Nahverkehr im Linksrheinischen: Haltestellen könnten zu Mobilstationen werden

Nahverkehr im Linksrheinischen : Haltestellen könnten zu Mobilstationen werden

Der Nahverkehr Rheinland und ein Expertenbüro haben 21 Haltestellen im Linksrheinischen untersucht und die jeweilige Ausstattung aufgelistet. Die Standorte könnten ausgebaut und zu Mobilstationen werden.

Eigentlich ist es ganz einfach. Damit mehr Menschen den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen, muss das Angebot attraktiver werden. Dabei geht es um Ticketpreise, Linien und Takte, aber auch um die Infrastruktur. Im Zusammenhang mit Letzterem fällt seit einigen Jahren zunehmend das Wort „Mobilstation“.

Damit sind nicht einfache Haltestellen für Busse oder Bahnen gemeint, sondern Standorte mit einem deutlich größeren Angebot für den Wechsel zwischen Verkehrsmitteln – etwa mit überdachten Fahrradständern, abschließbaren Fahrradboxen, Park-and-ride-Plätzen, Leihrädern, Aufladestationen für Elektroautos und -fahrräder, Taxiplätzen oder auch modernen Fahrplananzeigen, Rad- und Paketstationen, Toiletten, Gepäckschließfächern und vielleicht noch einem Kiosk und sogar einem Fernbusanschluss.

Fit machen für die Zukunft

„Mit Mobilstationen in jeder Gemeinde des Rheinlands können wir die Region besser vernetzen und so fit machen für die Zukunft“, sagt Norbert Reinkober, Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR). Der NVR ist unter anderem für die Förderung von Investitionen in den Nahverkehr zwischen der Grenze zu Belgien und dem Bergischen Land zuständig.

Zusammen mit dem Expertenbüro Spiekermann hat der NVR anhand verschiedener Kriterien – etwa der täglichen Fahrgastzahl oder dem bereits vorhandenen Angebot an Bussen und Bahnen – aus rund 9600 ÖPNV-Stationen rund 460 Standorte identifiziert, an denen der Aufbau einer Mobilstation empfohlen wird. Für das Linksrheinische sind das 21 Stationen:

Zweiseitiger Steckbrief pro Standort

Für alle 460 Standorte haben die Experten nach einer Untersuchung jeweils einen zweiseitigen Steckbrief erstellt. Dieser listet auf, welche Mindestausstattung (etwa Anzeigen, Sitzgelegenheiten, P+R-Plätze oder Notrufsäulen) sowie welche weniger notwendigen, aber vielleicht wünschenswerten Elemente (vom WC bis zur Radstation oder gar Fernbushalt) vorhanden sind.

Zudem haben die Fachleute errechnet, was es kosten würde, an der jeweiligen Haltestelle den Mindeststandard herzustellen. Die Summen reichen von 17 000 Euro (Hersel) über 30 000 Euro (Meckenheim Industriepark) bis zu 56 500 Euro (Bornheim) und gar 63 000 Euro (Fronhof).

Hilfe bei Förderanträgen

Mit der Zustellung von Förderschecks ist die Auflistung indes nicht verbunden. Nach Angaben des NVR soll das sogenannte Zukunftsnetz Mobilität NRW nun die Städte und Gemeinden bei der Konzeptionierung von Mobilstationen unterstützen. Dafür wurde ein Workshop für Kommunen mit dem Ziel entwickelt, die Erstellung eines Konzeptes zur Errichtung von Mobilstationen vorzubereiten.

Die Experten von Zukunftsnetz und NVR wollen den Kommunen so dabei helfen, Förderanträge auf den Weg zu bringen. „Wir werden eine Art Lastenheft entwickeln, das den Sachbearbeitern in den Gebietskörperschaften wertvolle Unterstützung bei der Erstellung der Förderanträge für Mobilstationen sein soll“, erläutert NVR-Geschäftsführer Reinkober.

Politik beschließt Maßnahmen in Alfter

Der Gedanke, Haltestellen aufzuwerten, ist selbstredend auch im Linksrheinischen nicht neu – zumal die erstellten Streckbriefe einen Ist-Stand von Februar/März 2018 wiedergeben. So hat etwa die Alfterer Politik im Oktober 2018 die Errichtung von 26 weiteren Fahrradstellplätzen sowie zehn abschließbaren Fahrradboxen am Bahnhof in Witterschlick beschlossen, mit vom NVR bewilligten Fördergeldern.

Am Rheinbacher Bahnhof stehen die Einrichtung einer Mobilstation und insbesondere die Aufstellung von abschließbaren Fahrradboxen seit Langem auf dem Wunschzettel der Stadt und ebenso im Masterplan Innenstadt. Dieser wurde im Januar 2017 fertiggestellt. Angesichts der defizitären Haushaltslage hatte Bürgermeister Stefan Raetz eine Förderung des Landes zur Bedingung für die Verwirklichung dieser Wunschvorstellung gemacht. „Ein sicheres Aufbewahren von heute immer wertvolleren Fahrrädern ist in Rheinbach an Bahnhöfen und Bushaltestellen derzeit nicht möglich“, sagt Raetz.

Eine Frage des Geldes

Am Rheinbacher sowie am Meckenheimer Bahnhof wird bereits in Sachen digitaler Fahrplaninformation aufgerüstet. Am S 23-Haltepunkt Römerkanal fehlten zudem weitere Park-and-ride-Plätze. Deshalb sollen dort Abstellmöglichkeiten für weitere 105 Fahrzeuge, 60 Fahrräder und – wegen der Busanbindung – zwei Busse entstehen.

In Bornheim wird etwa wiederum seit Jahren über die Neugestaltung des Roisdorfer Bahnhofs und seines Umfelds gesprochen. Im vergangenen Jahr wurden dafür im Nachgang eines Planungstreffens und einer Bürgerwerkstatt erste Entwürfe vorgelegt. Bereits im April 2016 hatten die Bornheimer Grünen die Einrichtung einer Mobilstation in Roisdorf gefordert. Es ist vor allem eine Frage des Geldes.

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