Letzte innerdeutsche Route: Ryanair streicht Flugverbindung von Köln/Bonn nach Berlin

Letzte innerdeutsche Route : Ryanair streicht Flugverbindung von Köln/Bonn nach Berlin

Die Billig-Airline Ryanair streicht die Verbindung vom Flughafen Köln/Bonn nach Berlin-Schönefeld. Das bestätigte das Unternehmen auf GA-Anfrage. Es war die letzte innerdeutsche Verbindung.

Ryanair zieht sich aus dem innerdeutschen Flugverkehr zurück. Ab dem Winterfahrplan im November streicht der Billigflieger seine letzte Verbindung – zwischen Köln/Bonn und Berlin-Schönefeld. Das bestätigte die irische Fluggesellschaft auf Anfrage. „Unsere Strecke Köln-Berlin-Schönefeld wird in diesem Winter nicht bedient“, so eine Sprecherin.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Ryanair das Angebot zwischen Köln und Berlin reduziert. Im aktuellen Flugplan sind es noch maximal zwei Flüge am Tag, und das ausschließlich an Werktagen. Die Hauptstadt wird von Köln aus in erster Linie von den Konkurrenten Eurowings und Easyjet bedient, die ein weit dichteres Angebot vorhalten. Unter der Woche starten in Köln außerhalb der Ferienzeit bis zu 19 Maschinen pro Tag in Richtung Berlin – wobei Eurowings und Easyjet nicht Schönefeld, sondern Tegel ansteuern.

Schon im vergangenen Winterflugplan spielte das Berlin-Angebot von Ryanair in Köln nur eine untergeordnete Rolle. „Von insgesamt 126 Umläufen pro Woche entfielen im Winter lediglich zehn auf Ryanair“, so eine Sprecherin des Flughafens Köln/Bonn auf Anfrage. „Im aktuellen Sommerflugplan bedient Ryanair acht von 118 Berlin-Umläufen.“ Inwieweit der Wegfall ab kommendem Winter kompensiert wird – dazu gab es am Freitag noch keine Informationen. Die Verbindung ist für Pendler zwischen den Regierungssitzen in Berlin und Bonn bedeutsam. Die Beamten buchten im vergangenen Jahr 229 116 Inlandsflüge. Im Jahr 2018 waren laut Flughafen in Köln/Bonn insgesamt etwa 1,5 Millionen Passagiere auf der Berlin-Strecke unterwegs.

Billig-Airline steckt in Problemen

Rynair hat derzeit mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Zuletzt drückten günstige Tickets sowie steigende Kerosinpreise und Personalkosten auf den Gewinn der Billig-Airline. Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende März war der Gewinn im Vorjahresvergleich um 29 Prozent gesunken; unter dem Strich blieb Ryanair 2018/2019 rund eine Milliarde Euro. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs von April bis Ende Juni brach der Gewinn um 21 Prozent im Vorjahresvergleich auf 243 Millionen Euro ein. Zudem stehen wegen des Flugverbots für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max Hunderte Stellen auf der Kippe.

Das Unternehmen benötige rund 1500 weniger Piloten und Flugbegleiter als geplant, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg aus einer Videobotschaft von Ryanair-Chefn Michael O'Leary. Schon jetzt habe die Airline mehr als 500 Piloten und rund 400 Flugbegleiter zu viel. Weitere 600 Stellen, die Ryanair für kommenden Sommer besetzen wollte, würden nun nicht benötigt. Als weiterer Grund gilt die Unsicherheit durch den geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU, der auf die Nachfrage drückt. „Wir werden in den nächsten Wochen versuchen, den Stellenabbau möglichst gering zu halten“, sagte O'Leary darin. Die Fluggesellschaft hat wegen der gestoppten Auslieferungen des Boeing-Fliegers ihre Wachstumspläne zusammengestrichen. Bis zum Sommer 2020 werde sie statt der geplanten 58 Jets des Typs voraussichtlich nur 30 Maschinen erhalten.

Diskussion über Inlandsflüge

In Deutschland ist unterdessen eine Diskussion über Inlandsflüge entbrannt, vor dem Hintergrund des Klimawandels. „Bis 2035 wollen wir die Bahn auf nahezu allen innerdeutschen Strecken und ins benachbarte Ausland zur schnelleren, komfortableren und günstigeren Alternative machen“, heißt es in einem Positionspapier der Grünen, an dem unter anderem die Darmstädter Abgeordnete Daniela Wagner mitgeschrieben hat. Das Dilemma ist damit benannt: Das deutsche Schnellbahnnetz ist derzeit nicht in der Lage, flächendeckend attraktive Alternativen zur Flugreise anzubieten.

Die Grünen-Vorschläge würden die Flüge innerhalb der deutschen Landesgrenzen deutlich verteuern. Derzeit würden die Kosten von Flugtickets durch Subventionen künstlich niedrig gehalten, kritisieren sie. Kerosin- und Umsatzsteuern sowie eine saftige CO2-Abgabe bei gleichzeitiger Entlastung der Bahnkunden und zusätzliche Milliarden für den Schienenausbau sollen die Verkehrswende beschleunigen. Mehr Verlässlichkeit und besseren Service auf der Schiene mit eingeschlossen.

Der Luftverkehrsverband BDL warnt hingegen vor nationalen CO2-Alleingängen und will lieber Steuergeld in das Langzeitprojekt synthetisches Flugbenzin stecken, das fossiles Kerosin ersetzen könne. Die Inlandsflüge will man nicht pauschal aufgeben, sondern nur dort auf die Schiene verlagern, wo sehr schnelle Bahnverbindungen als Alternative bereitstehen.

2018 flogen laut Statistischem Bundesamt 23,5 Millionen Passagiere im Inland. (mit Material von dpa)

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