Gürzenich-Orchester in Köln: Große Show mit Strauss' Burleske

Gürzenich-Orchester in Köln : Große Show mit Strauss' Burleske

Dass Gürzenich-Konzerte mit unterschiedlichen Programmen binnen einer Woche erfolgen, ist eine Seltenheit, wenn überhaupt schon einmal passiert. Für diesmal ist anzunehmen, dass die sich anschließenden Gastspiele in Wien und Salzburg die Terminierung mitbestimmt haben. Gilt dies auch für das Programm?

Auffällig ist nämlich, dass bereits Dmitrij Kitajenko vor einer Woche ein ausgesprochen ohrenschmeichelndes Programm bot. James Gaffigan, der junge, drahtige Amerikaner, Chef in Luzern und als Erster Gastdirigent häufig am Pult der Gürzenicher, offerierte sogar Romantik pur. Die geschah allerdings nicht vordergründig popularistisch.

Schumanns 4. Sinfonie wurzelt zwar fest im öffentlichen Konzertleben, aber seine "Genoveva"-Ouvertüre, die Burleske von Strauss und Webers Konzertstück (dies die zunächst gespielten Werke), trifft man auf dem Plattenmarkt entschieden häufiger an. Insofern plädierte das Gürzenich-Konzert nachdrücklich dafür, sich immer wieder in Repertoirenischen umzusehen. Womöglich hatte bei alledem auch der Pianist Kirill Gerstein Mitspracherecht.

Als einsätziges "Klavierkonzert" nimmt die Burleske im Schaffen des vor allem mit Opern, Tondichtungen und Liedern hervorgetretenen Komponisten eine Sonderstellung ein. Sie verdankt ihr Entstehen wohl auch dem Überschwang eines jungen Komponisten, der seine Fähigkeiten austarieren wollte. Die dominierende Rolle, welche in diesem Werk der Pauke eingeräumt wird, lässt sich durchaus als Indiz für Experimentierlust deuten.

Überwuchert manuelle Bravour die musikalische Substanz? Diese mitunter gestellte Frage gälte aber beispielsweise auch den Klavierkonzerten von Liszt. Man nehme die Burleske also am besten als Nachweis eines eminenten Talents, welches sich gerne auch mal die große musikalische "Show" leistet. Das Publikum zeigte sich jedenfalls enthusiasmiert, fraglos auch über Gersteins lustvoll sprühendes Spiel.

Kaum anders war dies bei Webers Konzertstück der Fall, einem hoch inspirierten, liebenswürdigen Werk, welches übrigens genau weiß, welcher Effekt Marschrhythmen innewohnt. Auch hier versprühte der russische Pianist Tastenzauber der angenehmsten Art. Orchester und Dirigent assistierten klanglich und rhythmisch ausgesprochen finessenreich.

Eine Rittergeschichte, wie sie dem Werk zugrunde liegt, findet sich auch in Schumanns erfolgloser Oper "Genoveva". Ihre Ouvertüre ist jedoch ein schönes, bezwingendes Stück Musik, welches mit großem Klangflair und romantischem Aplomb geboten wurde.

Bei der 4. Sinfonie des Komponisten kehrte der sehr körperhaft dirigierende James Gaffigan einmal mehr sein impulsives, frisches Naturell hervor und ließ die Musik kraftvoll lodernd zur Geltung kommen.