So geht Rheinisch: Dat han isch für lau kräje

So geht Rheinisch : Dat han isch für lau kräje

In dieser Folge der GA-Serie „So geht Rheinisch“, geht es um den Spruch „Dat han isch für lau kräje“.

Der Rheinländer ist sehr darauf bedacht, sein Leben selbst zu bestimmen. Das ist zwar in gewisser Weise eine allgemeine menschliche Sehnsucht, die die Psychologen Selbstwirksamkeit nennen, das Bemühen darum ist aber in der rheinischen Seele ganz besonders fundamentiert.

Denn hierzulande begibt man sich nicht gerne in Abhängigkeit zu äußeren Faktoren ganz allgemein. Das mag damit zu tun haben, dass das Rheinland im Verlaufe der Wechselfälle seiner Geschichte oft besetzt war und mit verschiedenen Formen der Unterdrückung zu tun hatte.

Eine Dimension der Abhängigkeit  betrifft sicher das Finanzielle. Wenn man Geld hat, dann muss man sich nicht so verbiegen, wie wenn es fehlt. Insofern haben wir eine zielführende rheinische Redensart mit Hintersinn. Sie lautet: „Dat han isch für lau kräje.“ An dieser Stelle platzen wir mal mit der Türe ins Haus und übersetzen den Satz ins Hochdeutsche: „Das habe ich (für) umsonst bekommen.“ Im Fokus der Übersetzung steht das Wort „lau“, das synonym für umsonst im Sinne von gratis steht.

Nun haben sich die Rheinländer eine schöne Legende gebaut, um die Herkunft des Begriffes nachvollziehbar zu machen. Demnach ist die Primärbedeutung von „lau“ unbestritten „warm“. Nicht heiß, nicht kalt, nein warm. Und da gab es den Knecht, der heimlich und verbotenerweise von der warmen Milch den Rahm abschöpfte und damit zum „Lauschepper“ wurde, was dann in Personalunion Warmschöpfer und Gratisschöpfer bedeutete. So habe sich ein fundamentaler Bedeutungswandel vollzogen.

Wie Sprachforscher Peter Honnen vom Landschaftsverband Rheinland allerdings zu berichten weiß, ist diese Herleitung falsch. Zwar hat sie viel Schönes, aber sie ist dennoch schlicht nicht wahr.

Tatsächlich leitet sich „lau“ - wie so  viele andere rheinischen Begriffe - vom Jiddischen ab. Dort heißt nämlich lo oder lau so viel wie „nichts“. Der Begriff ist nach und nach in den allgemeinen Sprachgebrauch des Dialektes eingewandert und dort geblieben.

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