Haft für halbes Jahr ausgesetzt: Kölner Geiselnehmer in Fachklinik verlegt

Haft für halbes Jahr ausgesetzt : Kölner Geiselnehmer in Fachklinik verlegt

Bei der Festnahme im Fall der Kölner Geiselnahme im Oktober 2018 wurde der Tatverdächtige schwer verletzt, derzeit ist er verhandlungsunfähig. Inzwischen wird er in einer Fachklinik ohne Bewachung behandelt, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte.

Der Tatverdächtige im Fall der Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof im Oktober 2018 wurde in eine neurologische Fachklinik überführt und seine Haft nach einer Beschwerde des Verteidigers ausgesetzt, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln auf GA-Anfrage. Derzeit sei der 55-Jährige nicht verhandlungsfähig.

Die Behandlung solle dies ändern, in sechs Monaten würde man seine Verfassung erneut prüfen. Da die Untersuchungshaft ausgesetzt wurde, sei es auch nur logisch, dass der mutmaßliche Geiselnehmer nicht bewacht würde, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Aus Sicht der Richter "bestehen derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass von dem Beschuldigten eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehen könnte".

Geiselnahme: Apotheker-Helferin stundenlang festgehalten

Der 55-Jährige soll am 15. Oktober in eine "McDonald's"-Filiale am Breslauer Platz gestürmt sein und Brandsätze geworfen haben. Eine 14-Jährige wurde bei dem Angriff schwer verletzt. Danach soll der 55-Jährige eine Helferin in einer nahen Apotheke als Geisel genommen haben. Bevor er sein Opfer anzünden konnte, griffen Spezialeinsatzkräfte ein und trafen ihn mit sechs Schüssen, einer davon am Kopf.

Nach einer erfolgreichen Reanimation wurde der Mann temporär in der Kölner Uniklinik behandelt, schließlich landete er im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg. Er sei "vollständig pflegebedürftig und nicht in der Lage, sich selbstständig fortzubewegen", teilte das Gericht bei der Aussetzung des Haftbefehls mit. Auch sei er nicht verhandlungsfähig. Ärzte hielten es jedoch für möglich, dass sich sein Zustand durch eine Behandlung so stark verbessern würde, dass er anschließend doch vor Gericht gestellt werden könne. Gegen den Flüchtling aus Syrien wird wegen versuchten Mordes in zwei Fällen, gefährlicher Körperverletzung und Geiselnahme ermittelt.

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