Kennzeichen SU: Katzenschutzverein: „Eine Kastration ist sinnvoll“

Kennzeichen SU: Katzenschutzverein : „Eine Kastration ist sinnvoll“

Als gute Engel der Straßenkatzen helfen sie den Tieren in Notfällen und lassen sie chippen, registrieren und kastrieren, um den Bestand zu kontrollieren: Die Mitglieder des Katzenschutzvereins Bonn/Rhein-Sieg kümmern sich seit 40 Jahren um herrenlose Katzen.

Sie sind seit 40 Jahren für Katzen im Einsatz: Die Mitglieder des Katzenschutzvereins Bonn/Rhein-Sieg. Als gute Engel der Straßenkatzen helfen sie den Tieren in Notfällen und lassen sie chippen, registrieren und kastrieren, um den Bestand zu kontrollieren. Sie richten Futterstellen ein, um die Vierbeiner zu kontrollieren und gegebenenfalls zur weiteren Versorgung einzufangen.

In Pflegestellen bei Privatpersonen kümmern sie sich um bedürftige Tiere und vermitteln sie weiter. So wie die Katze Sophia, mit 14 Jahren schon eine Seniorin. Ihre Besitzerin ist verstorben, Sophia wurde im Seniorenheim von einer anderen Bewohnerin gefüttert, teils mit ungeeignetem Futter. Sie hat eine Schilddrüsenfunktionsstörung und muss deshalb täglich eine Tablette bekommen. Sonst ist sie unkompliziert. „Sophia ist ein liebes Kätzchen, sie kuschelt gerne und braucht eine feste Bezugsperson“, sagt Susanne Wanninger-Karn vom Katzenschutzverein.

Für Katzen wie Sophia hat der Verein das Projekt „Senioren suchen Senioren“ aus der Taufe gehoben. Die Idee: Ältere Tiere sind ruhiger – sie klettern nicht mehr an den Vorhängen hoch und schätzen einen geregelten Tagesablauf. Damit passen sie gut in einen Seniorenhaushalt. Kann der Besitzer sich nicht mehr um die Katze kümmern, etwa wegen einer Erkrankung, springt der Katzenschutzverein ein. Mit dem Projekt belegte der Katzenschutzverein Bonn/Rhein-Sieg im vergangenen Jahr den mit 2000 Euro dotierten zweiten Platz beim Deutschen Tierschutzpreis, der vom Deutschen Tierschutzbund und Sponsoren vergeben wird.

Das Preisgeld kann der Verein gebrauchen. Denn auch wenn alle Mitglieder ehrenamtlich arbeiten, fallen für die tierärztliche Versorgung Kosten an. Die Kastration einer Katze kostet rund 130 Euro, bei einem Kater fallen bis zu 90 Euro an. Die Kosten werden über Spenden und Mitgliedsbeiträge gedeckt, teilweise auch durch die öffentliche Hand bezuschusst. Wenn eine Katze vermittelt wird, bezahlen die neuen Besitzer eine Pauschale, die aber nicht kostendeckend ist. Trotzdem: „Eine Kastration ist sinnvoll, um die Katzenvermehrung zu unterbrechen“, sagt Wanninger-Karn. So werde Katzenelend vermieden.

Der Katzenschutzverein tritt auch für eine Kastrationspflicht bei Hauskatzen ein. In Bonn gibt es die bereits, im Rhein-Sieg-Kreis ist Swisttal bisher die einzige Kommune, die eine dementsprechende Verordnung erlassen hat. Dass eine Kastrations- und Registrierungspflicht für Katzen im gesamten Kreis kommt, wird aber immer wahrscheinlicher. Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Landwirtschaft hat am Donnerstag die Verwaltung einstimmig beauftragt, zur kommenden Sitzung einen Entwurf für eine Katzenschutzverordnung durch den Kreistag vorzulegen.

Anja Tammen, die seit 2012 eine Pflegestelle in Königswinter betreibt, sagt: „Mit einer Verordnung haben wir Argumente und können unbelehrbare Vermehrer auf ihre Pflicht hinweisen.“

Für Straßenkatzen gibt es in keiner Kommune eine Kastrationspflicht, da kein Kostenträger in die Pflicht genommen werden kann. Trotzdem hätte eine Verordnung auch hier Folgen, sagt Wanninger-Karn: „Viele herrenlose Katzen entstehen durch Besitzerkatzen. Langfristig würde sich die Zahl herrenloser Tiere reduzieren.“

Die Gefahr, dass es zu wenig Katzen gibt, bestünde nicht, meinen die Katzenschützer. Und auch mit anderen Vorurteilen möchte Wanninger-Karn aufräumen: „Dass kastrierte Katzen faul sind, ist ein Ammenmärchen.“ In welchem Alter der Eingriff sinnvoll ist, daran scheiden sich auch unter Katzenfreunden die Geister. „Sie können mit drei Katzenschutzvereinen sprechen, und Sie haben drei Meinungen“, meint Wanninger-Karn. Einig sind sie sich aber darin: „Man sollte keine unkastrierte Katze in den Freigang geben.“

400 Mitglieder hat der Katzenschutzverein Bonn/Rhein-Sieg, davon 20 aktive. „Was uns fehlt, sind Leute und Geld“, bringt es Wanninger-Karn auf den Punkt. Vor allem Männer seien rar unter den Ehrenamtlichen. Die Aktiven fahren auch am Abend oder am Wochenende raus, wenn Katzen Hilfe brauchen. Es kann dauern, bis eine Katze eingefangen ist, manchmal warten die Fänger Stunden oder fahren auch mal unverrichteter Dinge wieder weg.

„Es ist nicht immer einfach, manchmal kommt man an seine Grenzen“, sagt Tammen. Mitunter stoßen die Ehrenamtlichen auf ein hohes Anspruchsdenken, oder es werden Termine nicht eingehalten. Gleichzeitig gibt es aber viele erfreuliche Begegnungen, sie kommen in der Region herum und lernen Leute kennen. „Ich könnte eine Woche lang Kaffee trinken gehen, wenn ich überall hingehen würde, wo ich eingeladen bin“, schmunzelt Wanninger-Karn. Das gewichtigste Argument aber bleibt für sie dieses: „Man gibt Katzen eine Chance für die Zukunft.“

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