RB26, RB48, RE5, S23: Welche Züge am häufigsten ausfallen und zu spät sind

Pendlerfrust im Linksrheinischen : Welche Züge am häufigsten ausfallen und zu spät sind

Die Zugstatistik im Linksrheinischen belegt: Einige Züge fallen besonders häufig aus, während andere oft zu spät sind. Wir geben einen Überblick, welche Linien am meisten Pendlerfrust hervorrufen.

Es ist 8.47 Uhr, als die Regionalbahn (RB) 26 in Richtung Köln im Roisdorfer Bahnhof hält – zehn Minuten zu spät. In Sechtem, Brühl und an anderen Stationen werden Reisende auf den Zug warten. Wieder einmal. Denn Verspätungen und Ausfälle sind auf den Bahnstrecken in der Region beileibe keine Seltenheit. Jeder Pendler kann ein Lied davon singen. Auch die besagten zehn Minuten Verspätung der RB26 werden in die Statistik des Zweckbands Nahverkehr Rheinland (NVR) einfließen.

Einmal jährlich präsentiert der NVR – der für den Schienenpersonennahverkehr zuständig ist – einen Qualitätsbericht. Für 2018 hat der NVR diesen nun vorgelegt. Das Urteil ist vernichtend – und das trotz steigender Fahrgastzahlen. Bei den zentralen Kriterien der Angebotsqualität seien spürbare Verschlechterungen zu verzeichnen, heißt es vom NVR. Dies gelte sowohl für Zugausfälle, Pünktlichkeit als auch für die Kapazität im vergangenen Jahr. Doch was bedeutet das für die Züge, die durch den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis und Bonn fahren? Das zeigt ein genauerer Blick in die Statistik.

RB26

RB26 (Köln bis Mainz; Betreiber: Transregio): Nach Angaben des NVR hat die RB26, was Zugausfälle (mit oder ohne Ersatzverkehr) angeht, bei den Regionalbahnen am besten abgeschnitten. So sind der Statistik zufolge 2018 unter zwei Prozent der Verbindungen nicht gefahren. Auch in den Jahren 2016 und 2017 hatten sich die Ausfallquoten in diesem Bereich bewegt. Ganz anders sieht es bei den Verspätungen aus. Dazu heißt es im Qualitätsbericht: „So ist die Pünktlichkeit auf der RB26 förmlich eingebrochen.“ Laut NVR lag die durchschnittliche Verspätung im vergangenen Jahr bei fast vier Minuten. In den Jahren zuvor hatte sie noch bei deutlich unter drei Minuten gelegen.

RB48

RB48 (Wuppertal-Oberbarmen bis Bonn-Mehlem; Betreiber National Express): Etwa zwölf Prozent aller Verbindungen dieser Regionalbahn fielen 2018 aus – und nicht alle wurden durch einen Ersatzverkehr ausgeglichen. Im Vergleich zu den Jahren 2016 und 2017 ist das eine deutliche Steigerung, schließlich hatten die Ausfälle damals bei gut drei Prozent beziehungsweise rund sechs Prozent gelegen. Durchschnittlich gut drei Minuten kamen die RB48-Züge 2018 zu spät. Auch das ist eine Steigerung zu den Jahren zuvor (jeweils mehr als zwei Minuten).

RE5

RE5 (Wesel bis Koblenz, ohne Halt im Vorgebirge; Betreiberin bis Juni 2019: Deutsche Bahn, jetzt: National Express):Mehr als sechs Prozent aller Verbindungen fielen 2018 aus. Das sind deutlich weniger als 2017 (mehr als acht Prozent), aber viel mehr als 2016 (rund zwei Prozent). Um durchschnittlich deutlich mehr als fünf Minuten waren die RE5-Züge verspätet. Das ist zwar ein wenig besser als 2017, aber immer noch viel mehr als 2016. Damals hatte die Verspätung bei durchschnittlich rund viereinhalb Minuten gelegen.

S23

S23 (Euskirchen bis Bonn; Betreiberin: Deutsche Bahn):Rund 2,5 Prozent der Voreifelbahnzüge sind nach NVR-Angaben im vergangenen Jahr ausgefallen (mit oder ohne Ersatz). Das ist mehr als in den Jahren zuvor, als die Ausfallquote jeweils bei rund einem Prozent gelegen hatte. Bei der durchschnittlichen Verspätung lag die Voreifelbahn der Statistik zufolge in den Jahren 2016 bis 2018 bei maximal einer Minute.

Weiter finden sich im Qualitätsbericht Daten dazu, wie häufig Züge mit geringerer Kapazität gefahren sind als vertraglich vorgesehen. Im Jahr 2018 lagen die Quoten bei rund 1,5 Prozent (RB26), rund 2,5 Prozent (RB48), rund 1,5 Prozent (RE5) und rund 1,6 Prozent (S23). Auch werden Daten zum Zustand der Fahrzeuge ermittelt. Erhoben werden sämtliche Daten von den Verkehrsunternehmen selbst. Dann müssen sie dem NVR vorgelegt werden. „Diese Daten werden stichprobenhaft geprüft sowie mit den Erkenntnissen aus dem Kundendialog abgeglichen“, heißt es im Qualitätsbericht. Zur Kontrolle setzt der NVR mitunter Personal ein. Falschmeldungen würden empfindlich bestraft.

Als Gründe für die Ausfälle und Verspätungen gibt der NVR ein ganzes Bündel von Erklärungen an: Baustellen, Trassensperrungen durch Unfälle, Überholungen durch Fern- und Güterzüge, aber auch eine allgemeine Überlastung der unzureichenden Schieneninfrastruktur – vor allem zwischen Bonn und Köln. „Zunehmend gibt es Probleme, den Bahnbetrieb stabil zu halten“, heißt es in der Pressemitteilung des NVR zum Qualitätsbericht.

„Alle Beteiligten sind sich bewusst, dass wir eine Verbesserung nur durch einen erheblichen Ausbau der Infrastruktur erreichen können“, erklärt NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek. Er verweist auf die verschiedenen Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur des sogenannten Kölner Bahnknotens. Zugleich müssten sich die Verantwortlichen fragen, was man noch tun könne. Sedlaczek: „Dies betrifft beispielsweise eine deutlich höhere Vorgabe an Reservefahrzeugen, das Nichtzulassen von planmäßigen Kurzwenden oder auch das Unterlassen der Integration neuer Halte, die nicht bereits gesetzt sind, in einen eh schon angespannten Fahrplan.“

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