Gespräch am Wochenende mit Inka Helbach: „Islandpferde sind total lieb, aber auch spritzig“

Gespräch am Wochenende mit Inka Helbach : „Islandpferde sind total lieb, aber auch spritzig“

Swisttal-Buschhoven. Seit 43 Jahren fördert die Reitsportvereinigung Kottenforst (RSVK) Islandpferde und klärt über deren Haltung, Zucht und Ausbildung auf. Die robusten Kleinpferde können sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern geritten werden und verfügen neben Schritt, Trab und Galopp genetisch bedingt noch über die Gangarten Tölt und Pass. Deshalb gibt es Turniere nur für Islandpferde, die die RSVK seit über 20 Jahren in Buschhoven veranstaltet - so auch am Wochenene 27./28. August. Freizeitwartin und Pressesprecherin des Vereins Inka Helbach besitzt selbst zwei Islandpferde.

Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem Turnier?

Inka Helbach: Die Zuschauer erwartet so Einiges. Verschiedene Prüfungen rund ums Islandpferd, leckeres Essen, das frisch zubereitet wird, tolle Verkaufsstände für Pferd und Hund. Darüber hinaus wird noch ein Hunderennen stattfinden. Besonders sehenswert ist der Aufmarsch aller Teilnehmer am Sonntagmittag.

Was kann man sich unter den Prüfungen vorstellen?

Helbach: Es sind Viergang-Prüfungen. Der Schritt, Trab, Galopp und der Tölt werden bewertet. Dann gibt es noch den Fünfgang mit Schritt, Trab, Tölt, Pass und dem Galopp, oder nur die einfachen Tölt-Prüfungen, darüberhinaus noch Dressurprüfungen. Viel Stimmung bereitet im Publikum die Spaßprüfung Kottenforster Dreierlei während der Mittagspause.

Können Sie kurz erklären, was Tölt und Pass bedeuten?

Helbach: Der Tölt ist eine vierte Gangart des Islandpferdes und einiger weniger anderer Rassen. Beim Tölt hat der Reiter kaum oder keine Rotation im Sattel. Der Tölt ist ein Viertakter. Es ist wie beim Pass eine Schwebephase eingebaut, nur, dass über einen guten Passgang nur sehr wenige Pferde verfügen.

Es sind also sehr weiche und angenehme Gangarten?

Helbach: Ja, richtig. Und für den Reiter sehr angenehm.

Inwiefern sind die Schritte beim Tölt und Pass anders als beim bekannten Galopp?

Helbach: Der Tölt ist dem Schritt ähnlich, wird wie oben schon erwähnt in acht Phasen gegangen: Links vorne, rechts hinten, rechts vorne, links hinten. Es gibt keine Schwebephase. So ist immer Bodenkontakt. Der Tölt ist eine gelaufene Gangart, die von der Geschwindigkeit so langsam wie Schritt und so schnell wie Galopp geritten werden kann. Der (Renn-) Pass ist ein Zweitakter. Das heißt, die gleichen Beinpaare werden abgefußt und im Renntempo geritten.

Worauf achten die Juroren?

Helbach: Bei der Dressur (Kür) wird auf die Perfektion geachtet: Sitz, Einwirkung auf das Pferd und Sauberkeit der Bahnfiguren. Bei den anderen Prüfungen spielt der Takt eine entscheidene Rolle.

Was ist an Islandpferden besonders. Warum geht es bei dem Turnier gerade um sie?

Helbach: Die Pferde sind sehr sozial. Sie sind nicht so groß und auch sehr robust. Was auch sehr schön ist, ist dass sie naturnah im Offenstall oder nur auf der Weide gehalten werden und zwar in Gruppen, anders als bei anderen Rassen. Es gibt Pferde, die nur in der Box stehen. Das ist bei unseren Islandpferden nicht der Fall, sie werden sozialisiert und in Gruppen gehalten. Sie haben einen tollen Charakter, sind total lieb, aber eben auch spritzig. Es ist wirklich eine Rasse für jedermann, und das stellen sie bei unseren Turnieren unter Beweis. Nicht nur die Erwachsenen werden die Prüfungen reiten, auch für Kinder und Jugendliche gibt es extra Prüfungen. Einige unserer Jugendlichen Reiter sind auch erfolgreich im Kader, und das macht unseren Verein sehr stolz.

Die Pferde sind das ganze Jahr draußen?

Helbach: Richtig, auch im Winter. Dann kriegen sie sehr kuschliges Fell (lacht).

Wie oft haben Sie Turniere dieser Art organisiert, und was bedeutet es für den Verein, so ein Turnier auf die Beine zu stellen?

Helbach: Seit über 20 Jahren stellt der Verein das Turnier auf die Beine. Es erfüllt uns immer mit Stolz, da unsere Startplätze sehr begehrt sind. Wir vom Vorstand sind in jedem Jahr immer sehr begeistert und aktiv. Es werden die Prüfungen rausgesucht, Sponsoren gesucht, der Platz noch mal gründlich gereinigt und vieles mehr. Es ist wirklich viel Arbeit, aber es macht jedem einzelnen von uns extrem viel Spaß.

Wie wird es finanziert? Gibt es einen Eintrittspreis?

Helbach: Nein. Wir finanzieren uns über die Nenngelder und Sponsoren.

Wie viele Besucher erwarten Sie für das Turnier?

Helbach: Für das Turnier erwarten wir über 500 Besucher, bei gutem Wetter, wie es jetzt vorausgesagt ist, auch mehr.

Und wie viele Reiter werden an dem Turnier teilnehmen?

Helbach: 130 Starter sind es ungefähr, die zum Teil aus unseren eigenen Reihen kommen, weil wir auch mit der größte Verein für Islandpferde hier in der Region sind. Einige kommen aber auch von außerhalb. Das geht bis zur belgischen, luxemburgischen Grenze. Der ein oder andere kommt auch aus dem Ausland.

Machen Sie selbst auch mit?

Helbach: Ja, ich bin bei ein oder zwei kleinen Prüfungen dabei.

Warum und wie lange begeistern Sie selbst sich für diese Pferde?

Helbach: Schon seit meiner Kindheit. Wie es wohl bei den meisten ist, fängt man klein an. Ich habe aber relativ spät angefangen mit dem Reiten – mit 15 Jahren – als ich mit Zeitungsaustragen und Regale einräumen mein eigenes Geld verdient habe. Davon habe ich meine ersten Reitstunden bezahlt, und zufällig kam ich dann zum Islandpferd. Ich reite jetzt seit über 15 Jahren.

Was macht Ihnen so viel Spaß am Reiten?

Helbach: Ich mag die Natur und mar es bei Wind und Wetter draußen zu sein. Und die Verbindung mit dem Pferd, ein Team zu sein, liebe ich einfach.

Das Turnier für Islandpferde des RSVK findet am Samstag und Sonntag, 27. und 28. August, auf der Reitsportanlage der Reitsportvereinigung Kottenforst (RSVK) in Swisttal-Buschhoven direkt an der B 56 statt. Beginn ist an beiden Tagen ab 8 Uhr, die Prüfungen beginnen um 9 Uhr. Der Eintritt ist frei. Parkmöglichkeiten gibt es direkt vor Ort .