Diskussion um Fluglärm: Gebühren für Nachtflüge in Köln/Bonn steigen an

Diskussion um Fluglärm : Gebühren für Nachtflüge in Köln/Bonn steigen an

Eine neue Gebührenordnung, die die Nachtflüge verteuert, liegt dem Bundesverkehrsministeriums zur Genehmigung vor. Der Lärmschutzgemeinschaft ist das zu wenig. Sie fordert zudem eine Kernruhezeit von 0 bis 5 Uhr.

Das Versand- und Logistikunternehmen UPS fliegt seit diesem Monat nur noch mit einem der als laut geltenden Frachtflugzeuge MD-11. Ab Frühjahr 2020 soll das letzte der dreistrahligen Großraum-Langstreckenflugzeuge aus dem Verkehr gezogen werden. Dies bestätigte der Sprecher des Flughafens Köln/Bonn, Alexander Weise, auf Anfrage. "Das ist das Ergebnis der finanziellen Anreize, die wir Airlines bieten, die leises Fluggerät einsetzen. Fracht-Carrier, die in Köln/Bonn mit leiseren Flugzeugen arbeiten, erhalten einen Rabatt von bis zu einer Million Euro über drei Jahre hinweg", sagte Weise.

"Die Richtung stimmt", kommentierte der FDP-Fraktionsvorsitzende in der Kreisstadt Siegburg, Jürgen Peter, die Entwicklung. "Damit werden die Nächte ruhiger für die Siegburger Bürger." Während Peter begrüßt, dass der Flughafen die Start- und Landegebühren für den Nachtflugverkehr für Passagierflugzeuge "deutlich erhöht" hat, geht das der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn nicht weit genug. Die Gebühren seien "immer noch viel zu billig", heißt es in einer Erklärung von Helmut Schumacher und Wolfgang Hoffmann. Die Hennefer plädieren weiterhin für ein Nachtkernzeit-Flugverbot von 0 bis 5 Uhr. Außerdem seien die Nachtflüge von 2013 bis Ende 2018 "kontinuierlich von 35.075 auf nunmehr 44 646 Flugbewegungen angestiegen, was einer prozentualen Zunahme von rund 27 Prozent gleichkommt".

Allerdings zeigt ein Blick auf die Zahlenentwicklung des Flughafens, dass das Jahr 2013 mit 9.079.001 Fluggästen und 120.388 Flugbewegungen das schwächste Jahr des Flughafens seit 1994 war, als 120.663 registriert wurden. Die Fluggastzahlen seien in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, sagte Weise, "aber die Flugzeuge sind auch immer größer geworden". Seit 2000 sind die Flugbewegungen laut Verkehrszahlen des Flughafens stark zurückgegangen: von damals rund 155.000 auf 144.000 im Jahr 2018.

Zuwachs von nächtlichen Flugbewegungen

Die Fluglärmgemeinschaft sieht weiterhin einen Zuwachs von nächtlichen Flugbewegungen. "Zwar wurde in der Folgezeit an den Gebühren herumgeschraubt, aber wie sich wieder einmal zeigte, war Kritik, welche die Lärmschutzgemeinschaft schon vor der Inkraftsetzung der Gebührenerhöhung an deren viel zu geringer Ausprägung geübt hatte, voll berechtigt: Im Vergleich zu den Gebühren an anderen Flughäfen sind Nachtflüge großer und lauter Flugzeuge am Flughafen Köln/Bonn immer noch viel zu billig, um Fluggesellschaften zur Verlegung von Nachtflügen auf den Tag zu veranlassen", heißt es von der Fluglärmgemeinschaft.

Dem widerspricht FDP-Politiker Peter. Die Start- und Landegebühren für den Nachtflugverkehr seien deutlich erhöht worden. Außerdem seien auch technische Änderungen wie der Anflugwinkel so neu gesetzt worden, dass die Lärmbelästigung der Siegburger sinken werde. Auch der Flughafensprecher beteuert, dass sich Nachtflüge in den letzten Jahren mehrfach deutlich verteuert hätten. "Und es ist unser erklärtes Ziel, dort weiterzumachen: Die sogenannte Tag-Nacht-Spreizung wird auch in Zukunft größer, Nachtflüge werden sich weiter verteuern."

Für die fixen Landeentgelte eines Airbus A319 werde in der Nacht ein Aufschlag von 80 Prozent gegenüber dem Tagestarif fällig. Eine Boeing 737 koste 84 Prozent mehr. Für den Langstrecken-Jet Airbus A330 müssten Airlines nachts mehr als das Doppelte an fixen Start- und Landeentgelten bezahlen. Das alles habe unter anderem dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der Flugbewegungen mit großen Frachtmaschinen heute am Tag stattfänden. Und: "Aktuell haben wir eine neue Gebührenordnung beim Verkehrsministerium eingereicht. Diese sieht vor, dass sich die Tag-Nacht-Spreizung weiter vergrößert und Passagier-Nachtflüge sich erneut verteuern", sagte Weise.

"Der Schutz der Anwohner vor Fluglärm hat hohe Priorität, und wir arbeiten intensiv daran, die Lärmbelastungen für Anwohner weiter zu minimieren", sagt Weise. So ermögliche ein ganz neues, satellitengestütztes Navigationsverfahren am Flughafen Köln/Bonn Piloten, beim Abflug die Streckenführung präziser einzuhalten. "Köln/Bonn ist der bundesweit zweite Flughafen, an dem die Deutsche Flugsicherung (DFS) das neue Navigationsverfahren einführt. Mit dem neuen Verfahren wird eine höhere Genauigkeit im Kurvenflug mit höherem Abstand zur Bebauung erreicht. Wir versprechen uns davon auch ein besseres Vermeiden des Überflugs bewohnter Bereiche."

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