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Rheinische Redensarten: Isch schlach dir en Trepp en dä Hals

Rheinische Redensarten : Isch schlach dir en Trepp en dä Hals

Wir stellen schöne rheinische Redensarten vor und erläutern, was sie bedeuten, wann sie eingesetzt werden und mit welchen Erinnerungen sie verknüpft sind.

Eigentlich ist der Rheinländer, und nicht zu vergessen: die Rheinländerin, ein friedlicher Mensch. Er hat die Ruhe, über so manches hinwegzusehen, was anderen Landsleuten vielleicht schon eher innerlichen Aufruhr bereitet. Aber selbstverständlich kann er auch anders. Denn wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, vielleicht allzu sehr gegängelt oder einfach übertölpelt, dann kann er doch ziemlich fuchsig werden.

Das hat mit diesem klaren Selbstbewusstsein zu tun, dass er schon weiß, was er macht und vor allem, was richtig ist. Denn letzteres ist nicht eine persönliche Ansichtssache. Vielmehr ist die Welt von Gotteshand wohlgeordnet und diese Ordnung muss zwar nicht immer und überall hundertprozentig durchgesetzt werden, aber man weiß schon, was wohin gehört und vor allem was sich gehört.

Wenn dann also die Situation da ist, dass jemand dieses Hintergrundwissen nicht hat und allzu forsch über solch eherne Grundwahrheiten hinweg geht, dann kann schon mal diese rheinische Redensart zum Einsatz kommen: „Isch schlach dir en Trepp en dä Hals.“ Das ist zugegebenermaßen eine ziemlich bildliche Formulierung, wofür der Rheinländer an sich ja auch durchaus bekannt ist. Und sie wird noch von einer geringschätzigen Betonung begleitet, ja unterstrichen. Zu gut Hochdeutsch würde es heißen: Ich schlage Dir eine Treppe in den Hals! Wobei das ohne die Phrasierung ganz hinten aus dem Rachen heraus keineswegs das Gleiche ist.

Inhaltlich muss man sagen. Da hat schon jemand sehr große Sorgen bezüglich der Interaktion mit seinem Gegenüber. Ihm reicht es nicht, dem Kontrahenten einen Klaps oder vielleicht einen leichten Schlag mitzugeben, um sich für irgendeine Verfehlung zu revanchieren. Nein, er beabsichtigt so zuzuschlagen, dass sich der Hals des anderen unwillkürlich zu einer Treppe formt. Das ist ja fast schon mehr ein Versprechen als eine Drohung. Man hat es zwar vor Augen, aber man kann es trotzdem nicht wirklich glauben, dass so etwas möglich sein könnte.

Aber dennoch darf man an dieser Stelle weiter unbesorgt bleiben, denn wie sagt man so schön. Hunde, die bellen, beißen nicht. Der Satz ist eher ein symbolischer Akt, der besagt: Pass auf, mir ist es bitter ernst. Du bist da irgendwie vom Pfad der Tugend abgekommen. Und du solltest jetzt sehr bald dorthin zurückkehren. Und meistens hat es noch immer geklappt.

Der General-Anzeiger und die Etition Lempertz haben die neuen Kolumnen unter dem Titel „Rheinisch für Fortgeschrittene – Handbuch der Rheinisch“ veröffentlicht. Das Buch ist im Handel erhältlich. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga-bonn.de.