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"African Angels": Jenseits von Afrika

"African Angels" : Jenseits von Afrika

Die Show "African Angels" eröffnet das 27. Sommerfestival in der Kölner Philharmonie.

Oje. Die machen ernst. Irgendwie hat man ja gehofft, es würde leichter sein. Aber da stehen sie. Neun Frauen und neun Männer. Komplett gewandet in Schwarz. Schulter an Schulter. Und sie singen Verdi. Wenn ein Ensemble, das "Cape Town Opera Chorus" heißt, dergleichen tut, hegt man Befürchtungen. Müssen wir jetzt andachtsvoll sein? Seriös? Oder womöglich betroffen? Weil dieser Chor aus Südafrika kommt, aus einem Land, in dem bis 1994 Apartheid herrschte - die strikte Trennung zwischen schwarzen und weißen Menschen.

17 Menschen im Chor sind schwarz. Ein Mensch im Chor ist weiß. Sie singen wie die Engel. Alle zusammen. Und so heißt auch ihre Show, die am Freitagabend das 27. Sommerfestival in der Kölner eröffnete: "African Angels". Dabei sein zu dürfen ist eine wahre Wonne.

Auch wenn man zuvor gelesen hat, dass die Kapstädter 2013 als bester Opernchor des Jahres ausgezeichnet wurden - den kristallklaren Sopranstimmen, den samtig-dunklen Altistinnen, den vibrierenden Tenören und den sonoren Baritonsängern live zu lauschen, hat eine ganz, ganz andere Qualität. Das macht Gänsehaut. Von oben bis unten.

Obwohl solche funkelnden Glanz- und Glitzerstücke aus Opern wie Giuseppe Verdis "Der Troubadour", Georges Bizets "Carmen" oder Charles Gonouds "Faust" - jenseits von Afrika - zum festen Repertoire gehören, ist der Chor mittendrin. In der Geschichte eines Landes, das durchaus eine eigene Tradition hatte, bevor die Kolonialmächte es in Besitz und unter ihre Herrschaft nahmen.

Im Programm finden zärtliche Wiegenlieder der Zulu ebenso Platz wie Gospels, die mit den charakteristischen Klicklauten der Xhosa neu arrangiert werden. Dazwischen ehren die Sänger - was fast unverzichtbar ist - Nelson Mandela, zitieren Miriam Makeba oder covern Simon & Garfunkles "Homeward Bound". Wobei Letzteres nicht ursprünglich aus Südafrika kommt, aber in Worte fasst, was das einst so zerrissene Land heute eint: "Home, where my thought's escaping, / Home, where my music's playing, / Home, where my love life's waiting."

Zu Hause ist man dort, wo die Gedanken entkommen können, dort, wo man meine Musik spielt und dort, wo meine Liebe auf mich wartet. Dass die Akteure allesamt fähige Solisten sind, macht das Vergnügen nur umso größer. Und deren Art, die große Kunst mit einem charmanten Lächeln auf die ganz leichte Schulter zu nehmen. Oja. Die machen ernst. Aber dabei hat sogar Verdi einen hohen Spaßfaktor. Und wenn am Ende das "Hallelujah-Medley" erklingt, dann geht Georg Friedrich Händel ganz friedlich eine Allianz mit Leonard Cohen ein. Oder mit jedem anderen Komponisten dieser Welt, dem es jemals ein Bedürfnis war, Gott zu preisen. Riesenapplaus.