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Rheinische Redensarten: Mer kann och ene Bär zänke

Rheinische Redensarten : Mer kann och ene Bär zänke

Der General-Anzeiger präsentiert geistvolle und schöne rheinische Redensarten, erklärt, was sie bedeuten, wohner sie stammen und wann sie eingesetzt werden.

Der Rheinländer ist lebenslustig und kommunikativ. Das wissen wir von zahlreichen Alltagsbeispielen. Und er ist meist auch nachsichtig mit seinen Zeitgenossen.

Ist jemand nicht ganz auf der Höhe, dann hilft er schon mal gerne und kompensiert den Mangel. Oder er warnt sein Gegenüber davor, sich zu übernehmen. Um solch einen Fall geht es bei der rheinischen Redensart „Mer kann och ene Bär zänke“. Für Westfalen dürfte das einigermaßen gut zu verstehen sein. Der Satz enthält keine extremen Mundartbegriffe. Das Verständnis könnte maximal am übergeordneten Sinn scheitern, denn die Redewendung ist typisch rheinisch gedacht. Sie lautet: Man kann auch einen Bären zanken. Wobei zanken am besten mit „provozieren“ übersetzt wird.

Dieser Satz ist eine lupenreine Warnung. So nach dem Motto: Sie verlassen jetzt den friedlichen Sektor. Ab hier ist Kampfgebiet. Vornehm ausgedrückt, könnte man sinngemäß sagen: Wenn Du mich jetzt provoziertest, dann wären die Folgen für Dich nicht absehbar. Denn die Indianer unter uns wissen, dass man einen Bär nicht zankt. Das kann im schlimmsten Falle tödliche Folgen haben, wenigstens aber ziemlich weh tun. Im Kino ist das nie eindrucksvoller ins Bild gesetzt worden als im Hollywoodstreifen „The Revenant“ mit Leonardo Di Caprio. Trapper trifft Bärenmutter – Trapper verliert seine Unversehrtheit.

Aber so dramatisch muss man ja gar nicht denken. Wenn sich zwei Fente – also heranwachsende Jungen – auf der Straße treffen und sich anschicken, ihre überschüssigen Kräfte in irgendeiner gesellschaftlich weniger akzeptierten Weise zu messen, dann kann so ein Satz schon mal fallen. Meistens ist der Hinweis auf den gezankten Bären ein dezenter Fingerzeig, dass man dem anderen kampftechnisch weit überlegen ist. Das kann sich in der Muskelmasse manifestieren oder in einer bestimmten ausgefeilten Technik. Wer beispielsweise eine Kampfsportart wie Judo betreibt, ist im Falle einer Provokation verpflichtet anzuzeigen: Ich kann Judo. Daraus hat sich übrigens die verjuxte Warnung entwickelt: Pass op, isch kann Mikado. Da zittert man doch gleich vor Angst.

Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de