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GA-Serie „Rheinische Redensarten“: Häst do Hüpp am Been?

GA-Serie „Rheinische Redensarten“ : Häst do Hüpp am Been?

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen. Dieses Mal: Häst do Hüpp am Been?

Wir gehen ausnahmsweise mal ganz neue Wege und beschäftigen uns an dieser Stelle mit gleich zwei rheinischen Redensarten auf einmal, die gewissermaßen ein Gegensatzpaar sind. Das Oberthema ist die Mobilität. Das ist ja auch so ein Querschnittsbegriff, ob nun zu Fuß, per Bus oder Auto, ob Alt oder Jung, ob auf der Straße oder der Datenautobahn, mobil möchte heutzutage jeder überall sein.

Kein Wunder, dass es als Mitleidsbekundung verstanden wird, wenn jemand einen anderen fragt: „Häst do Hüpp am Been?“ Das ist ohne Frage eine dieser typisch bildlichen rheinischen Formulierungen, die ihren Reiz aus dem Humus der Sprachkomik beziehen. Die wörtliche Übersetzung ins Hochdeutsche müsste lauten: Hast Du Hüpf am Bein? Und sinngemäß hieße es: Hinkst Du?

Da zieht also einer sein Bein nach, weil er körperlich beeinträchtigt ist, und das Ganze sieht dann aus, als würde er hüpfend durch die Lande ziehen. Erstaunlich bei dieser sprachlichen Konstruktion ist, dass das Verb hüpfen substantiviert wird zu „Hüpf“. Aber dieses Wort gibt es eigentlich gar nicht. Das zeigt einmal mehr die sprachliche Kreativität der Rheinländer und die große Wandlungsfähigkeit der hiesigen Sprache.

Quasi genau das Gegenteil drückt der Satz aus: „Do kütt hä anjepeest.“ Fürs Verstehen ist an dieser Stelle das Wort „jepeest“ entscheidend. Bevor wir in die Feinanalyse gehen, übersetzen wir ins Hochdeutsche: Da kommt er angerannt (oder angerast).

Der da kommt ist ziemlich schnell unterwegs. Pesen ist also viel schneller als gehen und laufen. Man kann quasi den Kondenzstreifen sehen. Die Sprachwissenschaftler rechnen das Pesen dem niederdeutschen Sprachraum zu.

Was die Herkunft angeht, könnte es vom englischen „to pace“ oder lateinischen „passus“ im Sinne von „Schritt“ oder „schreiten“ stammen. Eine abweichende Vermutung bezieht sich auf das rheinische Wort „Pese“ für Sense. Dann könnte das Verb abgeleitet so viel wie „schnellen“ heißen.

Der General-Anzeiger und der Verlag Lempertz haben die neuen Kolumnen von Jörg Manhold unter dem Titel „Rheinisch für Fortgeschrittene“ veröffentlicht. Das Buch ist im Handel erhältlich. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga-bonn.de