Metal-Helden in der Lanxess Arena: Metallica setzen Köln unter Strom

Metal-Helden in der Lanxess Arena : Metallica setzen Köln unter Strom

Darauf haben Metallica-Fans seit Jahren gewartet: Im Rahmen ihrer aktuellen Tournee legten die Metal-Helden einen Zwischenstopp in Köln ein. Mit im Gepäck hatten sie die Songs ihres neuen Albums - und unsterbliche Klassiker.

Falls am Donnerstagabend in Köln-Deutz die ein oder andere Glühbirne geflackert hat, könnte das daran gelegen haben, dass sich alle Energie an diesem Abend auf einen Ort konzentriert hat: die Lanxess-Arena. Denn dort hat die größte Metal-Band des Globus auf ihrer eben diesen umspannenden Tournee zum aktuellen Album „Hardwired…To Self-Destruct“ Halt gemacht. Mit 48 Lkw für die Technik, 83 Scheinwerfern und unzähligen Lautsprechern mit 350.000 Watt Leistung. Macht zusammen 2,5 Megawatt pro Show, mit denen man 1800 Einfamilienhäuser einen Monat versorgen könnte, wie die Musikzeitschrift „Visions“ kürzlich vorgerechnet hat.

Doch was sind schon technische Superlative, wenn Metallica höchstpersönlich ihre komplette musikalische Bandbreite von Anfang der 80er Jahre bis zum aktuellen Album von der Bühne schleudern? Eben.

Wobei das mit Bands, die schon deutlich mehr als 30 Jahre bestehen, so eine Sache ist: Das neue Material ist immer dem Vergleich mit alten Großtaten ausgesetzt. Und so klingt das aktuelle Metallica-Album zwar ein wenig wie der selbstbetitelte, schwarze Megaseller von 1991, muss sich aber den Vorwurf gefallen lassen, ein bloßes Zitat der Vergangenheit zu sein. Doch davon wird noch die Rede sein.

Kvelertak nehmen die Arena in den Würgegriff

Zunächst aber darf die von den Soundtechnikern leider ziemlich zermischte, aber dennoch hervorragende skandinavische Vorband Kvelertak (das ist norwegisch und bedeutet übersetzt "Würgegriff") nicht unerwähnt bleiben, deren Sänger stets oberkörperfrei, dafür aber mit einer ausgestopften Eule auf die Bühne kommt. Der Metal-Punk hat gut der Hälfte der später 18.500 Fans in der Arena schon angedeutet, dass es eine gute Idee ist, die Bühne und dementsprechend auch die Musikanlage zentral zu positionieren. Denn so haben vor allem Metallica die Chance, ihren Sound mit ganzer Wucht in die akustisch schwierige Arena zu pressen.
Metallica in Köln

Und was für eine Wucht! Nach dem ohrenbetäubenden Lärm zum Einmarsch der Band zu Ennio Morricones "The Ecstasy of Gold" steigt diese mit den eher brachialen neuen Stücken „Hardwired“ und „Atlas Rise“ ein. Hätte arte das Konzert übertragen, dann sicher im Rahmen eines Themenabends "Druckwellen" - oder "Hörsturz". Zwar wummert die Bassdrum mehr undefiniert durch das Rund als mit trockenen Schlägen die Magengegend zu massieren, doch die Fans stört das wenig - sie sind spätestens beim dritten Song, dem Klassiker „Seek and Destroy“ auf Betriebstemperatur.

Die Lichtshow ist opulent und wird von rund 50 LCD-Quadern über der Bühne unterstützt, auf denen Videosequenzen und Effekte eingespielt werden. Insgesamt ist das ganze aber einer Metal-Band dieser Größenordnung angemessen und lenkt nicht von der äußerst sauber und voller Spielfreude vorgetragenen Performance ab. Insgesamt krankt das Set in der ersten Hälfte allerdings daran, dass viele neue Songs gespielt werden, die für eher warmen Applaus statt Jubelstürme sorgen.

Alles andere als unauffällig

Ansonsten ist aber alles beim Alten: Sänger James Hetfield, der gewohnt die Vokale etwas zu lange kaut, bevor er sie ausspuckt, gibt breitbeinig den Einpeitscher, der die „Metallica-Family“ beschwört. Drummer Lars Ulrich, kürzlich in seiner Heimat Dänemark zum Ritter geschlagen, besinnt sich auf seine Kernkompetenz, die Maschine gut geölt am Laufen zu halten, während Gitarrist Kirk Hammett virtuos das musikalische Herzstück bildet. Und Robert Trujillo verzichtet am Bass auf all das, was Bassisten so zugeschrieben wird, vor allem: auf Unauffälligkeit. Alle vier tigern über die zentrale Bühne und suchen den Kontakt mit dem Publikum - das hat fast schon Boxring-Charakter.

Als Hetfield dann mit „Dream No More“ den fünften Song des aktuellen Albums ankündigt, richtet er sich ans Publikum: „Sagt uns einfach, wenn er zu heavy ist." Die Nichtreaktion darauf könnte man auch als stille Aufforderung nach dem Motto interpretieren: Spielt endlich die Klassiker!
Aber die sollten noch kommen. „For Whom The Bell Tolls“ muss Hetfield gar nicht selbst singen, so laut hallt es aus Tausenden Kehlen. Gleiches bei “Creeping Death”, “Sad But True” oder “Master Of Puppets”. Die Massen wogen und grölen standesgemäß - endlich.

Stark: Bei „Moth Into Flame“ steigen zig leuchtende Minidrohnen auf, die in Formation als stilisierte Motten über der Band kreisen und dann verglühen. Die Antikriegshymne "One" ist an musikalischer Qualität kaum zu überbieten. Mit „Nothing Else Matters“ und „Enter Sandman“ bringen Metallica die Show dann nach deutlich mehr als zwei Stunden simmungsgeladen nach Hause. Eine Fortsetzung folgt am Samstag, wenn sich die Energie in Deutz ein zweites Mal stark auf einen Punkt konzentriert.

Setlist:

  1. Hardwired
  2. Atlas, Rise!
  3. Seek & Destroy
  4. Through The Never
  5. The Day That Never Comes
  6. Now That We're Dead
  7. Dream No More
  8. For Whom The Bell Tolls
  9. Halo On Fire
  10. Stone Cold Crazy (Queen Cover)
  11. Creeping Death
  12. Moth Into Flame
  13. Sad But True
  14. One
  15. Master Of Puppets
  16. Blackened (Zugabe)
  17. Nothing Else Matters (Zugabe)
  18. Enter Sandman (Zugabe)
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