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Schiedsleute als Streitschlichter: Rund 1100 Ehrenamtliche schlichten in NRW Nachbarschaftsstreits

Schiedsleute als Streitschlichter : Rund 1100 Ehrenamtliche schlichten in NRW Nachbarschaftsstreits

Die Hecke ist zu hoch, der Hund kläfft zu laut, der Grillgeruch stört: Wenn Nachbarn im Clinch liegen, schlägt die Stunde von Helmut Freund.

Als Schiedsmann versucht er, zwischen den Streithähnen zu vermitteln - und möglichst zu einer gütlichen Lösung zu kommen. "In etwa der Hälfte der Fälle klappt das auch, aber wenn einer nicht will, dann geht es eben nicht", sagt Freund.

Rund zwölf Mal im Jahr führt der Lehrer Schiedsverfahren in seinem Kölner Haus durch. "Oft geht es da ziemlich emotional zur Sache, manchmal fließen auch Tränen", schildert der 64-Jährige. "Die Leute kommen teilweise richtig aufgeheizt hier an. Ich stelle dann gleich zu Anfang klar, dass hier nicht herumgeschrien wird."

Die Idee, Schiedsleuten zur vorgerichtlichen Streitschlichtung einzusetzen, geht bis ins Jahr 1824 zurück. Heute sei dieses Ehrenamt in zwölf Bundesländern gesetzlich verankert, berichtet der Bund deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS) in Bochum.

In Nordrhein-Westfalen gibt es rund 1100 Schiedspersonen. Sie werden vom Gemeinderat für fünf Jahre gewählt und unterstehen den Amtsgerichten. Ziel ist es, Zeit und Gerichtskosten zu sparen. Ein Schlichtungsverfahren kostet zehn Euro, die Gebühr bei einem Vergleich beträgt höchstens 40 Euro. Die Hälfte davon geht an die Schiedsperson, die andere Hälfte in die Gemeindekasse.

Nach Angaben des NRW-Justizministeriums haben Bürger im vergangenen Jahr gut 4900 Anträge auf Schlichtungsverhandlungen bei Schiedspersonen gestellt. Etwa ein Fünftel der Anträge bezog sich auf strafrechtliche Taten wie Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Beleidigung.

"Das Schiedsamt ist eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit, gefragt sind vor allem Lebenserfahrung und gesunder Menschenverstand", sagt der Vorsitzende der BDS-Landesvereinigung NRW, Marc Würfel-Elberg. Während es in einigen Bezirken kein Problem sei, die Stelle zu besetzen, würden anderswo händeringend Interessenten gesucht, sagt Würfel-Elberg. (dpa)