Rheinspange: Autobahn-Verbindung zwischen A555 und A59 in Planung

"Rheinspange" zwischen A 555 und A 59 : So steht es um die Autobahnverbindung über den Rhein

Die genaue Trasse steht noch nicht fest. Irgendwo zwischen Wesseling-Urfeld und Niederkassel-Rheidt im Süden und Köln-Godorf und Köln-Langel/Niederkassel-Lülsdorf im Norden soll die neue Verbindung über den Rhein gebaut werden. Ob als Brücke oder als Tunnel, ist auch noch nicht entschieden.

Der Landesbetrieb Straßen NRW hat allerdings schon vorbereitende Untersuchungen für die "Rheinspange" zwischen A 555 und A 59 in Auftrag gegeben. Mit einigen Ergebnissen ist er am Samstag in die Planungswerkstatt gegangen - eine nächste Stufe im umfangreichen Beteiligungsprozess. 35 Bürger, Planer und Vertreter aus Kommunen, Wirtschaft und Interessenverbänden haben im Rheinforum Wesseling über mögliche Querungsvarianten diskutiert. Willi Kolks, Abteilungsleiter bei Straßen NRW, nannte es einen "Meilenstein im Planungsverfahren zur Rheinspange 553", denn es ging erstmals um konkrete Ideen für die Linienführung der neuen Autobahnverbindung.

Klar ist: Einfach wird es nicht, denn der Raum am Rhein ist geprägt von sensiblen ökologischen Flächen, von dichter Besiedlung und empfindlichen Industriebereichen. Geologische und geotechnische "Zwangspunkte" seien aus planerischer Sicht definiert worden, sagte Kolks. Es gebe auch einige Verbindungspunkte, die sich aus den bisherigen Untersuchungen ergäben. Kolks vermeidet aber, einer Variante einen Vorrang zu geben. "In diesem Workshop geht es darum herauszufinden, welche Linienvarianten vertieft untersucht werden sollen", so Kolks.

Am Abend sollte jede der fünf Arbeitsgruppen zwei bevorzugte Linien vorgeben, die anschließend auf einer Grafik ein buntes Bild ergeben - vielleicht auch so etwas wie eine Tendenz zeigen. Vorgegeben sind lediglich zwei Korridore über dem Rhein, wo eine Rheinspange möglich wäre. Entsprechend hat sich die Verkehrsuntersuchung darauf konzentriert, Auswirkungen einer südlichen und einer nördlichen Variante auf die Verkehre im Jahre 2030 zu durchleuchten.

Eine besondere Erkenntnis sei, dass die Hauptströmungen von Südosten nach Nordwesten führen, sagte Rüdiger Däumer, Projektleiter bei Straßen NRW. Eine Brücke etwa in Höhe Godorf mit einem Anschluss an die A 59 bei Lind würde zu einer starken Entlastung der Rodenkirchener Brücke um etwa 19.000 Fahrzeuge pro Tag bedeuten, auf der Bonner Nordbrücke nur um 9400 Fahrzeuge.

Würde die Rheinquerung südlicher gebaut mit einem Anschluss an die A 59 zwischen Lind und Spich, prognostiziert der Gutachter eine ziemlich gleichmäßige Entlastung für die Brücken bei Rodenkirchen (-13.000) und im Bonner Norden (-14.000). Zum Vergleich: Auf der Nordbrücke sind heute im Schnitt knapp 120.000 Fahrzeuge unterwegs, auf der Rodenkirchener Brücke rund 132.000. Die neue Rheinquerung würde zu je 50 Prozent Regionalverkehre und Fernfahrten ordnen. Tatsächlich würde sie vor allem zu einer bessere Erschließung des Kölner Südens und Zentrums führen.

"Das Projekt wird erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft haben, weshalb wir auch die junge Generation eingeladen haben, sich einzubringen", sagte Kolks. Allerdings hatte sich lediglich eine Schülerin aus Porz angemeldet. Über ein Losverfahren waren außerdem Bürger eingeladen worden, die nicht in Interessenvereinigungen engagiert sind. So wie Jennifer McDonald (39) aus Niederkassel. "Ich finde, das ist eine große Chance, sich einzubringen. Als ich von der Möglichkeit gehört habe, bin ich gleich einem inneren Impuls gefolgt", sagte sie.

Simin Fakhim (51) aus Porz ist Vorsitzende des Urbacher Bürgervereins: "Bei uns haben sich elf Bürgervereine zusammengeschlossen, um bei zentralen Verkehrsthemen und der Verbesserung der Infrastruktur die Interessen der Bürger zu vertreten." Die beiden saßen gemeinsam mit Vertretern der IHK, der Kommunen und mit Mehmet Sarikaya, Leiter des Planungsamts des Rhein-Sieg-Kreises, in einer Arbeitsgruppe. Knallen da Einzelinteressen aufeinander? "Überhaupt nicht", meinte Fakhim, und McDonald pflichtete ihr zustimmend bei. "Dass verkehrlich was passiert, finde ich grundsätzlich gut", sagte die Niederkasselerin. "Aber es muss so geplant werden, dass die Wohngebiete nicht übermäßig betroffen sind." Eines sei allen am Tisch klar geworden: "Konfliktfreie Lösungen gibt es nicht." Und so werde sehr "ergebnisoffen und sachlich diskutiert", so Wencke Mons, die für die Strategie- und Kommunikationsberatung IFOK die Arbeitsgruppe moderierte.

Es wird eine Abwägung werden, wo ein Autobahnanschluss, wo ein Autobahnkreuz und wo vielleicht eine Brücke oder ein Tunnel gebaut werden können. "Das Thema ist komplex", gab Kolks zu. Und Aufgabe der Planer werde es später sein, all diese Überlegungen in ihrer Abwägung zu berücksichtigen. Bis Ende 2020 jedenfalls soll die sogenannte Kreuzungsvariante festgelegt werden, um dann konkret ins Linienbestimmungsverfahren gehen zu können.

Entscheiden wird der Bundesverkehrsminister, was in die detaillierte Planung gehen soll. Zwei Jahre rechnet Kolks mit dem Vorentwurf. Also könnte 2022/23 das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Das ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren, bei dem über die Zulässigkeit der Maßnahme entschieden wird. Wenn alles glatt läuft, dauert es ein Jahr. Glatt laufen solche Verfahren aber nie, wissen Experten. Denn in diesem Prozess werden auch mögliche Klageverfahren eingeleitet. Vor 2025 rollen jedenfalls keine Bagger für die Rheinspange an.

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