Bericht des ZDF: Schwere Sicherheitspanne am Flughafen Köln/Bonn

Bericht des ZDF : Schwere Sicherheitspanne am Flughafen Köln/Bonn

Am Flughafen Köln/Bonn soll es nach Angaben des ZDF zu einer schweren Sicherheitspanne gekommen sein. Auf der Internetseite des Flughafens war demnach der als vertraulich eingestufte Notfallplan des Airports seit Ende 2015 frei zugänglich.

"Schwere Sicherheitspanne" oder "allgemeine Informationen, um das Zusammenwirken der wesentlichen Nutzer im Notfall zu gewährleisten". So unterschiedlich schätzen das ZDF, das einen Notfallplan des Flughafens Köln/Bonn frei zugänglich im Internet entdeckt hat, und der Airport den Sachverhalt ein.

Vom November bis gestern Nachmittag stand laut ZDF ein 230 Seiten starkes Dokument des Airports im Netz, das als vertraulich und als nur für den Dienstgebrauch eingestuft gewesen sei. Es enthält Anweisungen für den Umgang mit Naturkatastrophen und Flugunfällen sowie auch detaillierte Anweisungen zum Umgang mit Terroranschlägen, Bombendrohungen oder Geiselnahmen und genaue Beschreibungen von Sammelstellen für Passagiere in Notsituationen. Neben einer detaillierten Beschreibung von Notfallsituationen seien auch Ansprechpartner aufgeführt.

Das ZDF zitiert Experten, die es für mindestens grob fahrlässig halten, dass ein Dokument, in dem besonders sensible Orte mit Lageplänen und Telefonnummern wichtiger Entscheidungsträger vermerkt sind, öffentlich zugänglich war.

Der Flughafen nennt das Dokument in einer Stellungnahme "Auszug aus einem Notfallplan". Er beinhalte keine detaillierten Prozesse oder sensiblen Informationen zu Maßnahmen im Notfall. Alle dort aufgeführten Telefonnummern seien öffentlich. Der detaillierte Notfallplan sei nur einem sehr kleinen Personenkreis zugänglich. Dennoch bedauert der Flughafen, dass das Dokument öffentlich zugänglich war. Den "Zugriff" sei von den Servern des Flughafens entfernt worden. "Die Ursache, warum dieser Zugriff möglich war, wird seitens des Flughafens intensiv geprüft", heißt es weiter.

Brisant ist der Vorgang möglicherweise vor dem Hintergrund, dass die Terrororganisation IS Köln/Bonn in einer Propagandaschrift in Form einer Fotomontage als mögliches Anschlagsziel in Deutschland genannt hatte.

Unterdessen bemängelt die Gewerkschaft Verdi, dass es zu wenig Personal am Flughafen Köln/Bonn für die Kontrollen von Fluggästen und Gepäck gebe. Dabei würden schon 15 Kontrolleure aus Düsseldorf eingesetzt. "Rund 40 bis 45 Mitarbeiter fehlen", sagte der Verdi-Sekretär Özay Tarim. Deshalb habe das Sicherheitsunternehmen Kötter, das die Kontrolle durchführt, gestern wieder eine geplante Schulung gestrichen.

Gegen Ende des vergangenen Jahres seien 200 Mitarbeiter nicht ausreichend geschult gewesen, so dass eine Nichtzulassung zur anstehenden Rezertifizierung drohte. Diese Wiederholungsprüfung müssen die Sicherheitsmitarbeiter alle drei Jahre ablegen. Statt Training hätten sie an der Sicherheitsstraße arbeiten müssen, damit dort genug Personal für eine zügige Kontrolle ist.

Pro Jahr müssen Luftsicherheitsassistenten 40 Stunden theoretisch und praktisch trainieren. Vermittelt werden nach Angaben des Bundesinnenministeriums auch neue Erkenntnisse zu verbotenen Gegenständen. "Dies gilt insbesondere auch für neue Materialien wie beispielsweise Kunststoffwaffen aus 3D-Druckern", so eine Sprecherin. Ohne Rezertifizierung können Mitarbeiter nicht an jedem Punkt der Strecke eingesetzt werden, so Tarim. Dann hätten andere lange vor Röntgengeräten sitzen müssen, was der Konzentration schade. Deshalb habe Kötter seit Jahresanfang auch nachts Trainings angesetzt.

EU-Prüfer hatten Anfang Februar Sicherheitsmängel bei den Kontrollen in Köln/Bonn entdeckt. "Die Mitarbeiter machten unter schwierigen Bedingungen einen guten Job", sagte Tarim. Kötter müsse aber für ausreichend Personal sorgen. Wegen des Personalengpasses habe es 2015 bereits zwei Spitzengespräche beim Bundespolizeipräsidenten gegeben.

Kötter kontrolliert seit 2015 in Köln/Bonn. Nach früheren Angaben sind hier 500 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig. Gestern nahm Kötter bis zum Redaktionsschluss keine Stellung zu den Vorwürfen.