Kommentar zu Shell: Neuer alter Schaden

Kommentar zu Shell : Neuer alter Schaden

Die Shell Rheinland Raffinerie hat auf ihrem Wesselinger Werksgelände erhöhte Schadstoff-Werte im Grundwasser gemessen. Bezirksregierung und Unternehmen suchen nach der Ursache.

Hat sich ein alter Schaden im Erdreich ausgebreitet oder liegt ein neuer vor? Das ist eine der Kernfragen, um die es bei den neuesten Meldungen über Bodenverschmutzungen auf dem Gelände der Shell Rheinland Raffinerie in Wesseling geht. Verstörend daran ist: Der alte Schaden ist der Öffentlichkeit ziemlich neu.

Fakt ist, dass offenbar vor mehr als zehn Jahren gesundheitsgefährdende Schadstoffe in Boden und Grundwasser unter der Olefin-Anlage der Raffinerie gelangt sind. Dieser Schaden wurde laut Shell im Jahr 2005 entdeckt, teils saniert und von da an in Kooperation mit dem Rhein-Erft-Kreis überwacht. Bei all dem Wirbel im vergangenen Jahr um das Gutachten zu Sicherheitsmängeln im Unternehmen und zu der Häufung von Störfällen spielte dieser Altschaden aber – zumindest öffentlich – keine Rolle.

Wenn jetzt eher nebenbei laut wird, dass es neben dem Aufsehen erregenden Kerosinsee einen weiteren unterirdischen Schaden gibt, bei dem seit mindestens zehn Jahren Schadstoffe im Boden schlummern, löst das natürlich Empörung aus. Erst recht, wo doch klar ist, dass auch die Sanierung des 2012 entstandenen Kerosinsees mehr als zehn Jahre dauern wird.

Positiv ist, dass Shell jetzt von sich aus die zuständige Behörde über die auffälligen Messwerte informiert hat und auch auf Presseanfragen ausführlich Auskunft gibt. Da ist ein Wandel in der Haltung des Unternehmens schon erkennbar.

Wichtig ist, dass die Unternehmensleitung jetzt nicht nur die Beseitigung der Schäden verlässlich managt, sondern auch in die Zukunft investiert: die Anlagen ausreichend modernisiert und weiter am Sicherheitsmanagement arbeitet. Die Fehler aus der Vergangenheit mit ihren drastischen Auswirkungen auf die Umwelt kann Shell nicht rückgängig machen. Aber das Unternehmen sollte alles tun, um neue Fehler zu vermeiden. Bleibt zu hoffen, dass es das in diesem Fall nicht bereits versäumt hat.

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