Diabetes: Jeder zwölfte Rheinländer ist zuckerkrank

Gesundheitsatlas der AOK : Jeder zwölfte Rheinländer ist zuckerkrank

Der AOK-Atlas zeigt: Jeder zwölfte Rheinländer ist zuckerkrank. Auf dem Land ist die Diabetes-Quote besonders hoch. 30 Prozent der Älteren sind erkrankt.

Diabetes gehört zu den Volkskrankheiten und hat auch das Rheinland fest im Griff: 8,2 Prozent der Einwohner in der Region der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein leiden an Diabetes Typ 2. Das geht aus dem ersten Gesundheitsatlas der AOK Rheinland/Hamburg hervor, der unserer Redaktion vorliegt. „Jeder zwölfte Einwohner bei uns im Rheinland hat Typ-2-Diabetes. Das ist zu viel“, sagt Günter Wältermann, Chef der AOK Rheinland/Hamburg. „Die Erkrankung ist oftmals vermeidbar.“

In NRW liegt die Diabetes-Häufigkeit bei 8,4 Prozent, bundesweit bei 8,6 Prozent. Dabei sind die regionalen Unterschiede groß: Am besten sieht es landesweit in Münster aus mit einer Diabete s-Häufigkeit von 5,9 Prozent und in Bonn (6,1 Prozent). Am schlechtesten in Bottrop (11,1 Prozent) und Oberhausen (9,8 Prozent).

Diabetes mellitus, umgangssprachlich „Zuckerkrankheit“ genannt, ist eine Stoffwechselstörung, bei der der Blutzuckerspiegel erhöht ist. Beim Typ 1 produziert die Bauchspeicheldrüse gar kein Insulin, beim Typ 2 wirkt das Insulin nur noch vermindert. Patienten müssen Tabletten nehmen oder spritzen. Bei Typ 2 spielen neben der genetischen Veranlagung auch Alter und ungesunder Lebensstil eine große Rolle. Von den 793 000 Menschen mit Typ-2-Diabetes in Nordrhein sind mehr als die Hälfte älter als 70 Jahre, so der AOK-Report. Anders formuliert: Rund 30 Prozent der 80- bis 90-Jährigen im Rheinland sind zuckerkrank.

Risikofaktoren

Das erklärt zum Teil die regionalen Unterschiede: Weil in ländlichen Gebieten der Anteil älterer Menschen größer ist als in großen Städten, ist auf dem Land die Diabetes-Quote höher. In Köln, Düsseldorf und Krefeld sieht es besser aus als am Niederrhein oder im Bergischen Land.

Risikofaktoren für Diabetes Typ 2 sind Übergewicht, ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung. Und da diese Risikofaktoren bei Personen mit niedrigem sozialem Status häufiger gefunden werden, so der Report weiter, ist in Regionen mit hoher Langzeitarbeitslosigkeit und Armutsquote auch der Anteil der Diabetes-Kranken höher. Das erklärt etwa, warum im Ruhrgebiet tendenziell mehr Menschen zuckerkrank sind als im reichen Münster, Bonn oder auch Düsseldorf.

AOK-Chef Wältermann fordert: „Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Strategie, ein Gesamtpaket mit klarem Fokus auf Prävention: viel Bewegung und gesunde Ernährung in Kitas und Schulen sowie gut sichtbare und klar verständliche Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen.“ Der AOK-Chef regt an, die bestehenden Programme (Disease-Management-Programme) zur Begleitung der Patienten zu verbessern und auszubauen. „Die kontinuierliche und strukturierte Begleitung von Diabetes-Patienten hilft ihnen, mit ihrer Erkrankung umzugehen und zu leben. Folgeerkrankungen können vermieden werden.“

Zu möglichen Folgeerkrankungen der Diabetes Typ 2 gehören Nierenschäden bis hin zur Dialysepflicht, Schädigung der Augen bis hin zur Erblindung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Infarkte und Schlaganfälle.

Das ist nicht nur bedrohlich für die Betroffenen, das ist auch teuer. Allein die direkten Kosten für Diabetes beliefen sich bundesweit zuletzt auf 7,4 Milliarden Euro im Jahr. Experten schätzen, dass die gesamten diabetesbezogenen Kosten zehn Prozent der Krankenversicherunsausgaben ausmachen.

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