WELTTAG DES BUCHES: „Ich bin mit den drei ??? aufgewachsen“

WELTTAG DES BUCHES : „Ich bin mit den drei ??? aufgewachsen“

Eine heiße Milch mit Honig, die neueste Folge der Detektivserie „Die drei ???“ und die Krankheit war passé. Seit fast vier Jahrzehnten genießen sie Kultstatus. Christoph Dittert ist Autor der „drei ???“ und am heutigen Welttag des Buches in Rheinbach beim Lesefest zu Gast.

Wer etwa Baujahr 1973 ist, wie ich, schätzt Schallplatten mit knisternder Musik und die Kassetten der drei ???. Sie dürfen erfinden, was den Dreien widerfährt. Wie steinig ist der Weg nach Rocky Beach?
Christoph Dittert: Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Zunächst ging es mir genau wie Ihnen: Ich bin Baujahr 1974 und selbst mit den drei ??? aufgewachsen. Seit 16 Jahren bin ich Autor, seit elf Jahren im Hauptberuf, und bei den drei ??? seit sechs Jahren dabei. Das heißt: Als ich mich beim Verlag bewarb, habe ich niemanden gekannt, hatte aber schon etliche Veröffentlichungen – vor allem bei der Science-Fiction-Serie Perry Rhodan. Ich habe den Verlag angemailt – über die E-Mail-Adresse, die man im Netz sehen kann.

So einfach geht das?
Dittert: Ich habe gesagt: Ich würde es gern mal versuchen. Und die Antwort hieß: Versuchen Sie's mal. Offenbar hat es den Leuten gefallen. Ich durfte einen Roman schreiben. Dann hat der Verlag diesen veröffentlicht.

Wie ist es mit den Fans? Welche Wertschätzung bringen die Ihnen entgegen?
Dittert: Eine riesige. Wenn ich Veranstaltungen gebe, lese ich überwiegend in Schulen. Kinder sind das eigentliche Zielpublikum der drei ???. Bei einer Lesung wie in Rheinbach werden auch Erwachsene da sein. Das mache ich immer gern. Die Wertschätzung ist eigentlich immer da. Die Leute sind begeistert von der Marke, vom Phänomen drei ???.

Wie ist denn das Phänomen „Die drei ???“ erklärbar?
Dittert: Das ist eine gute Frage, auf die ich keine einfache Antwort habe. Für viele – wie uns beide – ist es so, dass wir damit aufgewachsen sind. Das Faszinierende ist aber, dass immer wieder neue Jahrgänge nachwachsen, die die Bücher lesen oder die Hörspiele hören. Wir haben ein gigantisches Erwachsenenpublikum bei den Hörspielen. Ich würde wetten, dass am Samstag von 100 erwachsenen Zuhörern 90 wegen der Hörspiele da sind. Bei den Kindern sieht das ganz anders aus. Warum es so lange Kult ist, der am Leben bleibt, ist für mich auch ein Phänomen.

Wie finden Sie Ideen, um immer neue Bösewichte zu entwickeln und Orte zu finden, an denen Justus, Peter und Bob ermitteln?
Dittert: Ich nehme die Ideen aus dem Alltag. Wenn ich etwas erlebe, was mich beeindruckt, versuche ich das früher oder später umzusetzen. Manchmal stoße ich bei der Recherche im Netz auf Dinge, die mich faszinieren. So habe ich zum Beispiel „Die drei ??? und die brennende Stadt“ geschrieben, weil ich von einer Stadt in Amerika las, in der es seit 50 Jahren brennt und man es nicht löschen kann. Das habe ich 1:1 im Roman umgesetzt. Nächstes Jahr wird ein Buch von mir herauskommen, da sind die Drei in Shanghai. Die Idee kam mir, als ich selbst Shanghai besuchte. Hauptproblem war: Wie bringe ich die ??? dorthin, so dass es logisch aus der Geschichte heraus entsteht? Darüber habe ich ein halbes Jahr nachgedacht. Jetzt passt es, und die Entwicklung ist logisch.

Wie sicher ist, dass es eine Idee auch ins Buch schafft? Könnten Justus und Peter etwa 0,6 Gramm der Designerdroge Chrystal Meth bei Bob in der Jackentasche finden?
Dittert: Wenn wir etwas Außergewöhnliches machen wollen, das den Rahmen sprengt, sprechen wir mit dem ganzen Autorenteam darüber. Wenn ich ein neues Buch schreibe, erstelle ich ein Exposé und schicke es an den Verlag. Dort würden Details auffallen, die es beispielsweise schon mal gab. Ich kenne natürlich die Serie gut, aber nicht jede Einzelheit. Ansonsten bin ich in der Entwicklung total frei.

Wann werden die ??? erwachsen?
Dittert: Nie, glaube ich. Sie sind ja mal ein paar Jahre älter geworden. Am Anfang konnten sie kein Auto fahren, jetzt können sie es. Ich habe es ohnehin lieber, wenn sie ein bisschen jünger rüberkommen. Wenn sie das Auto nicht brauchen, lasse ich sie lieber mit dem Fahrrad fahren. Das ist näher am kindlichen Zielpublikum.

Berühmte Namen haben die ???-Hörspiele mit ihrer Stimme geadelt – Horst Frank etwa. Welche Sprecher würden Sie sich wünschen?
Dittert: Ich kann Wünsche äußern. Ich hätte gern den Sprecher von Captain Jean-Luc Picard aus Raumschiff Enterprise, der jetzt von Ernst Meincke gesprochen wird. Das ist meine Lieblingsstimme. Wobei: Was mir an der Hörspielumsetzung meines ersten ???-Romans „Die geheimnisvolle Botschaft“ gefallen hat, ist, dass es da einen Indiana-Jones-Typ mit Mütze und Peitsche gab, der im Hörspiel von Wolfgang Pampel, Synchronsprecher von Harrison Ford alias Indiana Jones, gesprochen wird. Das war für mich großartig.

Was liest ein ???-Autor privat?
Dittert: Sehr viel und relativ bunt gefächert. Meist lese ich Fantastik, Stephen King und Jugenddystopien wie die „Tribute von Panem“. An deutschen Autoren sind es Andreas Eschbach, Tanja Kinkel und Sebastian Fitzek.

Gleich doppelt ist Christoph Dittert heute in Rheinbach zu hören: Um 15.30 Uhr liest er im Glasmuseum aus „Die drei ??? Kids: Astronauten in Gefahr“, um 17.30 Uhr, an gleicher Stelle aus „Die drei ??? und der gefiederte Schrecken“. Der Eintritt kostet sechs, ermäßigt vier Euro.

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