Ärzteversorgung in der Region: Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es 22 freie Plätze für Hausärzte

Ärzteversorgung in der Region : Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es 22 freie Plätze für Hausärzte

Während Bad Honnef, Bonn, Alfter und Wachtberg mit Hausärzten überversorgt sind, bleiben vor allem in Hennef und Niederkassel Stellen offen.

22 vakante Sitze für Hausärzte gab es zum Stichtag 1. Januar 2017 im Rhein-Sieg-Kreis. Von einem Ärztemangel kann gemäß der Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein angesichts eines Versorgungsgrads von 104,7 Prozent zwar nicht die Rede sein. Allerdings ergibt sich für die Region ein recht unterschiedliches Bild.

Während Bad Honnef und der sogenannte Mittelbereich Bonn, zu dem auch Alfter und Wachtberg gehören, sogar überversorgt sind, waren im Rechtsrheinischen zu Jahresbeginn sehr wohl noch freie Sitze zu vergeben, die meisten in Hennef mit Ruppichteroth (7), fünf in Niederkassel sowie jeweils 4,5 in Sankt Augustin und im Mittelbereich Siegburg/Lohmar mit Much und Neunkirchen-Seelscheid.

Der rechnerische Bedarf liegt bei einem Hausarzt je 1671 Einwohner

„Die gesetzliche Bedarfsplanung ist die entscheidende Größe bei der Frage, wie viele Hausärzte sich in bestimmten Regionen niederlassen dürfen“, erklärt Heiko Schmitz, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO). Als Richtwert gelte dabei der Bedarf von einem Hausarzt je 1671 Einwohner. Die jüngste Bedarfsplanung stammt von Oktober 2016 (siehe Grafik), die Zahlen zum Stichtag 1. Januar 2017 werden laut Schmitz erst im Juni amtlich.

Nach der zuletzt gültigen Bedarfsplanung besteht im Mittelbereich Bonn mit Alfter und Wachtberg sowie in Bad Honnef eine Zulassungssperre für Hausärzte, da der Versorgungsgrad über 110 Prozent beträgt. Das heißt, hier dürfen sich keine weiteren Allgemeinmediziner niederlassen. Es bleibt nur die Übernahme bestehender Praxen, etwa wenn ein Hausarzt in den Ruhestand geht.

Vorgebirge und Voreifel sind gut versorgt

Auch in den linksrheinischen Bereichen Bornheim und Rheinbach mit Swisttal und Meckenheim ist die Versorgung laut KVNO als gut zu bezeichnen: In der Voreifel ist nur noch eine halbe Stelle zu vergeben. In Bornheim sind gemäß der Planung noch zwei Sitze frei. Wie Schmitz ergänzt, sind diese seit Jahresbeginn 2017 jedoch ebenfalls auf 0,5 geschrumpft.

Ein anderes Bild zeigt sich in Teilen des rechtsrheinischen Kreises, wo der Versorgungsgrad teils unter 100 Prozent liegt: So in Niederkassel (92,3), Sankt Augustin (94,5), Hennef (89,6) und Siegburg/Lohmar (99,9). Der Versorgungsgrad bilde allerdings primär ein formales Kriterium, gibt Schmitz zu bedenken: „Innerhalb der Bereiche kann sich die Situation unterschiedlich darstellen. In der Regel wird die 'gefühlte' Versorgung umso besser empfunden, desto näher der nächste Hausarzt ist.“

Wirtschaftsförderung hat Nachfolge im Blick

Das dürfte insbesondere bei groß gefassten Bereichen wie Siegburg/Lohmar und Hennef mit Ruppichteroth eine Rolle spielen. Auch Alfter wird dem großen Bereich Bonn zugerechnet. Markus Jüris, Leiter des Alfterer Sozialamts sieht aber keinen Mangel: „Nach meinem Dafürhalten sind wir gut versorgt. Wir haben derzeit acht Hausärzte, die fast paritätisch auf die Ortsteile verteilt sind.“ Allerdings seien kein Augen-, kein Kinderarzt und kein Orthopäde in Alfter vertreten. „Aber durch die Nähe zu Bonn ist das machbar.“

Wegen der Zulassungssperre habe die Gemeinde ein Auge darauf, dass die Nachfolge geregelt werde, wenn ein Arzt ausscheide, ergänzt Ursula Schüller von der Wirtschaftsförderung: Wenn eine Praxis erst schließe, bestehe die Gefahr, dass keine Neueröffnung genehmigt werde.

In Bornheim sei die Wirtschaftsförderung ebenfalls bemüht, Versorgungslücken zu schließen, sagt Bürgermeister Wolfgang Henseler. Die Stadt habe des Öfteren schon Kontakt zur KVNO aufgenommen, um Bedarfe zu verdeutlichen, vor allem wenn es um Fachärzte gehe.

Kreisgesundheitsamt sieht keine unterversorgten Regionen

Bei der Hausarztversorgung sieht man derzeit beim Rhein-Sieg-Kreis keine Notstände. „Wir können nicht sagen, dass es unterversorgte Regionen gibt, insbesondere linksrheinisch nicht“, sagt der Leiter des Kreisgesundheitsamts Rainer Meilicke. Allerdings sei das Gesundheitsamt auch nur „Beobachter“. Zuständig für die Versorgung seien die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen, betont Kreisgesundheitsdezernent Michael Jaeger: „Wir haben keine Handlungsoptionen, aber kommunikativ können wir etwas bewegen, indem wir etwa bei bestimmten Fehlentwicklungen Aufmerksamkeit erregen.“

Eine Schwierigkeit im östlichen Kreisgebiet sei, beispielsweise in Windeck oder Hennef, dass es oft viele kleine Weiler und somit „zersiedelte Bereiche“ gebe. Die Ärzte ziehe es aber vor allem ins Hennefer Zentrum, da sie hier auch auf „junge Laufkundschaft“ hoffen könnten.

Künftig könnte die Versorgungsdichte allerdings dünner werden

In Zusammenarbeit mit der Uniklinik Bonn biete der Kreis einmal im Jahr einen „Landtag“ für den Ärztenachwuchs an. Nachdem dieser drei Mal in Windeck, Eitorf und Much stattfand, sei er nun im Juni linksrheinisch, in Rheinbach, zu Gast. Mit Unterstützung, etwa bei der Suche nach der passenden Immobilie oder dem Kitaplatz fürs Kind, und mit Informationen zum kulturellen Angebot sollen die jungen Mediziner zur Ansiedlung bewegt werden. „Das ist ein Bewerbermarkt. Die jungen Ärzte müssen Sie mit dem Lasso einfangen“, betont Jaeger.

Und das vor allem mit Blick auf die Zukunft: Das Durchschnittsalter der Hausärzte im Bereich der KVNO liege bei etwa 55 Jahren, so Schmitz. „Nach unseren Berechnungen müssten bis zum Jahr 2030 im Rheinland rund 5000 Hausärzte neu gewonnen werden, um das Versorgungsniveau von heute zu erhalten.“ Aber: „Im Vergleich zu vielen ländlicheren Kommunen, etwa in der Eifel oder am linken Niederrhein, hat vor allem der linksrheinische Rhein-Sieg-Kreis durch die Nähe und Anbindung zu den Ballungsräumen Köln und Bonn im Wettbewerb um junge Ärzte gute Karten.“

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