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Ikea in Köln-Godorf: Konzern kündigt nach langen Schlangen Prüfung des eigenen Sicherheitskonzepts an

Lange Schlangen vor Filiale in Köln Godorf : Ikea kündigt Prüfung des eigenen Sicherheitskonzepts an

Am Samstag kam es zu langen Warteschlangen vor der Ikea-Filiale in Köln-Godorf. Das war offenbar kein Einzelfall, auch vor anderen Filialen kam es zu Menschenschlangen. Das Unternehmen will darauf reagieren.

Vor einer Woche gaben sich die Verbände von Möbelindustrie und Möbelhandel selbstbewusst: Die generelle Öffnung von Möbelhäusern habe in NRW zu „keinerlei Komplikationen geführt“, frohlockten sie. Gerade auf der Großfläche halte sich die Kundenfrequenz in einem sehr angemessenen Rahmen. Andere Bundesländer, so die Botschaft, sollten sich ein Beispiel an NRW nehmen – und Möbelhäuser ebenfalls ohne Flächenbegrenzung wiedereröffnen.

Severin Tatarczyk hat andere Erfahrungen gemacht. Am Samstag wollte der Bonner „kurz beim Ikea in Köln-Godorf vorbei“. Doch diese Idee hatten offenbar auch schon andere. Vor dem Eingang hatten sich lange Schlangen gebildet, ein Mitarbeiter habe ihm gesagt, dass man zwei Stunden Wartezeit einplanen müsse, erzählt Tatarczyk: „Abstandhalten war gar nicht möglich, es war ein riesengroßes Chaos.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">OK, <a href="https://twitter.com/hashtag/IKEA?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#IKEA</a> spare ich mir dann mal... <a href="https://t.co/vRZPspFTmR">pic.twitter.com/vRZPspFTmR</a></p>&mdash; severin tatarczyk (@stagerbn) <a href="https://twitter.com/stagerbn/status/1256578301101060101?ref_src=twsrc%5Etfw">May 2, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Offenbar kein Einzelfall: Eine Ikea-Sprecherin bestätigte, dass sich am Samstag vor einigen Häusern in NRW zeitweise Warteschlagen gebildet hätten. Die Wartezeit in Köln bezifferte sie mit 30 bis 60 Minuten. In Düsseldorf-Reisholz war der Andrang so groß, dass Parkwächter das Gelände immer wieder abriegeln mussten. Zeitweise bildete sich ein Rückstau bis auf die Autobahn 46.

Die Ikea-Sprecherin begründete die Schlangen auch mit den strengen Zugangsbeschränkungen. „Wir begrenzen die maximale Anzahl von Personen, die sich zur gleichen Zeit auf der Verkaufsfläche aufhalten dürfen, auf eine Person pro 20 Quadratmeter.“ Je nach Haus würden dadurch 400 bis 650 Kunden gleichzeitig eingelassen. Mit regelmäßigen Durchsagen würde man Kunden zusätzlich immer wieder darauf hinweisen, dass der Sicherheitsabstand unbedingt einzuhalten sei. „Wir werden selbstverständlich prüfen, ob wir Anpassungen am Sicherheitskonzept für die Situation außerhalb der Häuser vornehmen können.“

Ein Sprecher der Stadt Köln teilte auf Anfrage des GA mit: „Die Verantwortung für das Einhalten von Sicherheitsabständen vor den Eingängen und auf ihrem Gelände liegt bei den Handelshäusern. Diese haben mit eigenem oder beauftragtem Personal für die Einhaltung der Regeln zu sorgen, die in der Coronaschutzverordnung des Landes NRW aufgeführt sind.“ Sollte dies nicht geschehen, würde man „auch mit Nachdruck“ auf deren Verpflichtung hinweisen.

Der Sprecher nahm jedoch auch die Kunden in die Pflicht. „Es gibt allerdings auch eine Verantwortung der Menschen, die in den Schlangen stehen, ihrerseits für den notwendigen Abstand zu sorgen.“ Sollten die Regeln weiterhin nicht eingehalten werden, könne dies auch eine Schließung der Häuser zur Konsequenz haben.

Der Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM) hatte seine Forderungen nach weiteren Öffnungen am Wochenende hingegen nochmal erneuert. „Auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland brauchen wir dringend weitere flächenunabhängige Öffnungen im Möbelhandel“, sagte VDM-Geschäftsführer Jan Kurth. Die ersten zwei Öffnungswochen des Möbelhandels in NRW haben laut dem Verband zwar neue Aufträge für die Hersteller gebracht, ein Bundesland alleine könne die historischen Einbrüche der Möbelindustrie von bislang mehr als 25 Prozent nicht im Ansatz kompensieren.

NRW hatte am 16. April die vollständige Öffnung von Möbelhäusern und Babyfachmärkten ab dem darauf folgenden Montag beschlossen – und ging damit einen Sonderweg. Ministerpräsident Armin Laschet soll dies in einer Konferenz des CDU-Präsidiums damit begründet haben, dass NRW das Land der Küchenbauer sei. Ikea, das im Bundesland elf Filialen betreibt, hatte damals angekündigt, nicht sofort zu öffnen, um zunächst Vorkehrungen für den Gesundheitsschutz zu treffen.