Neue Asphaltdecke nach 22 Jahren: Flughafen Köln/Bonn erneuert 1600 Meter Landebahn

Neue Asphaltdecke nach 22 Jahren : Flughafen Köln/Bonn erneuert 1600 Meter Landebahn

Die große Landebahn am Flughafen Köln/Bonn wird zurzeit saniert - eine Operation am offenen Herzen und ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die Sanierung der großen Landebahn des Köln/Bonner Airports ist eine Operation am offenen Herzen und ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn in der Fliegerei ist Zeit Geld und Zeitfenster sind rar, um die größte Landebahn Nordrhein-Westfalens auch nur eine Minute länger als nötig außer Betrieb zu nehmen. Doch 22 Jahre Flugbetrieb haben an der Hauptbahn des Airports ihre Spuren hinterlassen, die Sanierung duldete keinen Aufschub. Seit 7. April und noch bis zum 30. November wird nun je samstags ab 12 Uhr und sonntags bis 19 Uhr im Akkord gefräst, gebaggert, aufgebaut, asphaltiert, planiert, markiert und gesäubert. Rund 50 Millionen Euro investiert der Airport, um die Bahn für die nächsten 15 bis 20 Jahre fit zu machen.

Arbeiten erfolgen parallel zum laufenden Flugbetrieb

Für den größten und letzten Abschnitt der fast vier Kilometer langen Hauptbahn stand am Wochenende die Königsdisziplin der Erneuerungsarbeiten an: Nach der Instandsetzung des Untergrundes wurde auf 1,6 Kilometern Länge eine neue vier Zentimeter dicke Deckschicht aufgebracht. Und das mitten im laufenden Betrieb, wie Flughafensprecher Alexander Weise am Sonntag vor Ort zeigte: „Wir haben aktuell etwa 300 Starts täglich, trotz Ferien ist es an Wochenenden etwas ruhiger. Normalerweise trägt unsere große Bahn die Hauptverkehrslast. Jetzt weichen wir auf die kleinere Parallelbahn und die Querwindbahn aus, die die große Bahn kreuzt.“

Und das nicht nur an Wochenenden, so Weise: „Im Moment führen wir tagsüber noch ein zweites Projekt durch, die Sanierung des Kanalsystems. Abends um 19 Uhr geht die Hauptbahn wieder in Betrieb.“ Und das ohne Kompromisse, betont Jörg Endres, Leiter Infrastruktur und Koordinator der Sanierungsarbeiten: „Ab 18 Uhr kommen die schweren Frachtmaschinen, die zum Teil morgens, während hier gearbeitet wird, auf anderen Kontinenten gestartet sind und hier landen müssen.“ Erst eine große Frachtmaschine habe man nach Frankfurt umleiten müssen, sagt Endres und betont: „das soll und wird eine Ausnahme bleiben.“

Witterung und UV-Strahlung sind Hauptbelastung für die Landebahn

Der Druck ist groß, nicht nur bei den rund 400 bis 500 Arbeitern, die an den Wochenenden den Asphalt erneuern: Wenn etwa die große Boeing 777-Frachtmaschine des US-Versandlogistikers FedEx mit über 102 Tonnen Nutzlast landet, drücken deren Räder beim Aufsetzen mit mehr als 350 Tonnen Gewicht auf den Asphalt. Auch die üblichen Kurzstrecken- und Ferienflieger vom Typ A320 sind mit knapp 80 Tonnen Startgewicht keine Leichtgewichte und brauchen einen festen, griffigen und sicheren Asphalt. „Die eigentliche Hauptbelastung für die Bahn sind die Witterung und die UV-Strahlung der Sonne“, erklärt der Bauleiter: „Beides macht den Asphalt spröde.“

Im Aufbau sei die Hauptbahn mit einer Autobahn vergleichbar, so Jörg Kranz, Geschäftsführer des Unternehmens Heitkamp, das in den vergangenen Jahren nicht nur etliche hundert Kilometer Autobahnen saniert hat, sondern auch die Landebahnen in Frankfurt am Main, Bremen, Paderborn oder Speyer. Zwölf Zentimeter Tragschicht, darauf acht Zentimeter Binder und abschließend vier Zentimeter Deckschicht – das reiche für die schweren Belastungen aus. Allein die 10.000 Tonnen Asphalt vom Wochenende hätten für sechs bis sieben Kilometer dreispurige Autobahn gereicht, rechnet Kranz nach: „Wir haben 300 Lkws im Einsatz, die mit 400 Fahrern im Dreischicht-Betrieb zwischen acht Asphalt-Mischwerken rund um Köln pendeln. Die Mischwerke haben die Nacht für uns durchgearbeitet. Alle arbeiten mit dem gleichen Rezept und den gleichen Zutaten.“

Grauwacke aus dem Sauerland und weiteres Gestein aus Hennef werden hierfür benötigt, sagt Kranz, „allein die Koordination hat viel Zeit gekostet und jede Lieferung wird genau auf die Qualität geprüft.“ Denn: Der 60 Meter breite und knapp 1,6 Kilometer lange Asphalt muss in einem Stück verarbeitet werden. Acht parallel fahrende Teermaschinen und dazu 30 Walzen bringen die Deckschicht auf über 96 000 Quadratmetern in perfekte Form. „Hier weiß jeder, was zu tun ist,“ zeigt der Heitkamp-Geschäftsführer stolz auf das Ballett der vor- und zurückrollenden Walzen: „Zuerst wird die Centerline, die Mitte, gefertigt, danach geht man mit leichtem Gefälle nach außen.“

Schon am Sonntagmittag wurden Markierungen aufgemalt, um die Bahn um 19 Uhr wieder in Betrieb nehmen zu können. In den nächsten Wochen werde die Befeuerung, die Lichtsignale, ergänzt. Auch fehle noch das „Grooving“, so Flughafensprecher Alexander Weise: In 228 900 der insgesamt 240.000 Quadratmeter Asphaltpiste werden feine Querrillen gefräst, die Reifen mehr Halt und Regen einen guten Abfluss ermöglichen.

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