Mit ausgefeilter Grandezza: Jack Savoretti gastiert in der Live Music Hall in Köln

Mit ausgefeilter Grandezza : Jack Savoretti gastiert in der Live Music Hall in Köln

Jack Savoretti gastiert am 15. Mai in der Live Music Hall in Köln. Dann präsentiert er auch sein neues Album "Candlelight".

Das Annabel's am Berkeley Square mitten in London ist eine außergewöhnlich feine Adresse. Auf vier Etagen des Nachtclubs gibt sich die High Society der Hauptstadt seit den 60er Jahren ihren Vergnügungen hin. Auch die Mum von Jack Savoretti (35), deren Mutter aus Leipzig stammt, verlustierte sich in den Swinging Sixties in diesem Etablissement. "Sie ging hier ein und aus", sagt der Musiker, und man sieht ihm den Stolz an, nun genau hier sein neues Album "Singing To Strangers" vor Freunden und Medien präsentieren zu dürfen.

"Ich wollte die neuen Lieder nicht in einem herkömmlichen Rockclub vorstellen", sagt er, "denn für mich strahlen sie genau jene Romantik, Erotik und Poesie aus, die ich auch in einem Club wie dem Annabel's spüre." Denn es sei kein Album über die Vorzüge und Handlungsweisen der Jugend, sondern eines, "dessen Komponist und Interpret stilistisch damit arbeitet, dass er ein erwachsener Mann ist".

Savoretti, der als Sohn eines in Genua geborenen Vaters und seiner polnisch-deutschen Mutter in London zur Welt kam, hat auf seinem sechsten Album noch einmal einen Entwicklungssprung vollzogen. Aufgewachsen in einem Internat in der Schweiz spielt Jack Gitarre, seit er 16 ist, und noch länger schon schreibt er Gedichte und kleine Texte. Nach der Schule nahm er ein Filmstudium auf, erst in Los Angeles, dann in London.

"Aber ich merkte, dass mich die Musik am meisten interessiert." Mit Auftritten in Cafés spielte er sich auf den Radar der Londoner Musikwelt, das erste Album erschien vor zwölf Jahren. "Ich wollte meinen eigenen Weg einschlagen, nicht zu elitär klingen, aber auch kein kommerzieller Popstar werden."

Anfangs lief es ganz gut, dann nicht mehr so, seit dem vierten Album ist Savoretti wieder im Aufwind. "Mit den Jahren habe ich gemerkt, dass man den Zirkus nicht mitspielen muss, um ein Publikum zu finden. Durch das Internet ist es leichter geworden, die eigenen Vorstellungen ohne Einflüsterungen von außen durchzubringen."

Das Album sei "sophisticated", sagt Jack, also "kultiviert, raffiniert, anspruchsvoll." Die Lieder sind reichhaltig instrumentiert und auch orchestriert. "Ich wollte wegkommen vom Klangbild und Image des Singer-Songwriters", so Savoretti. "Ich sehe mich nicht als den Knaben mit der Gitarre, sondern eifere eher dem musikalischen Ausdruck von Jacques Brel oder Serge Gainsbourg nach. Ich wollte mich als glamouröser Geschichtenerzähler präsentieren und mich wirklich auch auf ein gutes Handwerk stützen. Diese Lieder sollen nicht in Jeans nach draußen geschickt werden, sondern in Anzug und Krawatte."

Und so klingt "Candlelight" gleich mal wie ein klassischer Popsong mit James-Bond-Titelsong-Potential, auch "What More Can I Do" oder "Better Off Without Me" überzeugen mit einer ausgefeilten Grandezza, wie sie direkt aus einem alten Fellini-Film entstammen könnte.

"Ganz bewusst sind wir zum Aufnehmen nach Rom gegangen", schwärmt Savoretti vom Sommer 2018, den er zum Teil in jenen ehrwürdigen, im Keller einer alten Kirche untergebrachten Forum Studios verbrachte, deren Gründer und Mitbesitzer ein gewisser Ennio Morricone ist. "Dying For Your Love" ist klanglich bewusst wie eine Hommage an dessen Spaghetti-Western-Soundtracks ausstaffiert worden. "Ich wollte zurück zu meinen Wurzeln", erklärt der Halbitaliener, der kürzlich mit Frau und zwei Kindern aufs Land gezogen ist, zwei Autostunden weit weg von London.

Info: Jack Savoretti, Köln, Live Music Hall, 15. Mai, 20 Uhr; Karten über www.ga-bonn.de/tickets