Keine graue Industriestadt: Neues Image für Wesseling

Keine graue Industriestadt : Neues Image für Wesseling

Die Wesselinger Verwaltung will mit einer groß angelegten Werbekampagne ein positives Bild erzeugen. Mit einem Wettbewerb will die Stadt gegen das Graue-Maus-Image vorgehen.

Schämen sich die Menschen zu sagen, dass sie aus Wesseling sind? In der Präsentation von Marketingexperte Guido Lenssen wird jedenfalls dieser Eindruck erweckt. Lenssen hat eine fiktive Szene in Bildern aufbereitet, in der ein Mann aus dem vornehmen Kölner Stadtteil Marienburg und ein Wesselinger ins Gespräch kommen. Erst auf mehrmalige Nachfrage des Kölners gibt der Wesselinger kleinlaut zu, dass er aus der Stadt im Rhein-Erft-Kreis kommt.

Videos, Werbeanzeigenund Plakate

Geht es nach Lenssen von der Agentur „Heartblood“ (Deutsch: Herzblut) – übrigens selbst aus Wesseling stammend – und den Verantwortlichen im Rathaus, soll das aber nicht mehr lange so sein. So startet an diesem Mittwoch eine große Kampagne, um das Bild, das sich die Menschen von Wesseling machen, grundlegend zu verändern. Mit Videos, Werbeanzeigen, Plakaten, frischen Auftritten in den sozialen Netzwerken Facebook, Youtube, Instagram und Twitter sowie einem Bildband und einem Wettbewerb will man weg vom Graue-Maus-Image der Stadt.

Wesselings Bürgermeister Erwin Esser selbst nimmt bei der Vorstellung der Kampagne das Bild der Stadt als „graue Maus zwischen den Ballungsräumen Bonn und Köln“ in den Mund. Und natürlich: Bei Wesseling denkt man zuerst an die Industrie, an die großen Chemiebetriebe, die die Silhouette der Stadt prägen. Diese sind unübersehbar, vor allem wenn man über die A 555 oder mit der Stadtbahnlinie 16 durch Wesseling fährt.

Wesseling sei während und nach dem Zweiten Weltkrieg als Industriestadt entstanden und sukzessive ausgebaut worden, erläutert Esser. „Wir haben mit und durch die Industrie gut gelebt“, fügt er hinzu. Der Bürgermeister ist sich aber auch sicher, dass diejenigen, die mit offenen Augen durch die Stadt gehen, schöne Flecken sehen: etwa den Rheinpark oder das Naturschutzgebiet Entenfang. „Die Menschen fokussieren sich zu sehr auf die Dinge, die sie stören“, meint Lenssen. In Wesseling gebe es so viel „Liebenswertes und Schönes“. Es gelte, das Mantra, Wesseling sei eine graue Industriestadt, durch ein „starkes Heimatgefühl“ zu ersetzen, unterstreicht er. Dafür hat Lenssen unter anderem eine Reihe von 60-sekündigen Imagevideos produziert, die die Facetten der Stadt in bunten Farben zeigen. Ebenso wie die Menschen, darunter die in Wesseling aufgewachsene Hochsprung-Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth. Gleichfalls schöne Fotos finden sich in dem Bildband, der bald im Rathaus zu kaufen sein wird. Darüber hinaus soll es einen Wettbewerb geben, bei dem Wesselinger selbst Videos über ihre Stadt drehen sollen.

Überspannt werden die Aktivitäten zum Erzeugen des Heimatgefühls von dem, was die Marketingleute einen Claim nennen, also ein zentraler Werbespruch. Dazu haben die Verantwortlichen die Phrase #meinWesseling gewählt. Die Raute wird im sozialen Netzwerk Twitter verwendet, um Schlagworte zu markieren, die Aussagen oder Mitteilungen in Beziehung zueinander setzen. Nach Angaben von Wesselings Pressesprecherin Andrea Kanonenberg kann #meinWesseling auch von Vereinen für die eigene Darstellung genutzt werden. „Es gibt auch schon Anfragen“, so Kanonenberg.

Zehn Monate soll die Kampagne dauern, die seit Mai 2018 entwickelt wurde. Und die Kosten? Laut Kanonenberg liegt das Gesamtbudget bei rund 100 000 Euro. Esser sagt, dass es für die Idee der Verwaltung zu der Kampagne einen einstimmigen Ratsbeschluss gebe. Und wie will man den Erfolg messen? Laut Kanonenberg vielleicht über die Klickzahlen und Kommentaren in den sozialen Netzwerken. Es sei schon schwierig, ein Gefühl zu messen, meint Esser. „Dass der Einzelhandel dadurch sprudelt, wäre aber vermessen zu glauben“, fügt er hinzu.

Weitere Informationen zu der Kampagne gibt es auf www.meinwesseling.city

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