Interview: Den Stadtjugendring Bornheim gibt es seit 20 Jahren

Interview : Den Stadtjugendring Bornheim gibt es seit 20 Jahren

Vor 20 Jahren wurde der Stadtjugendring Bornheim gegründet, um die Interessen der Jugendlichen der Stadt zu vertreten. Der aktuelle Vorsitzende Dominik Pinsdorf sprach mit dem GA über die Feierlichkeiten, die größten Erfolge und Projekte wie "Jugend trifft auf Blaulicht".

Wie feiert der Stadtjugendring sein 20. Jubiläum?

Dominik Pinsdorf: Sehr bescheiden in einer Feierstunde im Rathaus am 15. September ab 14.30 Uhr, zu der wir Politiker, Förderer und Mitgliedsvereine eingeladen haben. Die Vorsitzende des Landesjugendrings, Sarah Primus, kommt, das ist für uns eine große Anerkennung. Interessierte Bürger sind auch eingeladen. Wir wollten eigentlich ein großes Fest auf dem Rathausparkplatz feiern, aber aufgrund unserer vielen Projekte, die gerade laufen, ist das im Ehrenamt nicht machbar.

2018 hat Sie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stellvertretend für den Jugendring zum Bürgerfest am Schloss Bellevue eingeladen. Wie hat sich das angefühlt?

Pinsdorf: Ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit ihm ins Gespräch kommen würde. Er hatte uns einen Brief geschrieben, als er gerade ins Amt gekommen war. Den habe ich ihm da gezeigt und er konnte sich sogar noch daran erinnern. Das ist eine Wertschätzung für uns als Verein, dass wir etwas richtig machen, indem wir junge Menschen an politische Beteiligungsformen heranführen. Klar machen wir das „nur“ in Bornheim, aber es ist schön, wenn die Großen uns auch wahrnehmen. Wir öffnen uns für alle. Wir wollen uns nicht nur in den Mauern einer Stadt bewegen.

Mit welchem Ziel ist der Stadtjugendring vor 20 Jahren angetreten?

Pinsdorf: Der Stadtjugendring hat sich damals gegründet, um die nicht-organisierte und die organisierte Jugend zu vertreten. Das heißt: mit der Stadtverwaltung und den Trägern einen Jugendraum zu schaffen. Das ist gut gelungen. Wir haben zum Beispiel den Bornheimer Jugendtreff. Für die nicht-organisierte Jugend haben wir Streetworker. Und die organisierte Jugend der Jugendverbände vertreten wir im Rat, beim Bürgermeister und in der Öffentlichkeit.

Wie unterscheiden sich die Aufgaben heute von denen vor 20 Jahren?

Pinsdorf: Die ersten 10, 15 Jahre war die Aufgabe, Freizeitgestaltung zu organisieren, Ferienfreizeiten, das Ausleihen von Kickern und Ähnliches. Wir haben festgestellt, Ausleihen ist nicht mehr modern; heute kauft sich jeder Verein alles selber. Auch Freizeiten bieten die Organisationen selbst an. Deswegen gehen wir heute mehr in die Richtung Demokratieförderung, Netzwerkarbeit, wir entwickeln Formate wie „Jugend trifft auf Politik“. Wenn jemand ein Problem hat, kommt er auf uns zu, und wir versuchen dann, mit allen Beteiligten eine Lösung zu finden.

Ist das Projekt „Jugend trifft auf Blaulicht“ ein Beispiel dafür?

Pinsdorf: Ja, da sind die Hilfsorganisationen auf uns zugekommen und haben gesagt: „Wir haben Nachwuchsprobleme.“ Daraus ist das Projekt entstanden. Inzwischen haben uns schon andere Kommunen um Hilfe gebeten, die auch so ein Projekt starten wollen.

Das Projekt hat vier Preise gewonnen, darunter zwei der „Helfenden Hand“ des Bundesinnenministeriums. Hätten Sie mit dem Erfolg gerechnet?

Pinsdorf: Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell so gut ankommt. 2018 haben wir das Projekt im Februar gegründet, im Mai kamen die ersten Spenden, dann der erste TV-Beitrag, im September lief unser Imagefilm im WDR. Dann die Auszeichnung des Innenministeriums. Und es läuft immer noch: Vor zwei Wochen stand die erste 24-Stunden-Übung der Jugendgruppen der vier Hilfsdienste an. Vor einigen Jahren hätte man nie für möglich gehalten, dass Malteser, Rotes Kreuz, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk gemeinsam eine solche Übung durchführen würden.

2012 wurde das Kinder- und Jugendparlament gegründet. Wie hat das Ihre Arbeit beeinflusst?

Pinsdorf: Damals mussten wir uns ganz neu erfinden, neue Aufgaben suchen. Das haben wir getan, mit Formaten der Demokratieförderung. Wir versuchen, junge Menschen an Politik heranzuführen, sie ungezwungen mit Entscheidungsträgern an einen Tisch zu bringen. Andere Sachen liegen noch in der Schublade.

Haben Sie schon konkrete Pläne?

Pinsdorf: Ab September haben wir an der Europaschule die deutschlandweit erste Blaulicht-AG, bei der alle vier Hilfsorganisationen an Bord sind, um den Jugendlichen spielerisch ihre Arbeit näher zu bringen. Die Dorfrocker kommen am 7. März für ein Benefizkonzert in die Kaiserhalle. „Jugend trifft auf Politik“ geht am 20. März mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, Familienministerin Franziska Giffey, der Linkenvorsitzenden Katja Kipping und NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer weiter. Und auch „Generationen verbinden“ geht im März in die zweite Runde.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Erfolge des Stadtjugendrings?

Pinsdorf: Dass wir es geschafft haben, nicht nur eine Alibieinrichtung zu sein, sondern eine Institution geworden sind, bei der man sich Rat holt, die in allen politischen Lagern und Vereinen ernst genommen wird. Dass Jugend ernst genommen wird. Dass die Jugend weiß, dass sie eine Institution hat, an die sie sich immer wenden kann.

Wie ist die Beziehung des Jugendrings zur Stadt Bornheim?

Pinsdorf: Sehr gut. Das Jugendparlament und der Stadtjugendring werden ernst genommen.

Braucht Bornheim einen hauptamtlichen Jugendring?

Pinsdorf: Das Ehrenamt ist der Motor der Stadt, ganz klar. Mein Jahresurlaub geht hauptsächlich für den Stadtjugendring drauf. Je nachdem, was passiert, investiere ich 20 bis 35 Stunden neben der Arbeit in den Ring. Das ist okay, es macht ja auch Spaß. Aber Brühl und Bonn haben eine hauptamtliche Stelle. Wegen der Fülle der Arbeit, würde ich deswegen sagen: ja, brauchen wir. Die Frage ist, wie man das finanzieren könnte.

Was wünschen Sie sich von der Stadt?

Pinsdorf: Wir haben keine Geschäftsstelle, die Vereinsadresse ist meine Adresse. Eigene Räume, damit wir privat auch privat und den Stadtjugendring den Stadtjugendring sein lassen könnten, würden uns schon helfen.

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