Landtagswahl in NRW: Der Tag danach im Rhein-Sieg-Kreis

Landtagswahl in NRW : Der Tag danach im Rhein-Sieg-Kreis

CDU und FDP haben ihren Sieg gefeiert, SPD und Grüne suchen nach den Gründen für ihre Schlappe bei der Landtagswahl. Der GA hat sich umgehört.

Oliver Krauß (CDU): Bis in die Nacht hatte er seinen Einzug in den Landtag im Alfterer Gasthaus „En de Hött“ gefeiert. Am Montagmorgen war Krauß schon wieder unterwegs, um Wahlplakate abzuhängen. Am Dienstag geht die Arbeit in Düsseldorf los. Die neue Fraktion konstituiert sich. Keine Präferenzen hat Krauß, wenn man ihn nach seiner Wunschkoalition fragt. „Wir müssen sehen, mit wem wir die größten Übereinstimmungen in Sachen Schulpolitik, Sicherheit und Infrastruktur haben.“ Er sieht sich als Neuling im Landtag, der Einarbeitungszeit braucht, aber keine fünfjährige Lehrzeit, wie seine Vorgängerin Ilka von Boeselager prognostiziert. Für sie will Krauß im Juni eine große Dankeschön-Party organisieren.

Zukunft im Stadtrat und Kreistag

Folke große Deters (SPD): Der Sozialdemokrat führte einen engagierten Wahlkampf mit vielen Hausbesuchen. Dennoch verlor er im Vergleich zu 2012 ganze 6,3 Prozentpunkte. „Vor Ort haben wir uns nicht viel vorzuwerfen“, sagte er am Montag. Er habe gegen eine starke CDU-Präferenz in der Region und gegen den Trend ankämpfen müssen. „Vielleicht hätten wir in Zeiten, in denen Stimmungen und Emotionen eine große Rolle spielen, stärker zuspitzen müssen.“ Es sei beispielsweise nicht deutlich geworden, dass man viele Kita-Plätze geschaffen habe. Den Rücktritt von Hannelore Kraft als SPD-Landesvorsitzende bezeichnet Deters als richtig: „Sie hat in der Niederlage Größe gezeigt.“ Er werde nun weiter im Rheinbacher Stadtrat und im Kreistag arbeiten. „Das macht mir große Freude.“

Wilhelm Windhuis (Grüne): Das Ergebnis sei „eine Katastrophe“, sagt der Kandidat aus Alfter. Zum Glück müsse man jetzt die Schulpolitik nicht mehr vertreten. Die CDU könne ja nun zeigen, dass sie es besser macht. Die Opposition werde den Grünen gut tun. In der Umweltpolitik sei ein Umdenken angesagt, denn die Kohle sei nicht gerade der Energieträger der Zukunft. Um den ÖPNV zu stärken, müsse man viel Geld in die Hand nehmen. Das sei mit der SPD leider nicht gelungen.

Nordbrücke und Tausendfüßler im Fokus

Jörn Freynick (FDP): „Ich bin heute noch wie geflasht von diesem fantastischen Ergebnis“, sagt Freynick, der über die Landesliste (Platz 21) in den Landtag einzieht. „Das hätte ich mir nicht träumen lassen.“ Noch am Wahlabend hatte sich der 34-Jährige von Siegburg nach Düsseldorf aufgemacht, um mit den Parteikollegen zu feiern. Auch wenn dort am Montagnachmittag das erste Treffen der Fraktion anstand, fuhr Freynick am Vormittag zwischenzeitlich wieder nach Bornheim, um seine Familie zu sehen. Im Landtag sei eines seiner ersten Anliegen, „dass wir eine gute Planung für die Bonner Nordbrücke und den Tausendfüßler hinbekommen“. Denn mit den Bauarbeiten komme eines der größten Verkehrsprobleme auf die Region zu. Mit Blick auf eine mögliche Koalition mit der CDU meint Freynick: „Die CDU ist nicht unbedingt Wunschpartner. Natürlich würden wir gerne mitregieren – aber nicht um jeden Preis.“

Matthias Käding (AfD): „Wir sind froh, dass wir in den Landtag eingezogen sind“, freut sich Käding. Allerdings gelte es aufzuarbeiten, warum die AfD unter ihren Erwartungen geblieben sei. Das könne „interne Gründe“ haben, nach außen sei in der Darstellung nicht alles optimal gelaufen. Als Direktkandidat erzielte der Bornheimer 6,3 Prozent. „Ich hätte mir mehr gewünscht, aber in Anbetracht der Umstände ist das okay.“ Dass er besser abschnitt als der Kandidat der Grünen (6,1 Prozent), dürfe man „nicht überbewerten“: „Die Grünen haben sich selbst ins Abseits geschossen“, so Käding.

Piraten sind deprimiert

Michael Lehmann, Linke: „Auf Landesebene haben wir unsere soziale Gerechtigkeit den Mitmenschen nicht vermitteln können“, stellt Lehmann angesichts des verpassten Einzugs der Linken in den Landtag fest. „Ich persönlich bin sehr zufrieden“, bewertet der Bornheimer sein Ergebnis von 3,2 Prozent. „Wir haben unsere Stimmen verdoppeln können.“ 2012 betrug das Ergebnis 1,7 Prozent.

Jürgen Weiler, Piraten: Als „deprimierend, aber erwartet“ bezeichnet Weiler den Ausgang der Wahlen für seine Partei. Der Bornheimer erzielte weniger als ein Prozent der Stimmen. „Ich habe schon eine klare Vorstellung gehabt, dass es in diese Richtung gehen wird“, sagt er. Ein Fehler der Piraten im Landtag sei gewesen, dass nicht genug kommuniziert worden sei, wofür sie sich eingesetzt hätten.