitzplätzen in zwei Sälen sicher. Fit für die Zukunft machen und das mit mehr Komfort für die Zuschauer, so lautet sein Credo für das einzige Kino im Kreis Ahrweiler.

Daher hat er bei der Sanierung 2017 im Saal „Ahrweil“ den Platz von 101 auf 64 Plätze reduziert, exklusive Ledersessel mit großem Abstand zum Neben- und Vordermann gelassen und den Besuchern in der ersten Reihe die Option ermöglicht, in die Liegeposition zu gehen.

„Wir müssen uns bei einem explodierenden Digitalangebot der Streaming-Dienste, bei Escape-Rooms und Jumping-Arenen die Aufmerksamkeit der Kunden teilen. Sie haben mehr Geld zur Verfügung und mehr Freizeit. Daher wollen wir mit einem gesteigerten Ambiente einen Ausgehfaktor mit Wohlfühlfaktor schaffen, der bezahlbar bleibt. Der Kartenpreis liegt bei 7,75 Euro“, so Stroeve.

Nicht nur in Sachen Projektion sei das Kino-Center auf dem aktuellen Stand, sondern auch in Sachen 3D durch die sogenannten Shutter-Brillen. „Das ist die beste Technik bis Köln, die uns von der Konkurrenz abhebt. Während 3D-Filme bundesweit einen Rückgang verzeichnen, steuern viele Kunden uns gezielt an. Auch das ist ein Alleinstellungsmerkmal.“

Wichtig ist für den Unternehmer mit acht Mitarbeitern und 30 000 Besuchern im Jahr 2018, die kluge Programmplanung: „Der Mix aus Blockbustern, Filmkunst und Sonderveranstaltungen beispielsweise mit einem Moderator im Saal, trägt zum Abheben von der Masse bei.“

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