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Rheinische Redensarten: Datt ess ävver ne Kreppebesser

Rheinische Redensarten : Datt ess ävver ne Kreppebesser

Wir stellen schöne und bedeutungstiefe rheinische Redensarten vor.

Es ist immer schön, wenn man an eine rheinische Redensart gerät, die sich erstens nicht selbst erklärt und zweitens terminologisch und mentalitär als typisch rheinisch zu bezeichnen ist. Denn das macht die Übersetzungsarbeit spannend. So einen Satz hat uns Mundartfachmann Georg Schmidberger zugeschickt, den ich ausdrücklich mal namentlich nennen muss, weil er ein wirklich treuer Lieferant für unseren Redensartennachschub ist. Man kann seine Liebe zum Heimatdialekt förmlich spüren. Der jute Mann sammelt typische Wendungen insbesondere in dem „schönen Städtchen Heimerzheim“, auch wenn die Bezeichnung Stadt in diesem Fall eine leichte Übertreibung darstellt.

Wie dem auch sei. Es geht hier um den Satz: „Datt ess ävver ne Kreppebesser.“ Da ist guter Rat erst einmal teuer. Manch einer wird sagen: Noch nie gehört. Folglich müssen wir uns der Übersetzung in logarithmischen Schritten nähern. Leicht ist die Subjekt-Prädikat-Konstruktion. Sie heißt so viel wie: „Das ist aber ein…“ Und dann? „Kreppebesser“? Mit ein bisschen Know-how übersetzen wir: „Krippenbeißer“. Aber was ist damit gemeint?

Treten wir nochmal einen Schritt zurück und stellen fest: Viele rheinische Redensarten stammen aus dem agrarischen Umfeld, soll heißen: Bauernhof. Denn in früheren Zeiten war das Leben in so gut wie jedem Dorf auf dem Lande durch Ackerbau und Viehzucht geprägt.

Und so entwickelte sich auch der Begriff des Krippenbeißers. Es handelte sich dabei um ein Pferd, das den Winter über im Stall stehen musste. Klar, dass diese Muskelpakete, die im Sommerhalbjahr so manche Last schleppen mussten, nicht ganz ausgelastet waren. Wir wissen nicht, ob Pferden langweilig sein kann, zu vermuten ist es allerdings, denn die Unpaarhufer, die in der kalten Jahreszeit über Monate im Stall stehen mussten und keinerlei Abwechslung hatten, bissen regelmäßig in ihre Futterkrippe. Und die Kräftigen unter ihnen hatten am Ende des Winters ihren Trog regelrecht kaputt gebissen. Selbst schuld, dann gibt es halt auch kein Futter mehr. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Was aber bedeutet das Übertragen auf einen Menschen, dem man sagt: Du bist aber ein Krippenbeißer? Die Ansprache richtet sich an einen Typus Mensch, der ständig gefrustet wirkt. Von ihm geht eine Aura des Unglücks aus, er fühlt sich unverstanden, benimmt sich entsprechend und fast auch nicht so recht Fuß bei den Leuten. Es fehlt halt die Akzeptanz. Er blickt eigentlich immer sauertöpfisch drein, und man darf vermuten, dass er ständig einem Magengeschwür nahe ist.

Klar, es gibt solche Menschen, die immer das Haar in der Suppe finden. Sie denken nicht lösungsorientiert, sondern problemorientiert. Und was soll ich sagen: Sie finden auch immer ein Problem, das ihnen die Genugtuung gibt, allen Grund zu haben, nicht freundlich und fröhlich gucken zu müssen – und zu sein.

Der General-Anzeiger bietet unter dem Titel „So geht Rheinisch“ einen Mundart-Podcast auf allen Podcastplattformen, unter anderem auf Spotify. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga-bonn.de