Kommentar zum Karl Kaufmann-Streit: Notwendiger Diskurs

Kommentar zum Karl Kaufmann-Streit : Notwendiger Diskurs

GA-Redakteur Hans-Peter Fuß zur Debatte um Karl Kaufmann und den nach ihm benannten Wanderweg des Eifelvereins.

Gewiss, es ist nicht die feine Art, anonyme Briefe zu verschicken und heimlich fremdes Eigentum zu bekleben. Ein Diskurs zwischen Absender und Adressat ist auf diese Weise nicht möglich. Das kann man bedauern und kritisieren, ist aber im Kontext der Diskussion um die Rolle Karl Kaufmanns im Dritten Reich ein Nebenschauplatz. Eher hat die Aktion der „Wandergruppe Eifelgold“ eine notwendige Diskussion befeuert.

Denn es ist richtig, dass in der gesamten Republik Diskurse darüber stattfinden, ob öffentliche Plätze, Straßen, Schulen oder Kasernen nach Personen benannt werden oder benannt bleiben sollen, die in ihrer Zeit Schuld auf sich geladen haben. Erinnert sei an die Debatte über den Hindenburgplatz in Bonn-Dottendorf oder den nach Sylt führenden Hindenburgdamm. Die Sensibilität hinsichtlich in der NS-Zeit schuldig gewordener Personen ist heute zum Glück eine andere als in den 50er Jahren, als solche Männer noch Chef des Kanzleramtes werden konnten – oder auch Vorsitzende des Eifelvereins.

Gerade weil der Eifelverein einen Ex-Nazi wie Josef Schramm auch nach dem Krieg über fast zwei Jahrzehnte zum Vorsitzenden gewählt hat, sollte er sich heute umso penibler mit der Vergangenheit der Menschen befassen, nach denen seine Wege benannt sind. Dies ist in diversen Publikationen des Vereins bereits ansatzweise geschehen. Dennoch fehlt bis heute eine umfassende Darstellung der Beziehung Karl Kaufmanns zum NS-Regime und seines Verhaltens jüdischen Mitbürgern gegenüber.

Die Nichtmitgliedschaft in der NSDAP spricht zunächst einmal für Kaufmann. Alles andere ist eine lohnende Aufgabe unabhängiger Historiker. Unabhängig vom Ergebnis einer solchen Expertise, ob Kaufmann nun überzeugter Nazi oder nur Mitläufer war, sollte der Eifelverein den Wanderweg umbenennen. Denn Kaufmanns Hitler glorifizierende Zitate sprechen eine zu deutliche Sprache.

Mehr von GA BONN